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Unwetter: Herzhausen bangt um Freibadsaison

Starkregen und Überschwemmungen - Herzhausen bangt um Freibad-Saison

Überall Schlamm und braunes Wasser im Freibad in Herzhausen im Kreis Marburg-Biedenkopf: Das ganze Wochenende lang liefen die Aufräumarbeiten nach dem Unwetter am Freitag. Unklar ist allerdings noch, ob die Freibadsaison starten kann.

„Das Wunder von Herzhausen“, so beschreibt die DLRG-Vorsitzende, Lisa Wassermann, unserer Reporterin das Wochenende am Schwimmbad. Unaufgefordert seien rund 80 Helfer da gewesen, die von morgens bis spät abends das Becken geschrubbt hätten. Trotzdem ist der Start der Freibadsaison noch nicht gesichert.

Schaden an Wasserpumpe noch unklar

Ein Gutachter muss noch klären, wie hoch der mögliche Schaden an der Wasserpumpe ist. Die neue Pumpe sei erst letztes Jahr für viel Geld installiert worden, sagt Wassermann. "Wenn die Technik kaputt ist, können wir hier in Herzhausen keinen Sommer feiern".

DLRG-Chefin Lisa Wassermann im FFH-Gespräch: Freibadsaison hängt vom Schaden an der Pumpe ab

DLRG-Chefin Lisa Wassermann erklärt im FFH Gespräch, was in Sachen Wasserpumpe zu tun ist, und wovon die Freibadsaison jetzt abhängt.

© FFH

Während den Aufräumarbeiten seien außerdem weitere Schäden gefunden worden, sagt Lisa Wassermann. Spülmaschine und Kühlschränke sind in Mitleidenschaft gezogen worden und auch in den Sanitäranlagen stand das Wasser. Sollte die Versicherung die Kosten nicht übernehmen, bräuchte das vereinsgeführte Freibad dringend finanzielle Hilfe. Wassermann ist dennoch zuversichtlich - auch, weil bereits Bürgermeister Bernd Schmidt und der Landtagsabgeordnete Horst Falk Hilfe angeboten hätten.

Das FFH-Augenzeugen-Video zeigt das überflutete Freibad in Herzhausen

Gewitter über Hessen am Samstag

Freitag und Samstag hatten Starkregen und Gewitter auch andere Regionen in Hessen getroffen. In Fulda war  am Samstag zeitweise sogar der Notruf zusammengebrochen, weil zu viele Menschen anriefen. Allein im Landkreis Fulda musste die Feuerwehr zu 330 Einsätzen ausrücken, wie die Polizei mitteilte.

Sachschaden kann noch nicht beziffert werden

Der Starkregen hat in der Fuldaer Altstadt zahlreiche Keller und einige Geschäfte geflutet. Auch einige Kneipen in der Karlstraße waren betroffen. 20 Zentimeter hoch stand hier das Wasser, weil die Wassermassen nicht mehr ablaufen konnten, sagte Theo Sauerbier von der Kultkneipe "Krokodil" im Gespräch mit HIT RADIO FFH. Wie groß das Ausmaß der Unwetterschäden in Fulda insgesamt ist, ist noch unklar. Verletzt wurde aber niemand.

FFH-Reporter Marcel Ruge berichtet aus Fulda

Autofahrer überschlägt sich

Auf den Autobahnen rund um Fulda ereigneten sich laut Polizei vier Unfälle. Bei einem davon überschlug sich ein Autofahrer mit seinem Wagen, nachdem er zuvor auf der regennassen Fahrbahn die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hatte und von der Straße abgekommen war. Er und sein Beifahrer wurden mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Bei den restlichen Unfällen wurde niemand verletzt. Die L3144 bei Alsfeld-Eifa im Vogelsbergkreis war aufgrund von Überflutung kurzzeitig gesperrt.

B249 zeitweise voll gesperrt

Im Werra-Meißner-Kreis war die B249 zeitweise voll gesperrt, teilt die Polizei mit. Insbesondere ab Wanfried Ost in Richtung Katharinenberg (Thüringen) führte Starkregen dazu, dass mehrere Autofahrer in Wasserfluten zeitweise eingesperrt waren.

Starkregen auch in Wiesbaden und Mainz

In Wiesbaden liefen die Einsatzmaßnahmen nach einem Gewitter am Samstagnachmittag noch, da zog am Abend bereits die nächste Unwetterfront über das Stadtgebiet. Die Feuerwehr spricht von insgesamt 80 Einsätzen. In der Spitze waren den Angaben zufolge alle 20 Freiwillige Feuerwehren mit fast 300 Kräften im Einsatz.

