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Spahn: Astrazeneca für alle freigegeben

Gesundheitsminister-Beschluss - Astrazeneca für alle freigegeben

© dpa

Corona-Impfungen sind mit dem Präparat von Astrazeneca künftig für alle möglich, wenn sich Impfwillige mit ihrem Arzt dafür entscheiden. Die Priorisierung mit einer festen Vorrangliste wird für diesen Impfstoff voll aufgehoben, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag in Berlin nach einem entsprechenden Beschluss mit seinen Länderkollegen mitteilte.

"Das heißt, dass beim Impfen in den Arztpraxen die Ärzte entscheiden, wer jetzt wann mit dem Impfen dran ist", sagte der CDU-Politiker. Gemeinsam mit den Patienten sollen sie auch festlegen können, wie bald die nötige zweite Impfung folgt. 

"Das wird das Impftempo erhöhen"

Der Vorsitzende der Länderminister, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte, in mehreren Ländern sei es schon so, dass Astrazeneca in Praxen flexibel nach ärztlichem Ermessen geimpft werden kann. Es sei der konsequente nächste Schritt, dies nun auf Bundesebene anzugleichen. "Auch das wird das Impftempo erhöhen."

Impfung auch für Menschen unter 60 möglich

Der britisch-schwedische Hersteller war immer wieder in den Schlagzeilen - obwohl Experten dessen Impfstoff Vaxzevria für gleichermaßen geeignet halten wie die Vakzine anderer Hersteller.Beim Einsatz in jüngeren Altersgruppen traten 4 bis 16 Tage nach der Impfung selten teils tödliche Blutgerinnsel im Gehirn auf. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) den Einsatz für Menschen ab 60 Jahren.

In der Altersgruppe falle die Nutzen-Risiko-Abwägung "eindeutig zu Gunsten der Impfung" aus. Denn mit dem Alter steigt das Risiko für schwere und tödliche Verläufe. Auch für Jüngere ist die Impfung mit dem Präparat aber möglich - "nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz durch den Patienten", so die Impfkommission.

Abstände zwischen den Impfungen sollen flexibel werden

Künftig soll es dem Arzt in Absprache mit dem Impfling laut Bund-Länder-Beschluss auch freigestellt werden, den Abstand für eine Astrazeneca-Zweitimpfung zwischen vier und zwölf Wochen festzulegen. "Die Zweitimpfung haben jetzt viele lieber früher, auch mit Blick auf den Sommer - das geht mit Astrazeneca auch innerhalb der Zulassung", hatte Spahn bereits im WDR gesagt. 

Womöglich geringere Wirksamkeit bei kürzerem Abstand

Astrazeneca-Geimpfte müssten dann weniger lang warten bis zum Wegfall von Corona-Einschränkungen.  Allerdings hätten Astrazeneca-Geimpfte im Fall einer früheren zweiten Spritze den Nachteil einer womöglich geringeren Wirksamkeit.Die Impfkommission empfiehlt für das Präparat nämlich einen Abstand von 12 Wochen zwischen erster und zweiter Dosis.

Kinder: Bis Ende August sollen alle 12-18 Jährigen Impfangebot erhalten 

Bund und Länder wollen außerdem Impfungen für Kinder über 12 Jahre während der Sommerferien vorbereiten. Stand heute sei eine EU-Zulassung des jetzt ab 16 Jahre freigegebenen Biontech-Impfstoffs für 12- bis 15-Jährige im Juni wahrscheinlich, sagte Spahn. Unter dieser Voraussetzung wollten die Länder jeweils für sich Konzepte erstellen, wie bis Ende August allen 12- bis 18-Jährigen eine erste Impfungen angeboten werden könne.

Impfkommision empfiehlt: An Priorisierungsgruppen festhalten

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat sich zunächst weiter für eine bevorzugte Impfung besonders gefährdeter Gruppen gegen Covid-19 ausgesprochen. Die Erklärung wurde vor der Mitteilung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn veröffentlicht, dass die Priorisierung für das Produkt von Astrazeneca im gewissen Rahmen aufgehoben worden sei.

Immer noch viele Risiko-Patienten sind ungeimpft

Es gibt laut Stiko bei anhaltend hoher Impfbereitschaft einen "noch beträchtlichen Anteil an impfbereiten Personen mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19 Verlauf, die noch keine Möglichkeit zur Impfung hatten".So seien rund 45 Prozent der 70- bis 79-Jährigen und fast 70 Prozent der 60 bis 69-Jährigen bisher nicht geimpft. Auf dpa-Anfrage hatte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens zuvor mitgeteilt, die Stiko-Erklärung beziehe sich auch auf die Nutzung von Astrazeneca.

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