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Kai Pfaffenbach: Blick hinter Olympia-Kulissen

Blick hinter Olympia-Kulissen - Fotograf bei Spielen im Ausnahmezustand

Am Freitag starten die Olympischen Spiele in Tokio unter Pandemie-Bedingungen. Der Hanauer Sport-Fotograf Kai Pfaffenbach darf bei den Events vor Ort sein und erzählt in FFH Guten Morgen, Hessen wie es bei den Spielen im Ausnahmezustand hinter den Kulissen zugeht.

Ob es unter den derzeitigen Bedingungen zu verantworten ist, ein sportliches Großereignis durchzuführen, ist mehr als umstritten. Im Gastgeberland Japan ist eine überwiegende Mehrheit der Bevölkerung gegen die Durchführung - laut Umfragen befürwortet nur ein Viertel der Japaner die Spiele. Trotzdem wollen die Verantwortlichen das Event durchführen - zu viel Geld und Prestige hängt an der Veranstaltung. Es lastet also viel Druck auf der japanischen Regierung und dem Internationalen Olympischen Komitee, dass es bei diesen Spielen nicht zu einem großen Corona-Ausbruch kommt. Die Maßnahmen, die dies verhindern sollen, hat Fotograf Kai Pfaffenbach in den letzten Tagen erlebt. Er ist für die Nachrichtenagentur Reuters bei den Spielen und hat das komplette Quarantäne-Programm durchlaufen, um sich während des Events frei bewegen zu können.

Quarantäne-Frühstück im Hotel

Vier Tage auf unter 10 Quadratmetern

Die ersten vier Tage seines Aufenthalts musste er dafür in einem winzigen Hotelzimmer auf nicht einmal 10 Quadratmetern verbringen. Ein Gang nach draußen: Streng verboten. Die folgenden zehn Tage durfte er sein Hotel zwar verlassen, aber nur auf vorbestimmten und vorher freigegebenen Wegen. Zum Beispiel bis zum 200 Meter entfernten Pressezentrum, seinem Arbeitsplatz. Eine App mit GPS-Tracking überprüft, dass er auch nicht von der erlaubten Route abweicht, erzählt er Julia Nestle und Daniel Fischer. Und auch im Pressezentrum ist genau geregelt, mit welchen Kollegen er in Kontakt kommen darf und mit welchen nicht.

"Ich kann gut verstehen, dass die Japaner da keine Lust drauf haben"

Inzwischen hat Kai Pfaffenbach seine Quarantänezeit überstanden und darf sich freier in der Stadt bewegen. Und sein Erlebnisse vor Ort bestätigen, was auch die Umfragen schon sagen: "Bei mir hat sich der Eindruck verfestigt, dass die Japaner keine Lust auf die Spiele haben. Nicht weil sie den Sport nicht mögen oder generell gegen Olympia sind, sondern ich glaube das passt im Moment einfach nicht in die Zeit. [...] Zumal jetzt die Menschen ja auch dahingehend nichts davon haben, dass sie sich zumindest mal den Sport anschauen könnten. Das fällt ja alles aus. [...] Sprich die Menschen haben nichts davon, weder emotional noch wirtschaftlich. Ich kann gut verstehen, dass die da keine Lust drauf haben!"

4 Tage im Mini-Zimmer

Und auch der Sport wird darunter leiden, dass die Zuschauerränge der extra gebauten Arenen leer bleiben, vermutet Kai Pfaffenbach: "Ich denke schon, dass die Emotionen fehlen. Ich glaube, das wird sich schon in der einen oder anderen Sportart auch in der Leistung der Athletinnen und Athleten wiederspiegeln."

4-6 Stunden Schlaf - Alltag eines Olympia-Fotografen

Aber auch für Fotograf Pfaffenbach sind die fehlenden Zuschauer natürlich schade - denn natürlich ergeben zehntausende jubelnde Menschen auch für seine Fotos eine schönere Kulisse, als leere Stadien. Trotzdem werden die zwei Wochen Olympia für ihn intensiv werden: "Sobald es mit dem Sport los geht, bedeutet das, dass ich maximal zwischen vier und sechs Stunden schlafen kann", erzählt er uns. Die ersten Wettbewerbe starten üblicherweise ab neun Uhr Ortszeit. Für Pfaffenbach heißt das mit Anfahrt und Vorbereitung zwischen fünf und sechs Uhr aufstehen.

Gegen Mittag gibt es eine kurze Pause - ob er da etwas Ruhe hat oder gar zum Schlafen kommt, hängt aber ganz davon ab, ob sich im Stadion ein ruhiges Plätzchen finden lässt. Denn für den Weg zurück ins Hotel reicht die Zeit nicht.

Und der Tag endet dann mit den Abendsessions, die häufig erst nach elf Uhr vorbei sind - zurück im Hotel ist er dann meistens erst gegen ein Uhr nachts: "Wenn es gut läuft und die Sicherung nicht rausgeflogen ist, dann funktioniert der Wasserkocher und man kann sich noch so ein paar von diesen Nudeln im Becher machen.", sagt er, "und das zieht man dann einfach mal so 15 Tage durch..."

Kai Pfaffenbach bei FFH Guten Morgen, Hessen

Welche Regeln galten für deine Quarantäne?

Fotograf Kai Pfaffenbach bei FFH

Freuen die Japaner sich auf die Spiele?

Fotograf Kai Pfaffenbach bei FFH

Auf welches sportliche Highlight hoffst du?

Fotograf Kai Pfaffenbach bei FFH

Der hessiswche Sportfotograf erzählt Julia Nestle und Daniel Fischer von seinen Erlebnissen vor den olympischen Spielen.

Marc Adler

Autor
Marc Adler

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