Feuerwehr baut Damm

Meist mussten Keller abgepumpt werden, die ein bis vier Zentimeter unter Wasser standen. Im Neubaugebiet in der Wandersmannstraße errichtete die Feuerwehr einen provisorischen Damm, um das Nachlaufen von Wasser zu verhindern. In Mainz liefen nach den Angaben der Feuerwehr zahlreiche Keller, Fahrbahnen und Unterführungen voll. Schwerpunkte waren die Stadtteile Gonsenheim, Neustadt und Oberstadt.

Einsätze auch in Frankfurt und Hanau

Auch in Hanau und Frankfurt wurden die Feuerwehren durch den Starkregen ordentlich auf Trab gehalten. "Am meisten werden uns wieder vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume/abgerissene Äste oder überflutete Straßen gemeldet", teilte die Frankfurter Feuerwehr auf Twitter mit. Innerhalb weniger Stunden registrierte die Leitstelle rund 90 Einsatzstellen - die meisten davon in den Stadtteilen Sachsenhausen, Niederrad und in der Innenstadt. Über Verletzungen von Personen ist der Feuerwehr bisher nichts bekannt.

Erste Unwetter schon am Freitag

Bereits am Freitag hatten sich schwere Gewitter über Hessen ausgetobt. Neben Herzhausen im Landkreis Marburg-Biedenkopf und dem dortigen Schwimmbad war auch Neu-Anspach im Hochtaunuskreis betroffen. Auch in anderen Regionen gab es teils überschwemmte Straßen.

In Neu-Anspach im Hochtaunuskreis war die Usa über die Ufer getreten. Vor allem im Stadtteil Westerfeld war die Lage angespannt: 120 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren im Einsatz und pumpten Keller aus. Mit Sandsäcken wurde versucht, gefährdete Gebäude abzusichern - denn es waren weitere Regenfälle angesagt. Personen wurden nicht verletzt. Wie hoch der Sachschaden ist, muss erst noch ermittelt werden.

Besonders hart hat es im Neu-Anspacher Stadtteil Hausen die Gaststätte "Zum Brünnchen" getroffen. "Das Wasser steht bis zur Theke" - so schilderte es der Wirt Achim Hett unserem Reporter vor Ort. Besonders bitter: Erst im vergangenen Jahr wurde hier im großen Stil renoviert. "Das ist jetzt für uns absolut Existenz bedrohend", sagt Hett.

FFH-Reporter Frank Piroth berichtet aus Neu-Anspach

Geflutete Straßen und Schlamm

Auch in weiteren Regionen haben die Gewitter mit Starkregen für Einsätze gesorgt. Die B42 musste im Bereich Lorsch, Rüdhesheim, Assmannshausen zeitweise gesperrt werden. Laut Polizei blockierten dort Schlamm und Wasser, aber auch umgestürzte Bäume die Straße. Auch im Bereich Limburg, Camberg und Hünstetten wurden nach den Angaben der Polizei teils Straßen überflutet.

Schlamm und Wasser auf Straßen

Insgesamt hat das Polizeipräsidium Westhessen 13 Wetter-Einsätze verzeichnet. Bei der Feuerwehr dürften noch einige dazu gekommen sein, meint ein Polizeisprecher. Im Schwalm-Eder-Kreis gab es Probleme mit Schlamm und Wasser auf Straßen im Bereich Homberg-Rodemann.

Betonbrocken auf A7

In Osthessen gab es auf den Autobahnen teils starkes Aquaplaning. Auf der A7 zwischen dem Hattenbacher Dreieck und Kirchheim verlor ein Fahrer auf regennasser Fahrbahn die Kontrolle über seinen 40-Tonner, fuhr nach links über alle vier Fahrstreifen und krachte in die Mittelschutzplanke aus Beton. Durch die Wucht des Aufpralls wurden Betonbrocken auf die Gegenfahrbahn geschleudert. Mehrere Autos fuhren darüber und konnten anschließend nicht mehr weiterfahren. Verletzt wurde niemand.

Bei Alsfeld-Lingelbach wurde eine Straße überschwemmt. Laut Polizei konnte die Straßenmeister das aber schnell beseitigen. Zwischen Hauneck-Bodes und Eiterfeld-Buchenau musste die Feuerwehr an der L 3170 mehrere verstopfte Durchläufe zum Teil händisch von Ästen und Gestrüpp befreien und vom Regenwasser mitgerissenes Geröll von der Straße entfernen.

Wassermassen strömten Berg runter

Zwischen Niederaula-Mengshausen und Kerspenhausen kamen von einem Berg stundenlang die Wassermassen wie ein reißender Fluss über die L3432 gerauscht. Schnell waren auch hier Durchläufe durch frisch gemähtes Gras verstopft, aber die Wassermassen strömten unentwegt nach in Richtung Fuldawiesen.

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