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Corona-App angeblich zwangsinstalliert

Kettenbrief verunsichert Nutzer - Wurde die Corona-App zwangsinstalliert?

Werden wir seit kurzem alle Zwangsüberwacht? Ein perfider WhatsApp Kettenbrief verunsichert Nutzer und schürt Zweifel an der geplanten Corona-Warn-App. Als "Beweis" führt er eine missverständlich bezeichnete Option im Smartphone an. Wir erklären, was es wirklich damit auf sich hat.

Wer die Entwicklung der geplanten App zur Corona-Kontaktverfolgung nicht verfolgt hat, der kann bei dem Kettenbrief, der derzeit die Runde macht, durchaus ins Grübeln geraten. Angeblich sei die App still und heimlich auf allen Smartphones installiert worden. Und tatsächlich, wer der Anleitung folgt und in den Einstellungen schaut, entdeckt dort einen Hinweis, auf die "COVID 19-Kontaktverfolgung". Allerdings: Anders als der Kettenbrief behauptet, ist dies kein Beweis für eine heimlich installierte App.

Dieser WhatsApp Kettenbrief warnt vor einer angeblich heimlich installierten Corona-App.


Der komplette Text des irreführenden Kettenbriefs:
"Heute Nacht wurde still und heimlich die Corona App auf unser aller Smartphones installiert. Wer es nicht glaubt, bitteschön: Einstellungen > Google > Benachrichtigung zu möglichen Kontakt zu COVID 19 Infizierten. Die App kann nicht deaktiviert werden. Willkommen in der totalen Überwachung. Tipp: Bluetooth aus, Standort aus."


Wieso steht in den Einstellungen meines Smartphones etwas von COVID 19 Kontaktverfolgung?

Dieser Eintrag in den Systemoptionen ist lediglich das technische Grundgerüst für die eigentliche App und zeigt an, dass das Smartphone generell für die Nutzung der Corona-Warn-App geeignet ist. Vorstellen kann man sich dies als eine Art „Ausnahmegenehmigung“. Normalerweise erlauben Google und Apple aus Sicherheitsgründen keinen Zugriff auf die Funktionen, die eine solche Corona-Warn-App benötigt. Aber wegen der Pandemie haben die Hersteller in den letzten Tagen eine Ausnahme eingebaut, die es generell ermöglicht die benötigten Daten zu sammeln. Die Steuerung dieser Funktion ist über den nun neu hinzugefügten Eintrag in den Einstellungen möglich. Zugriff auf diese Daten bekommen aber nur speziell zertifizierte Apps von Gesundheitsbehörden. Und solange der Nutzer die nötige App nicht herunterlädt, bleiben die neuen Funktionen inaktiv!

Wo kann ich bei meinem Smartphone sehen, ob die Corona-Tracking-Funktion installiert ist?

Das Grundgerüst für die Kontaktverfolgungs-Apps haben Google und Apple in den letzten Tagen über Updates des Betriebssystems hinzugefügt. Wenn ihr überprüfen wollt, ob euer Smartphon bereit für die Kontaktverfolgung ist, müsst ihr dazu die Einstellungen aufrufen.

Android Smartphones:
Wählt in den Einstellungen die Option "Google" oder "Google-Konto". Hier wurde mit dem Update die Funktion "Benachrichtigung zu möglichen Kontakt zu COVID 19 Infizierten" hinzugefügt.

Apple Smartphones:
Hier findet ihr die neuen Corona-Einstellungen unter Datenschutz und dort unter der Rubrik "Health".

So sehen die Corona-Kontaktprotokoll-Optionen in Android und iOS aus

Ab wann ist die Corona-Warn-App verfügbar?

In einigen unserer Nachbarländer ist eine Corona-Warn-App bereits verfügbar, hier bei uns in Deutschland dauert es noch ein wenig. SAP und die Deutsche Telekom wurden vom Bund mit der Entwicklung beauftragt und rechnen mit einer Fertigstellung Ende Juni. Ein Grund für die Verzögerung war unter anderem ein heftiger Streit über den Umgang mit den gesammelten Daten. Die Bundesregierung hatte zuerst eine Version bevorzugt, bei der die Kontaktdaten zentral beim RKI gesammelt werden - letztendlich hat sich aber eine datenschutzfreundlichere Variante durchgesetzt, bei der die Daten auf den Smartphones der Benutzer verbleiben.

Wie genau soll die Corona-Warn-App eigentlich funktionieren?

Auch wenn die App demnächst fertig ist, bedeutet dies nicht, dass wir damit überwacht werden. Der App ist es sogar verboten aufzuzeichnen wo sich jemand befindet. Regierungen die dagegen verstoßen, bekommen von Apple und Google keinen Zugriff auf die benötigten Kontaktverfolgungs-Funktionen. Aufgezeichnet wird stattdessen einfach nur, welche Smartphones sich für einen längeren Zeitraum in der Nähe befunden haben.

Dazu sucht das Telefon per Bluetooth in der näheren Umgebung nach anderen Smartphones, die ebenfalls die Corona-Warn-App installiert haben. Die beiden Apps tauschen dann eine zufällig erzeugte ID aus und speichern diese für 14 Tage. Dabei bleiben alle Daten auf dem eigenen Handy. Erst wenn bei einer Person eine Infektion mit dem Coronavirus diagnostiziert wird, kann diese die gespeicherten IDs freigeben und so die Menschen warnen, die sich in den letzten 14 Tagen in der Nähe aufgehalten haben.

Marc Adler

Autor
Marc Adler

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