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FFH-Impftag: So läuft es mit den Corona-Impfungen

FFH-Impftag - So laufen die Corona-Impfungen in Hessen

Wie läuft die Impfkampagne in den verschiedenen Teilen Hessen. Die Reporter aus unseren FFH-Regionalstudios berichten.

Der FFH-Impftag – Wie laufen die Corona-Impfungen bei uns in Hessen? Warum sind wir im bundesweiten Vergleich eigentlich so langsam? Welche Probleme gibt es und was sagt die Politik dazu? Die FFH-Reporter haben in ganz Hessen recherchiert.

Außerdem: Zwei Millionen Impfdosen sollen in der laufenden Woche in Hausarztpraxen verimpft werden, sagt der Bund – kommt jetzt endlich Tempo in die Impfkampagne? Wir haben bei Hausärzten in Hessen nachgefragt. Und: Ab Juni sollen endlich auch Betriebsärzte impfen - in Hessen läuft schon jetzt ein Pilotprojekt. Wir waren dabei.

Warum impft Hessen so langsam?

Seit Beginn der Impfkampagne kurz nach Weihnachten ist Hessen bei den Erstimpfungen nahezu durchgängig unter den langsamsten Bundesländern. Hier haben laut Impf-Dashboard der Bundesregierung mit Stand vom 27. April 22 Prozent der Bevölkerung eine Erstimpfung gegen Corona erhalten - letzter Platz im Länder-Ranking.

Zum Vergleich: Das Saarland liegt da mit einem Prozentsatz von 26,4 Prozent ganz vorne. 

Keine echte Erklärung vom Innenminister

Innenminister Beuth sagt uns, man habe ganz lange Impfstoff für die Zweit-Impfung vorgehalten. Andere Länder hätten mehr auf Risiko gesetzt. Aber man wolle jetzt deutlich aufholen. „Am Montag hatten wir mit über 30.000 Impfungen einen Höchstwert - wir sind auf einem guten Weg“, so Innenminister Beuth im FFH-Interview.

Warum ist Hessen auf dem letzten Platz?

Innenminister Beuth zur hessischen Impflage.

Opposition: Scharfe Kritik an der hessischen Impfstrategie

SPD-Vorsitzende Nancy Faeser

"Falsche Strategie gewählt"

Oppositionsführerin Nancy Faeser (SPD) sagt im FFH-Interview: „Da hat Hessen einfach die falsche Strategie gewählt." Deshalb seien jetzt tausende über 70-Jährige noch nicht geimpft. FDP-Fraktions-Chef René Rock sagt, dass die Hausärzte viel früher hätten mit eingebunden werden müssen. Er kritisiert die schlechte Terminkoordination der Landesregierung und die fehlende Digitalisierung der Prozesse.

FDP-Fraktionsvorsitzender René Rock kritisiert die schleppende Terminvergabe

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So ist die Impflage in den Landkreisen

Kritik an der Terminvergabe des Landes

Auch in den Landkreisen gibt es Frust wegen des fehlenden Tempos. Der gemeinsame Nenner auf den wir in unserer Recherche stoßen: Kritisiert wird besonders die Terminvergabe durch das Land – manche Absagen kämen nicht beim Impfzentrum an, sagt etwa der Kreis Offenbach.

Noch immer über 80-Jährige ohne Impftermin

Der Kreis Kassel macht die Terminvergabe deshalb jetzt zum Teil in Eigenregie: Dort wurde ein eigenes Terminvergabesystem aufgesetzt und tausende Termine selbst vergeben - auch weil noch immer Hessen über 80 auf einen Termin für ihre erste Corona-Impfung warten, hat Inneminister Beuth am FFH-Mikro eingeräumt. Er verspricht nun allen Hessen über 70 bis Ende der Woche einen Impftermin.

Stv. Landrat des Kreises Kassel Andreas Siebert empört über die Impfterminvergabe

Noch viele Kapazitäten frei

Außerdem fehle noch immer vor allem der Impfstoff, um mehr zu impfen, heißt es von vielen Kreisen. Beispiel Kassel: 900 Impfungen gibt es hier im Schnitt pro Tag – dabei könnte man locker 2000 schaffen, sagt ein Stadtsprecher zu FFH. „Wir verimpfen jede Dosis, die wir haben“, heißt es auch vom Kreis Darmstadt-Dieburg.

Sehr unterschiedliche Impfquoten in Landkreisen

Dabei sind die Impfquoten in den einzelnen Kreisen sehr unterschiedlich: Die höchste Erst-Impfungsquote hatte zuletzt die Stadt Darmstadt mit 26 Prozent, die niedrigste der Kreis Darmstadt-Dieburg mit 15,8 Prozent. Die Impf-Quoten seien kaum vergleichbar, sagt man uns vielerorts.

