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Corona-Modellstadt Alsfeld stellt Konzept vor

Hessens Corona-Modellstädte - Alsfeld stellt Konzept vor

© dpa

Erst testen, dann shoppen - das wird das neue Motto in den drei Modellkommunen sein

Baunatal, Alsfeld, Dieburg - diese drei Modellkommunen hat das Land Hessen für die Öffnungsmöglichkeiten in der Pandemie ausgewählt.

Den Startschuss gibt Alsfeld im Vogelsbergkreis. Die Projekte sollen vorerst maximal bis zum 1. Mai laufen.

Alsfeld stellt Plan vor

Als erste Corona-Modellkommune hat Alsfeld im Vogelsbergkreis ihr konkretes Konzept für Öffnungen vorgestellt. Demnach soll ab dem 8. April zunächst nur der Einzelhandel geöffnet werden - nicht aber die Gastronomie. Das teilte Bürgermeister Stephan Paule (CDU) bei einer Bürgersprechstunde mit. Sicherheit gehe vor Schnelligkeit, sagte Paule. Corona sei auch in Alsfeld noch lange nicht vorbei. Deshalb mache man auch erstmal kleine Schritte.

Wer in Alsfeld shoppen will, braucht einen negativen Test, der nicht älter als 24 Stunden ist. Auch Auswärtige können kommen, müssen sich aber auch in Alsfeld testen lassen, und nicht etwa bei sich zu Hause. Steigt die 7-Tage-Inzidenz über 200 - dann wird der Versuch abgebrochen. Sollte sich das Projekt bewähren, könne in einem nächsten Schritt auch die Außengastronomie und im Anschluss daran gegebenenfalls auch die Gastronomie in Innenräumen öffnen, sagte Paule. 

 

Alsfelds Bürgermeister: Test muss in Alsfeld gemacht werden.

Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule: Besucher müssen den Test in Alsfeld machen.

Konsequent testen - und dadurch Öffnungen ermöglichen

Einzelhandel, Gastronomie oder Veranstaltungen: Lassen sich Öffnungsschritte umsetzen, wenn konsequent getestet wird? Das ist die zentrale Frage in allen drei Modellstädten. Wichtig sei, dass das Infektionsgeschehen engmaschig kontrolliert werde, teilte das Land nach der Bekanntgabe der Modellstädte mit. Deswegen gebe es auch genaue Kriterien, wann die Modellprojekte gestoppt werden - etwa wenn die kreisweite Sieben-Tage-Inzidenz an drei Tagen hintereinander über 200 liegt oder die Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung nicht mehr hinterher kommen.

Land kann sich vor Bewerbungen kaum retten

Insgesamt gab es fast 100 Bewerbungen, teilt Regierungssprecher Michael Bußer mit - darunter seien auch Landkreise und ganze Regionen gewesen. Und nach den Angaben von Bouffier sogar Städte, die aktuell wegen zu hoher Corona-Zahlen Ausgangssperren einführen. Das das nicht funktioniere, liege auf der Hand, so Bouffier. Aber läuft der Versuch erfolgreich, könne beraten werden, weitere Modellregionen hinzuzunehmen, erläuterte Bouffier.

Enttäuschung bei einigen Bewerbern

Einige der Bewerber zeigten sich nach der Absage enttäuscht. Aus Darmstadt etwa hieß es: Dass man nicht die Möglichkeit dafür erhalten habe, "bedauern wir und sehen es auch als eine verpasste Chance", so Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) laut einer Mitteilung. "Für uns heißt das nun, dass wir noch intensiver und stärker am Ausbau unserer eigenen Teststrategien arbeiten und im Dialog mit Gastronomie, Kultur und den Schaustellern eigene Lösungen für vorsichtige Öffnungen entwickeln werden, sofern es die Inzidenzwerte zulassen."

Erst testen dann shoppen - gute Idee?

Drei hessische Gemeinden werden in Modellversuchen Test- und Öffnungsstrategien ausprobieren. Gute Idee?

Ja, nur so können wir Erfahrungen damit sammeln.

Ja, nur so können wir Erfahrungen damit sammeln.

Nein! In der 3. Welle sind alle Lockerungen hochgefährlich. Erstmal impfen!

Nein! In der 3. Welle sind alle Lockerungen hochgefährlich. Erstmal impfen!

Ja, aber warum nur drei Gemeinden? Schnell auch in anderen einführen!

Ja, aber warum nur drei Gemeinden? Schnell auch in anderen einführen!

