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Autorenverband in Darmstadt: PEN verurteilt Rushdie-Anschlag

Autorenverband in Darmstadt - PEN verurteilt Rushdie-Anschlag

Der deutsche Schriftstellerverband PEN in Darmstadt hat den Anschlag auf den Schriftsteller Salman Rushdie scharf verurteilt.

"Wir sind zutiefst schockiert über den Angriff", teilte Generalsekretärin Claudia Guderian mit. Ihr Mitgefühl sei bei Rushdie und seiner Familie. "Unsere guten Wünsche und Hoffnungen auf baldige Genesung begleiten ihn." Der Schriftsteller lebe "für die Freiheit des Wortes" seit nunmehr 30 Jahren unter Todesbedrohung. "Einen solchen Anschlag auf sein Leben hat es bislang nicht gegeben."

Rushdie geht es besser

"Trotz seiner schwerwiegenden und lebensverändernden Verletzungen bleibt sein üblicher kämpferischer und aufsässiger Sinn für Humor intakt", schrieb sein Sohn Zafar Rushdie in einer Erklärung auf Twitter. Der 75-Jährige sei nicht mehr an ein Beatmungsgerät und eine zusätzliche Sauerstoffversorgung angeschlossen. Zudem habe er einige Worte sprechen können.

Rushdies Literaturagenten Andrew Wylie hatte am Tag zuvor der New York Times gesagt, der 75-Jährige Rushdie werde wahrscheinlich ein Auge verlieren. Nervenstränge in seinem Arm seien durchtrennt und seine Leber beschädigt worden.

Motiv des Täters unklar

Polizeiangaben zufolge war Rushdie von einem 24-jährigen Amerikaner angegriffen und schwer verletzt worden. Das Motiv des festgenommenen Mannes aus New Jersey, der wohl alleine handelte, sei weiterhin unklar, sagte ein Polizeisprecher. Der Vorfall ereignete sich bei einer Lesung im Ort Chautauqua im Westen des Bundesstaates New York.

Weltweite Bestürzung nach Attacke auf Rushdie

UN-Generalsekretär António Guterres hat mit Entsetzen auf den Angriff auf den Schriftsteller Salman Rushdie reagiert. "In keinem Fall ist Gewalt eine Antwort auf Worte, die von anderen in Ausübung ihrer Meinungs- und Ausdrucksfreiheit gesprochen oder geschrieben wurden", teilte ein Sprecher mit.

Auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) bezeichnete die Attacke als Angriff auf die Freiheit der Literatur und die Freiheit des Denkens. Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) zeigte sich erschüttert und wünschte Rushdie gute Besserung.

Internationale Kritik an iranischer Führung

US-Außenminister Antony Blinken kritisierte unterdessen den Iran in einer Mitteilung. "Speziell staatliche iranische Einrichtungen haben über Generationen zu Gewalt gegen Rushdie aufgerufen, und staatliche Medien haben sich jüngst an dem Angriff auf sein Leben ergötzt", hieß es dort. Dies sei "verachtenswürdig". Die USA und ihre Partner stellten sich solchen Bedrohungen entgegen.

"Weckruf für den Westen"

Zuvor hatte der britische Premier-Kandidat Rishi Sunak Sanktionen gegen den Iran gefordert. Sunak sagte dem "Telegraph", der Angriff müsse ein "Weckruf für den Westen" sein und spreche dafür, die iranische Revolutionsgarde als Terrororganisation einzustufen. Man müsse sich außerdem fragen, ob eine potenzielle Einigung mit dem Iran im Atomstreit "in einer Sackgasse angekommen" sei.

Per Fatwa zum Tode verurteilt

Rushdie war vor über 30 Jahren per Fatwa zum Tode verurteilt worden: Wegen seines Werks "Die satanischen Verse" ("Satanic Verses") aus dem Jahr 1988 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini das religiöse Rechtsdokument veröffentlicht, das zur Tötung des Autors aufforderte. Einige Muslime fühlten sich durch das Werk in ihrem religiösen Empfinden verletzt.

Zusammenhang unklar

Zu den Hintergründen des Angriffs gab es zunächst keine Details. Ob dieser im Zusammenhang mit der jahrzehntealten Fatwa steht, blieb zunächst offen.

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