Die sehr unterschiedlichen Impfquoten lägen unter anderem an den unertschiedlichen Startzeitpunkten der Impfzentren. Es gab ja zunächst nur die großen regionalen Impfzentren etwa in Darmstadt, Kassel oder Gießen. Die haben auch die Menschen aus anderen Kreisen mitgeimpft und so ging ein Geimpfter aus der Wetterau beispielsweise trotzdem auf das Impf-Konto des Kreises Gießen.

Außerdem haben einige Kreise mehr ältere Bewohner als andere und mussten mehr in Pflegeheimen impfen. Das dauere länger, sagen die Kreise.

  Landkreise/ Kreisfreie Städte Verimpft Quote Impfquote
RIZ Stadt Darmstadt 89,8% 26,0%
RIZ Stadt Frankfurt am Main 87,6% 19,3%
RIZ Landkreis Fulda 91,8% 23,0%
RIZ Landkreis Gießen 88,3% 25,0%
RIZ Stadt Kassel  87,7% 23,2%
RIZ Stadt Wiesbaden 91,1% 20,3%
  Durchschnitt 89,4% 22,8%
IZ Landkreis Bergstraße 88,4% 17,8%
IZ Landkreis Darmstadt-Dieburg West Pfungstadt 87,5% 15,8%
IZ Landkreis Darmstadt-Dieburg Ost Reinheim 87,5% 15,8%
IZ Landkreis Groß-Gerau 87,4% 16,4%
IZ Landkreis Hersfeld-Rotenburg 87,9% 17,6%
IZ Hochtaunuskreis 88,6% 16,8%
IZ Landkreis Kassel 82,7% 16,3%
IZ Lahn-Dill-Kreis 81,9% 17,6%
IZ Landkreis Limburg-Weilburg 86,2% 17,7%
IZ Main-Kinzig-Kreis_Gelnhausen 81,0% 15,9%
IZ Main-Kinzig-Kreis_Hanau 81,0% 15,9%
IZ Main-Taunus-Kreis 89,0% 17,4%
IZ Landkreis Marburg-Biedenkopf 86,0% 18,7%
IZ Odenwaldkreis 94,5% 21,2%
IZ Landkreis Offenbach 91,3% 17,7%
IZ Stadt Offenbach am Main 88,8% 17,6%
IZ Rheingau-Taunus-Kreis 92,5% 17,6%
IZ Schwalm-Eder-Kreis 90,0% 17,1%
IZ Vogelbergkreis 96,2% 21,9%
IZ Landkreis Waldeck-Frankenberg 96,2% 21,9%
IZ Werra-Meißner-Kreis 92,6% 19,9%
IZ Wetteraukreis 81,3% 16,2%
  Durchschnitt 88,2% 17,8%
  Impfquote anhand der Erstimpfung    18,7%
  Impfquote anhand der Zweitimpfung   7,4%

Quelle: Hessisches Innenministerium, Stand: 27. April 2021

Die Verimpft Quote zeigt, wie viel Prozent der gelieferten Impfdosen tatsächlich verimpft wurden.

Die Impfquote beschreibt den Anteil der Bevölkerung, der schon eine Erstimpfung erhalten hat.

Bei der Statistik sind jedoch nur Impfungen erfasst, die in Impfzentren verabreicht wurden. Impfungen, die bei Hausärzten erfolgten, sind nicht berücksichtigt. Der tatsächliche Wert der Geimpften liegt also noch etwas höher.

"RIZ" steht für Regionale Impfzentren. Sie waren die einzigen, die zu Beginn der Impfkampagne geöffnet hatten. Dort wurden aber auch Menschen aus anderen Kreisen geimpft. Zum Beispiel wurde jemand aus dem Odenwaldkreis, der sich in Darmstadt hat impfen lassen, der Impfquote der Stadt Darmstadt zugerechnet - darum haben diese eine höhere Impfquote. Seit dem 9. Februar impfen alle Impfzentren ("IZ").

Hausärzte warten auf mehr Impfdosen

In der laufenden Woche sollen laut Bundesgesundheitsministerium in den Arztpraxen erstmals mehr als zwei Millionen Corona-Impfungen durchgeführt werden, nächste Woche sollen es über drei Millionen sein, aber noch lässt der Schwung bei den Hausärztinnen und Hausärzten offenbar auf sich warten - zeigt unsere FFH-Recherche.

Noch Luft nach oben

Wir könnten viel mehr impfen, wenn wir nur mehr Impfstoff bekämen, beklagen fast alle Ärztinnen und Ärzte, die wir in unserer Stichprobe gesprochen haben. Wie viel Impfstoff sie bekommen, schwankt von Woche zu Woche, heißt es beispielsweise von der Arztpraxis Wagner und Bruun aus Oberzent in Südhessen.