Baunatal

"Ein erstes Gespräch mit Vertretern von Handel, Gastronomie und Kino hat bereits stattgefunden, in dem es um die notwendigen Festlegungen ging", teilte die Stadt Baunatal mit. Das Projekt soll sich demnach zunächst nur an die Baunataler Bürger richten und "auf den klaren Innenstadtbereich begrenzt werden, auch um stets eine Kontrolle der Maßnahmen gewährleisten zu können". Als "Eintrittskarte" für Lokale oder Läden gilt ein negativ ausgefallener Corona-Test.

Die nordhessische Stadt plant das Projekt "mit kleinen Schritten, um nicht nach kurzer Zeit wieder schließen zu müssen". Einen konkreten Termin für den Beginn gibt es weiterhin nicht.

Engler: Negativer Test ist Eintrittskarte

Für alles, was jetzt geschlossen sei, werde es eine Eintrittskarte geben, erklärt Silke Engler, die Bürgermeisterin von Baunatal

© FFH

FFH-Reporter Marcel Ruge berichtet aus Baunatal

Dieburg

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In Dieburg ist man von der Entscheidung des Landes durchaus überrascht: "Wir haben nicht unbedingt damit gerechnet, dass die Wahl ausgerechnet auf Dieburg fallen würde"", sagte Bürgermeister Frank Haus (parteilos) mit Blick auf die zahlreichen weiteren Kommunen, die sich beworben hatten. Nun gehe es darum, den Menschen Angebote zu machen, Chancen zu nutzen sowie Strategien zu entwickeln, "um Pandemie-Situation und ein Stück weit Alltag und Normalität wieder zusammenzubringen".

Die Stadt hat sich dem Bürgermeister zufolge verschiedene Bereiche ausgeguckt, in denen man sich Öffnungen vorstellen könne: "Das ist wie zu erwarten der Einzelhandel, das ist die Außengastronomie und das kann auch ein kulturelles Angebot sein." Zum Konzept soll auch eine Teststrategie gehören. Wann es losgeht, steht dem Rathauschef zufolge noch nicht fest. Von einem Start unmittelbar nach Ostern geht Haus aber nicht aus. Die Stadt werde noch einige Tage brauchen, um die Infrastruktur auf die Beine zu stellen. Es seien auch noch weitere Absprachen mit Kreis und Gesundheitsamt nötig.

Er hoffe, "Beispiel geben zu können und ein bisschen Hoffnung zu vermitteln", sagte Haus weiter. Ob die Teilnahme als Modellregion große wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen werde, daran habe er zwar erhebliche Zweifel. "Aber es geht glaube ich tatsächlich darum, mal eine Tür zu öffnen und ein Fenster auf zu machen".

"Dieburg ist als Modellkommune ideal geeignet. Die Stadt ist nicht zu groß und nicht zu klein, hat eine sehr zentrale Funktion in der Region, eine gut funktionierende Fußgängerzone mit vielen kleinen, inhabergeführten Geschäften und Gastronomiebetrieben und keine verzweigten Stadtteile.“, kommentiert auch der Landtagsabgeordnete und hessische CDU-Generalsekretär Manfred Pentz.

Viele Dieburger freuen sich, dass ihre Stadt Modellkommune wird

Am FFH-Mikro sehen viele Dieburger das Modellprojekt positiv

© FFH

Enttäuschung bei den "Verlierern"

Bei den vielen hessischen Kommunen, die nicht ausgewählt wurden, ist die Enttäuschung groß. Wiesbaden etwa bekundete weiter Interesse. Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch kündigte dagegen eine eigene Lösung für vorsichtige Öffnungen bei Gastronomie, Geschäften und Kultur an – kombiniert mit dem Ausbau von Corona-Tests. Laut Partsch gebe es dafür schon Konzepte, die in den nächsten Wochen vorstellt würden. Priorität habe aber nach wie vor der Gesundheitsschutz der Bürgerinnen und Bürger, sagte Partsch. 

Reaktionen aus der Politik

Die Entscheidung von Ministerpräsident Bouffier wird im politischen Wiesbaden sehr unterschiedlich bewertet. Die Einschätzungen reichen von "mutlos" bis "lebensgefährlich". So bezeichnet die FDP die Öffnungsmöglichkeiten für Dieburg, Alsfeld und Baunatal als wenig ambitioniert. Sie fordert, dass alle interessierten Städte und Kreise kontrolliert öffnen dürfen.

Die Kritik der Linkspartei geht dagegen komplett in die andere Richtung: Mit Öffnungen mitten in der dritten Welle gefährde man Menschenleben, sagt Linken-Chefin Wissler. Sie fordert stattdessen, Lockerungen zurückzunehmen und Firmen zu Homeoffice zu verpflichten.

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