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Das gilt ab heute beim Impfen in Hessen

Priorisierung, Kinder, Betriebe - Das gilt ab heute beim Impfen in Hessen

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Symbolbild

Bei den Corona-Impfungen in Hessen gibt es seit heute drei Veränderungen: Die Priorisierung wird aufgehoben, auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren können sich impfen lassen und das Impfen in den Betrieben startet. 

Der Andrang ist groß: Alleine bis zum Mittag hätten über 70.000 Hessen versucht, sich für einen Impftermin zu registrieren, teilte das Innenministerium mit.

Was die  Veränderungen konkret bedeuten, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Priorisierung entfällt

Seit heute kann sich jeder Hesse für eine Corona-Impfung registrieren lassen - alle ab 16 Jahren über das Portal des Landes, Kinder ab 12 Jahren beim Haus- oder Kinderarzt. Damit entfällt die bisherige Bevorzugung älterer und vorerkrankter Menschen oder bestimmter Berufsgruppen. Das bedeutet konkret, wer zu den Prio-Gruppen 1 bis 3 gehört und sich bisher nicht um einen Impftermin bemüht hat, hat jetzt kein Vorrecht mehr.

Der Ansturm auf das Anmeldeportal des Landes ist groß. Alleine in den ersten Stunden seit dem Wegfall der Priorisierung hätten sich 50.000 Menschen für einen Impftermin registriert, teilte das Innenministerium mit.

Da noch immer zu wenig Impfdosen zur Verfügung stehen, kann es einige Wochen dauern, bis man nach der Registrierung seinen Impf-Termin erhält. In den nächsten Wochen stehen vorrangig Zweit-Impfungen an. Außerdem warten laut Land Hessen noch mehr als 470.000 Personen aus den Priorisierungsgruppen auf ihre Impfung. Haben sie ihre Termine, erfolgt die Vergabe der Termine in einem Impfzentrum laut Staatskanzlei nach Zufallsprinzip. Das bedeute, dass der Zeitpunkt der Registrierung keinen unmittelbaren Einfluss auf die Terminzuweisung habe.

Hönscher: "Der Zeitpunkt ist gut."

Für Allgemeinmediziner Ralph Hönscher aus Petersberg ist es der richtige Zeitpunkt ist, um die Impf-Priorisierung aufzuheben.

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Impfungen ab 12

Anders als bisher können sich ab heute auch Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren impfen lassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde hat den Impfstoff von Biontech/Pfizer ab 12 Jahren freigegeben. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission, wie in Deutschland zu verfahren ist, steht aber noch aus. 

Impfung wohl nicht für alle Kinder empfehlenswert

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hatte zuletzt im ZDF angedeutet, dass keine generelle Impf-Empfehlung der Stiko für alle gesunden Kinder zu erwarten sei. Dafür würden die vorliegenden Daten bei weitem nicht ausreichen. Denkbar ist eine Impf-Empfehlung für Kinder mit Vorerkrankungen. Dies fordern auch mehrere Politiker.

Impfungen für 12- bis 15-Jährige nur beim Hausarzt

Aufgrund der fehlenden Impf-Empfehlung, werden Kinder in Hessen nur beim Kinder- bzw. Hausarzt geimpft. Dort können Vor- und Nachteile besser besprochen und beurteilt werden. Nur Jugendliche ab 16 erhalten ihre Corona-Impfung auch in den Impfzentren.

Interesse groß

Der Gießener Kinderarzt Christopher Krug sagte im FFH-Gespräch, die Nachfrage sei groß. Es gebe schon eine lange Warteliste. Wichtig sei ihm, dass beim Impfen auch der Wille der Kinder und Jugendlichen selbst ernst genommen werde.

Krug: Die meisten wünschen sich die Impfung

Die Nachfrage bei den Impfungen für Kinder ist bei uns groß", sagt der Gießener Kinderarzt Christopher Krug

Krug: "Die haben auch eine Stimme"

Der Gießener Kinderarzt Christopher Krug meint, dass nicht über den Kopf der Jugendlichen entschieden werden sollte.

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Kinderarzt Dr. Krug: "Wir führen aktuell Wartelisten"

FFH-Reporterin Anne Schmidt berichtet von vor Ort aus der Kinder- und Jugendarztpraxis Dr. Krug in Gießen. 

Impfen beim Betriebsarzt

Modellprojekte gab es in Hessen schon, nun dürfen offiziell alle Betriebsärzte mit dem Impfen loslegen. In den meisten hessischen Firmen starten die Corona-Impfungen allerdings wohl erst Mitte der Woche.

Betriebe brauchen Anlaufzeit

In Darmstadt wird Evonik als einer der größten Betriebe in der Stadt seine Mitarbeiter impfen. An den Standorten Darmstadt und Weiterstadt arbeiten etwa 1.300 Menschen. In dieser Woche erhalte man 204 Impf-Dosen, sagte ein Evonik-Sprecher auf FFH-Nachfrage. Diese würden heute oder morgen geliefert, ab Mittwoch könne dann geimpft werden. Auch bei Opel in Rüsselsheim soll es am Mittwoch losgehen.

Bei VW in Baunatal starten die Corona-Impfungen dann am Donnerstag. Seit Ostern sei zwar alles bereit, erklärt Personalleiter Stefan Kreher, aber die Impfdosen würden jetzt erst ausgeliefert, da brauche es eine gewisse Anlaufzeit. Norhessens größter Arbeitgeber hat zwei Impfstraßen eingerichtet. Dort könnten pro Woche 1.200 Beschäftigte geimpft werden. Insgesamt arbeiten bei VW in Baunatal rund 17.000 Menschen. Der Plan ist, dass bis zu den Werksferien jeder Mitarbeiter ein Impfangebot bekommt.

Kreher: Wir sind seit Ostern bereit!

Der Impfstoff wird jetzt erst geliefert, erklärt Stefan Kreher, Personalleiter bei VW in Baunatal

Kreher: 1.200 Impfungen pro Tag sind möglich

Der Personalleiter von VW in Baunatal, Stefan Kreher, sagt, dass bis Anfang August jeder Mitarbeiter ein Impfangebot bekommen haben soll

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Ein besonderes Angebot will beispielsweise der Verpackungshersteller Seidel mit Sitz in Marburg den Mitarbeitern machen. Dort sollen sich auch nahe Familienangehörige mitimpfen lassen können, sagte Personalleiterin Pia Meier unserem Reporter. Die Firma möchte mit den Impfungen beginnen, sobald der bei der Betriebsärztin angefragte Impfstoff verfügbar ist.

Die Licher Privatbrauerei in Mittelhessen hat unterdessen eine Zusage für die Lieferung der bestellten Impfdosen erhalten, so dass die Impfungen der Mitarbeiter Ende dieser Woche durchgeführt werden können.

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