Kaum Planungssicherheit

Ähnliches berichtet auch Hausarzt Ralf Hönscher aus Petersberg: „Dienstag bestellen, Donnerstag erfahren wir, wieviel kommt und am Montag erfahren wir dann, was am Ende wirklich in der Kühlbox drin ist.“

Wenn dann eine Lieferung ausfällt bzw. weniger geliefert werde, müssten dementsprechend Termine verschoben werden, sagt uns Dr. Ingo Hanisch aus Pfungstadt.

Ausnahme: Impf-Vollgas in Marburger Praxis

Richtig Impf-Vollgas gibt eine Marburger Hausarztpraxis. Das Team um Ulrike Kretschmann hat ein leerstehendes Matratzengeschäft zur Impfstraße umgebaut. Dort können jetzt in der Woche 150 Menschen geimpft werden - "damit sind wir am Limit", sagt sie aber ganz klar, denn aktuell ist das Impfen noch mit großem bürokratischem Aufwand verbunden.

Hausärztin Ulrike Kretschmann aus Marburg gibt Impf-Vollgas

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Pilotprojekt im Main-Kinzig-Kreis: Impfen in Unternehmen

© FFH

Im Rahmen eines Pilotprojekts des Main-Kinzig-Kreises impft bei Heraeus in Hanau Betriebsarzt Dr. Mertens die Mitarbeiterin Magdalena Günther gegen das Corona-Virus - es werden nur Menschen aus den bisher freigegebenen Priorisierungsgruppen geimpft

Die Betriebsärzte sollen nach dem Willen der Bundesregierung erst im Juni mit dem Impfen in Firmen beginnen. Dabei gibt es laut Ministerpräsident Bouffier eine hohe Mitwirkungsbereitschaft bei den hessischen Betrieben. 70 große Unternehmen mit betriebsärztlichen Diensten hätten sich bereits beim Land gemeldet. Bei uns in Hessen wird das Ganze auch schon getestet.

Der Main-Kinzig-Kreis impft in einem Pilotprojekt bereits die Mitarbeiter von vier großen Firmen. Bei Heraeus, Evonik und der Vacuumschmelze Hanau (alle in Hanau), sowie bei Engelbert Strauss in Biebergemünd werden durch Betriebsärzte aktuell die Mitarbeiter geimpft, die zur zweiten Priorisierungsgruppe gehören.

Landrat Thorsten Stolz: "Das Pilotprojekt läuft sehr gut - wir würden uns aber mehr Impfstoff wünschen"

"Wir haben für dieses Pilotprojekt 1.000 Impfdosen zur Verfügung, davon wurden bereits rund 75 Prozent verimpft. Im Laufe dieser Woche sollen dann alle übrigen Impfdosen gespritzt werden", so der Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Thorsten Stolz, im Gespräch mit HIT RADIO FFH. "Das Projekt läuft sehr gut - die Mitarbeiter nehmen das Angebot sehr gerne an. Das einzige Problem ist, dass wir zu wenig Impfstoff haben, sonst könnten wir schon längst auch in anderen Betrieben impfen", so Stolz. 

Pilotprojekt zum Impfen in Unternehmen läuft sehr gut

Thorsten Stolz, Landrat des Main-Kinzig-Kreises, sagt, dass für das Pilotprojekt 1.000 Impfdosen zur Verfügung standen - davon seien 75 Prozent bereits verimpft.

© FFH

Unser Reporter hat beim Technologiekonzern Heraeus vorbeigeschaut. Dort werden bereits seit knapp einer Woche Mitarbeiter geimpft. Betriebsarzt Dr. Hendrik Mertens hat seine Behandlungszimmer deshalb  umfunktioniert in Impfkabinen. Vor Anfragen könne er sich kaum retten, sagt er. Heraeus hat gut 400 Termine bisher vergeben und muss sich dabei streng an die vorgegebene Impfreihenfolge halten.

Angehörige von Mitarbeitern dürften keine Spritze bekommen, obwohl es viele viele Anfragen dahingehend gibt. Es mangele jedoch schlicht an Impfstoff, so der Arzt. Intern stellt der Konzern klar: Auch wenn jetzt ein Teil der Beschäftigten geimpft ist, gelten die bekannten Regeln am Arbeitsplatz weiter: Maske tragen, Abstand halten und Lüften, so gut es geht. 

Auch die Landesregierung plant parallel ein Pilotprojekt, das dem im Main-Kinzig-Kreis ähnelt: So sollen ab Mai unter anderem Merck in Darmstadt oder B.Braun in Melsungen Mitarbeiter impfen dürfen.

Heraeus-Betriebsarzt Hendrik Mertens: Andrang ist sehr groß

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