Nachrichten > Nordhessen, Wiesbaden/Mainz, Top-Meldungen >

Sechs Monate Lockdown- Gastronomen am Limit

Nach sechs Monaten Lockdown - Hessens Gastronomen am Limit

© FFH/Hartmann

Wiesbadens Kneipenmeile - die Goldgasse - seit sechs Monaten alles geschlossen 

Sechs Monate Lockdown: Die Gastronomen in Hessen sind vielfach am Limit. Frust, Geldnöte und Forderungen - wir haben mit Betroffenen und mit Wirtschaftsminister Al-Wazir über die Lage gesprochen.

Clubbesitzer haben sogar schon seit 14 Monaten zu. Kurzarbeitergeld und andere staatliche Hilfen sollen die Wirte retten. Die November-Hilfen sind mittlerweile weitgehend ausgezahlt worden. Für Dezember haben viele bislang aber nur einen Abschlag erhalten. Weitere für 2021 angekündigte Hilfen lassen auf sich warten.

Wirte müssen viel vorfinanzieren

Vieles müssen die Wirte vorfinanzieren: die Pacht, Nebenkosten, Zahlungen für Angestellte. Wir haben mit Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir gesprochen. Er sagt: Weil Gastronomie und Hotelerie Branchen seien, deren Zweck es ist, dass Menschen zusammenkommen, seien sie eben von den Corona-Maßnahmen am härtesten betroffen. Man versuche alles, um den Wirten zu helfen. Aber nicht alle würden das finanziell überleben:

Al-Wazir: Es ist klar, dass es nicht alle schaffen werden

Wirtschaftsminister Al-Wazir hat aber das Ziel, dass es möglichst viele Gastronomen durch die Krise schaffen

© FFH

Anträge auf Hilfen sind für viele kompliziert

Der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Hessen weiß um die Sorgen seiner Mitglieder. Für viele Staatshilfen seien die Anträge zu kompliziert, die Bearbeitung zu bürokratisch, die Auszahlung dauere oft viel zu lange. Für viele Wirte sei das Limit erreicht, sie würden bald aufgeben.

DEHOGA: Öffnungsperspektive muss her

Im FFH-Gespräch fordert deshalb der Sprecher der DEHOGA Hessen, Julius Wagner, endlich Öffnungsperspektiven für die Gastro-Branche. Das neue Infektionsschutzgesetz zeige, was gehe: verbindliche Regeln, was ab einer Inzidenz von 100 geschlossen wird. Aber: "Was passiert bei einer Inzidenz von 50?" fragt Wagner. Dafür gebe es Pläne von der Gastronomie - und jetzt werde es Zeit, Licht am Ende des Tunnels für die Gastronomie aufzuweisen.

Wagner: Gastronomie braucht Licht am Ende des Tunnels

"Wir brauchen eine Öffnungsperspektive", sagt DEHOGA-Sprecher Wagner

Ochs: Stimmung ist auf dem Tiefpunkt

Gastwirt Armin Ochs erzählt, dass die psychische Belastung groß ist

Ochs: Von der Politik aufs Abstellgleis gestellt

Der aktuelle Zustand sei fast schon normal geworden, meint Gastwirt Armin Ochs

© FFH

Forderung: Außengastronomie öffnen

Die Stimmung am Tiefpunkt, die psychische Belastung groß, so schildert es Armin Ochs unserem Reporter. Ochs betreibt zwei Restaurants in Fritzlar und Bad Wildungen. Zwar seien bei ihm die Finanzhilfen geflossen – aber er weiß trotzdem nicht, wie lange seine rund 20 Mitarbeiter noch bei der Stange bleiben. Ochs fordert im Gespräch mit unserem Reporter deshalt eine Öffnung der Außengastronomie samt umfassender Test-Strategie.

"Was fehlt, sind die Gäste"

Viele Wirte haben viel Geld investiert, um mit Lüftungsanlagen und zusätzlichen Flächen Corona-Auflagen zu erfüllen. "Es ist traurig", sagte uns der Wiesbadener Gastronom vom "i-Punkt", Oliver Henrich, er sei mit Leib und Seele Gastronom und nun werde ihm seit Monaten verboten, seinen Beruf auszuüben. In seinem Restaurant hat er seit dem Lockdown alle Tische eingedeckt - mit Tischdecken, Gläsern, Besteck. Es ist ein Zeichen: "Die Gastwirte sind bereit, was fehlt, sind die Gäste".

Gastwirt Oliver Henrich im Gespräch mit FFH-Reporter Peter Hartmann

© FFH

Der Wiesbadener Gastwirt Oliver Henrich hat in seinem Lokal "i-Punkt" - wie viele andere Wirte auch -  jede Menge investiert, um Corona-Auflagen zu erfüllen - und trotzdem darf er seit Monaten keinen Gast bewirten.

nach oben