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Immaterielles Kulturerbe: 4 hessische Vorschläge

Immaterielles Kulturerbe - Das sind die vier hessischen Vorschläge

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Vielleicht gibt's bald noch mehr Gründe, stolz auf unser schönes Hessen zu sein. Vier besondere Dinge, die aus unserem Land kommen, sollen zum immateriellen Weltkulturerbe werden: Der hessische Apfelwein, die Herbsteiner Fastnacht im Vogelsberg, der Tabakanbau rund um Lorsch und das hessische Uhrmacherhandwerk!

Immaterielles Kulturerbe - was soll das sein? Gemeint sind damit lebendige Traditionen, die unbedingt erhalten werden sollen. Auf der Website des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft und Kunst heißt es: "Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, darstellende Künste, Bräuche, Rituale und Feste, traditionelle Handwerkstechniken, Wissen oder Fertigkeiten, sind Kultur, die es zu erhalten gilt." Um auf der UNESCO-Liste für Immaterielles Kulturerbe zu landen, müssen die Länder eigene Vorschläge einreichen. Über die Aufnahme entschieden wird im Frühjahr 2021. 

Hessen hat sich fürs Stöffche, den Herbsteiner Foastelt mit seinem Springerzug, den Tabakanbau rund um Lorsch und das Uhrmacherhandwerk entschieden, denn vor über 100 Jahren wurde eine Innovation zum weltweiten Erfolg - vor allem an Bahnhöfen. 

Uhrmacherhandwerk

Die Firma Carl-Theodor Wagner aus Wiesbaden war da der Vorreiter. Die Innovation: Eine Hauptuhr gibt einen Impuls an beliebig viele angeschlossene Nebenuhren weiter! So haben alle Uhren dieselbe Zeit angezeigt. Nicht selbstverständlich, weil es damals noch keine Funkuhren gab. Und dank dieses Hauptuhr-Nebenuhr-Systems war ausgeschlossen, dass die Uhren unterschiedliche Zeiten angezeigt haben. In Bombay in Indien gab's solche hessische Uhren, in den USA - und die Stadt Rotterdam in Holland hat sich sogar eine Uhrenanlage mit 800 solcher angeschlossenen Nebenuhren gesichert.

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Die Herbsteiner Fassenacht

Wer schon mal an Rosenmontag in Herbstein im Vogelsberg war, der weiß: sowas gibt's nicht nochmal. Seit 400 Jahren wird die Foaselt hier schon gefeiert. Tiroler Steinmetze haben den sogenannten Sprungtanz mit Bajazz und seinen Pärchen in den Vogelsberg gebracht. Das sind insgesamt 13 junge Männer, die durch Herbstein hüpfen - und zwar vier Stunden lang. Die Pärchen haben bunte Röcke und Mieder an beziehungsweise Lederhosen und Hosenträger, und sie begleiten den Bajazz, der den ganzen Umzug anführt. 

Auch andere besondere Figuren gehören zur Herbsteiner Foaselt: Der Erbsenstrohbär, der wirklich von oben bis unten in Stroh eingewickelt ist, ein Storch oder auch Schwelleköpp. Also Figuren mit riesigen Pappmaché-Köpfen, wie wir das auch aus dem Rheinland kennen.

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Apfelwein, Ebbelwoi, Stöffche

So viele Namen für ein großartiges und süffiges Kulturgut von uns Hessen. Der Apfelwein soll ein Immaterielles Kulturerbe werden. Ob pur, ob sauer gespritzt, ob zum Schnitzel oder zum Handkä: Der Äppelwoi gehört einfach zu Hessen so wie der Adler zur Frankfurter Eintracht. Speziell in Frankfurt ist das Stöffche ja heilig und erhoben zum Nationalgetränk. Zum Beispiel bei der Apfelweinwirtschaft Frau Rauscher in Sachsenhausen.

Getrunken wird der Äppler aus gerippten Gläsern. Das kommt von früher, weil die Menschen da noch viel mehr als heute Fleisch mit den Händen gegessen haben. Hatten also fettige Finger und da ist das glatte Apfelwein-Glas dann nicht selten durchgerutscht. 

Der natürliche Alkoholgehalt vom Apfelwein liegt übrigens zwischen 5 und 7 Vol.-% und wenig Kalorien hat er auch: Unter 50 sind es pro 100 ml. Ein Weißwein hat im Schnitt zum Vergleich 72 Kalorien/100 ml. 

Tabakanbau rund um Lorsch

Seit über 300 Jahren hat der Tabakanbau rund um Lorsch Tradition. Früher gab's hier mal über 50 Zigarrenfabriken. Heute beackern einige Ehrenamtliche noch ein Tabakfeld. Da wird der Lorscher Tabak angepflanzt. Zwei Meter hoch wächst die Pflanze. Die Blätter sind grün und sehen aus wie ein Riesen-Salatblatt. Wenn sie geerntet sind, werden sie im Tabakschuppen zum Trocknen aufgehängt und hängen dann wie Fledermäuse von der Decke.

Lorsch hat auch ein eigenes Tabakmuseum. Zu sehen ist da auch ein Wickeltisch – also nicht für Babys, sondern fürs Wickeln der Zigarren. Und die Lorscher Zigarren - die sogenannte Lorsa Brasil - kann man natürlich auch kaufen. Stilecht in einer stylischen Holzbox.

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