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Amokfahrt in Volkmarsen: Angeklagter schweigt

Nach Amokfahrt von Volkmarsen - Angeklagter schweigt zum Prozessauftakt

Die Tat hatte damals deutschlandweit für Entsetzen gesorgt: Vor über einem Jahr rast ein Auto in den Rosenmontagsumzug in Volkmarsen. 90 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Unter anderem wegen versuchten Mordes wird dem mutmaßlichen Amok-Fahrer seit heute der Prozess gemacht. 

Maurice P. macht von Schweigerecht Gebrauch

Das Motiv der Tat bleibt vorerst weiter unklar. Auch am ersten Prozesstag machte der 30-jährige Angeklagte Gebrauch vom Schweigerecht, sagte sein Verteidiger. Am ersten Prozesstag wurde ein Polizeibeamter als Zeuge gehört, der die Tat zufällig privat gefilmt hatte. Zudem wurden mehrere Videos der Autoattacke gezeigt. Fortgesetzt werden soll der Prozess am Mittwoch.

Platz für rund 400 Menschen

Für den Mammutprozess hatte das Landgericht zunächst in Kassel eine Messehalle angemietet. Dort ist Platz - trotz Corona - für rund 400 Leute. Volkmarsens Bürgermeister Hartmut Linnekugel sah das positiv. Denn so hätten alle Betroffenen die Möglichkeit, zu kommen - und dem Angeklagten ins Gesicht zu schauen.

Volkmarsens Bürgermeister Hartmut Linnekugel

Bürgermeister Linnekugel: "Ich glaube, es ist wichtig, dass die Menschen das Gesicht auch mal sehen"

Bisher keine Angaben zum Motiv

Die Ermittlungen im Vorfeld waren sehr umfangreich, so Georg Ungefuk von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zu FFH. Allein deswegen, weil es so viele Opfer und Betroffene gab. Und es ging darum, die Tat "minutiös oder in Sekundengenauigkeit auch objektiv aufzuklären, aber darüber hinaus auch alles zu tun, um das Motiv des Angeklagten festzustellen und zu erforschen." Zum Motiv schweigt Maurice P. nach wie vor. 

"Hoffnung, dass er was sagt"

"Ich habe schon noch immer die Hoffnung, dass er was sagt, warum er das getan hat", sagt Christian Diste, Vorsitzender der Volkmarser Karnevalsgesellschaft, im FFH-Interview. Er ist sich sicher, dass viele Volkmarser die nächsten Monate über dem Prozess beiwohnen werden. "Es ist für die Verarbeitung wichtig", so Diste. Die Mehrzahl der Volkmarser blicke trotz der Tat positiv in die Zukunft und hofft, im nächsten Jahr nach einem Urteil wieder normal Karneval feiern zu können.

Karnevalspräsident Christian Diste

Karnevalspräsident Diste: "Habe noch immer die Hoffnung, dass er was sagt, damit es auf das Warum eine Antwort gibt"

Karnevalspräsident Diste: "Ich glaube, dass viele Volkmarser den Prozess vor Ort verfolgen werden."

Maurice P. droht lebenslange Haft

Das Verfahren ist bis Mitte Dezember terminiert. Dann könnte ein Urteil fallen - dem Angeklagten droht lebenslange Haft. "Das Strafgesetzbuch sieht für Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe vor. Dies gilt auch für einen versuchten Mord. In dem Fall ist ebenfalls die Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe möglich", so Staatsanwalt Ungefuk. 

FFH-Reporterin Madleen Khazim beim Prozessauftakt

Vor Prozessbeginn: Wartende Menschen am Eingang der Messehallen

Madleen Khazim

Reporterin
Madleen Khazim

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