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Bienenfutter aus alten Kaugummiautomaten

Recycling und Bienenretten - Wie Kaugummiautomaten Bienen helfen

Im ersten Moment gar nicht so leicht zu erkennen: Aus diesen alten Kaugummiautomaten kommt jetzt Bienenfutter!

Vielleicht kennt ihr das noch von früher: Einen Groschen einwerfen, den kleinen schwarzen Hebel rumdrehen, und schon fiel die Kapsel mit den bunten Kaugummikugeln raus - die zugegeben etwas gewöhnungsbedürftig schmeckten. Doch die meisten dieser Automaten sind schon längst verschrottet oder stehen kaputt am Straßenrand. Aus einigen kommt jetzt allerdings Bienenfutter!

Bienen haben es in Deutschland wegen Flächenversiegelung, Pestizideinsatz und Monokulturen auf vielen Grünflächen immer schwerer zu überleben. Um den wichtigen Tierchen zu helfen, könnt ihr jetzt aus einem umgebauten Kaugummiautomaten Samenmischungen und Blumenzwiebeln bekommen!

Die Kapseln der alten Kaugummiautomaten sind zwar die gleichen, doch der Inhalt ist ein anderer. In den Plastikkapseln befinden sich Blumensamen, die ihr einfach zuhause in einen Topf auf dem Balkon oder in den Garten pflanzen könnt.

Die Automaten geben zwei unterschiedliche Saatmischungen fertig gekapselt her. Im Herbst sind zusätzlich Krokusknollen verkapselt, die den Winter überleben und schon Ende Februar blühen. Schon für nur 20 Cent könnt ihr euch die Blumensamen aus den Bienenfutterautomaten ziehen.

Der Kopf dahinter

Die Samenmischung in den Kapseln soll vor allem den Wildbienen beim Überleben helfen. Die Idee dazu hatte ein Handwerksmeister und Tüftler aus Dortmund, Sebastian Everding. Besser gesagt, seine Lebensgefährtin.

Everding hat nämlich zuerst Witze-Automaten gebaut. Für 20 Cent spuckten diese Automaten Witze aus - das fand seine Lebensgefährtin allerdings weniger sinnvoll: "Mach doch bitte was, was nicht nur lustig ist, sondern auch nützlich ist", sagte sie zu Everding und siehe da - aus Witzeautomaten wurden Bienefutterautomaten!

Der Kopf hinter der Idee: Sebastian Everding

Woher die Idee zu den Automaten kam

Leider aus Plastik, doch unumgänglich: Die Kapseln mit dem Bienenfutter

Aber warum Plastikkapseln?

Gefüllt werden die Automaten von der Firma Bienenretter Manufaktur in Frankfurt - mehr als 18.000 Kapseln haben sie schon befüllt!

Schade nur, dass die Kapseln aus Plastik sein müssen. "Diese Automaten sind teilweise aus den 60ern, 70ern, also eine uralte, analoge Technik. Da passt nur ein harter Körper rein, mit gewissen Abmessungen. Deswegen geht nur diese Plastikkapsel", erklärt uns der Handwerksmeister.

Weil aber natürlich kein unnützer Müll produziert werden soll, sollten neben die Automaten Sammelboxen aufgestellt werden, um die Plastikkapseln auch wieder verwenden zu können. Für Sebastian Everding eine grundlegend verpfichtende Angelegenheit. Die Plastikkapseln können so nach dem Entleeren wieder zurückgebracht und neu befüllt werden.

Sebastian Everding über das Plastikproblem

Wiederverwenden statt wegwerfen

Aus Hobby wird Arbeit

Über dreißig Bienenfutterautomaten gibt es schon in ganz Deutschland und genauso viele sind schon bestellt. Everding sucht sich die alten Kaugummiautomaten in ganz Deutschland zusammen. Die sind nicht immer in bester Kondition. Die teilweise verbeulten und beschädigten Automaten bearbeitet Sebastian Everding mit Sandstrahl, ölt die Mechanik, lackiert die Automaten gelb, beklebt sie und feilt hier und da noch ein wenig an den Automaten rum. 

"Das ganze war zunächst als mein privates Hobbyprojekt gedacht. Dann kamen erst zwei Nachfragen, dann kamen drei, ob ich weitere Automaten baue", verrät uns Everding. Aber ihm fällt das Projekt nicht zur Last, ganz im Gegenteil, es freut ihn total, da sein Projekt einen guten Zweck hat!

Everding über die große Nachfrage

Die Bienenfutterautomaten sind beliebt

Nicht leicht zu erkennen

Die ersten Automaten hängen schon im Rhein-Main-Gebiet. Sind aber gar nicht so leicht zu erkennen, findet FFH-Hörerin Clara aus Frankfurt-Bornheim. "Ich hab gedacht, das wäre ein Kaugummiautomat", gesteht sie uns. Die Idee findet sie aber "entzückend" und in Zukunft wird sie die umfunktionierten Automaten bestimmt schneller erkennen!

FFH-Hörerin Clara über die Bienenfutterautomaten

"Entzückend" diese Automaten!

Automaten in eurer Nähe

Ob ein Bienenfutterautomat in eurer Nähe ist, seht ihr mithilfe dieser Karte. Insgesamt hängen 18 dieser Automaten verteilt in ganz Deutschland, in Hessen gibt es die Automaten bisher in Frankfurt, Neu-Isenburg und in Grassellenbach im Odenwald. 20 weitere sind deutschlandweit schon in Planung, unter anderem auch in Mainz und Offenbach. 

Ihr könnt euch übrigens auch als Privathaushalt einen solchen Automaten zulegen. Die Kosten betragen allerdings bis zu 379€.

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