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Kühe sterben an weggeworfenen PET Flaschen

Diebacher Bauer verlor 8 Tiere - Kühe sterben an Plastikflaschen

© FFH

Auf dem Hof leben 80 Kühe und die weibliche Nachzucht. In den letzten 14 Monaten kamen 8 Tiere ums Leben - wegen scharfkantigem Plastik.

Dass Plastikflaschen, die einfach nach einem Picknick auf der Wiese liegen gelassen werden, für die Natur problematisch sind, ist sicher den meisten bekannt. Was viele wohl aber eher nicht wissen: Achtlos weggeworfene PET-Flaschen können bei Kühen zum Tod führen. FFH hat darüber mit einem Landwirt aus der Wetterau gesprochen.

8 tote Kühe in den letzten 14 Monaten

Insgesamt 80 Kühe plus weibliche Nachzucht leben auf dem Hof von Achim Gerth und seiner Familie in Diebach am Haag. Vor allem während Corona, als es viele Menschen zu Spaziergängen und Picknicken in die Natur gezogen hat, musste der Landwirt erschreckender Weise feststellen: Einigen seiner Kühe geht es nicht gut. Insgesamt 8 Tiere starben sogar in den letzten 14 Monaten. Der Grund: Die Menschen werfen achtlos ihre PET-Flaschen auf die Wiesen. 

Plastikflaschen werden versehentlich verfüttert

Die oftmals durchsichtigen Plastikflaschen im hohen Gras werden beim Mähen der Felder schlichtweg von den Landwirten übersehen. Kleingehäckselt landen sie im Futter der Kühe. Und die sind beim Essen eher pragmatisch: "Immer rein da" heißt das Motto. Da das Plastik geruchlos ist, werden die Tiere nicht misstrauisch. Die kleinen Plastiksplitter sind jedoch scharfkantig und damit extrem gefährlich für die Tiere. Im Kuhmagen gibt es dadurch Verletzungen, die zu Tod führen können, erzählt Achim Gerth im FFH-Interview.

"Scharfkantiges Plastik führt zu inneren Verletzungen"

Sagt Landwirt Achim Gerth aus der Wetterau

© FFH

Achim Gerth ist Landwirt in Diebach am Haag in der Wetterau

Nicht nur ein wirtschaftlicher Verlust

8 tote Kühe, das ist für den Bauern natürlich frustrierend: "Wir haben den Beruf ja nicht ergriffen, um hier Kühe einzuschläfern. Wenn eine Kuh nach 6 bis 8 Jahren keine Milch mehr gibt, wollen wir sie in den Lebensmittelkreislauf zuführen." Heißt: Das Tier kommt zum Metzger, damit daraus Fleisch gemacht wird. Schlachtkühe werden übrigens nach Gewicht bezahlt. Das sind gut mal 1500 Euro pro Tier, so Gerth. Bei 8 toten Kühen ist das für den Familienbetrieb ein Verlust von 12.000 Euro. Aber das ist nicht alles: "Die Tiere sind ein Familienmitglied. Hier hat jedes seinen Namen. Deswegen macht einen das wütend, die Dummheit von denen, die das Plastik einfach wegwerfen", sagt der Landwirt am FFH-Mikro.

Magnete im Magen gegen verschluckte Nägel

Gelegentlich verschlucken Kühe neben Plastiksplittern auch Nägel, sagt Gerth. Für die gibt es jedoch Abhilfe: Der Bauer schießt dem Tier über die Speiseröhre einen 10 cm langer Magneten in den Magen, der das Metall anzieht und so hoffentlich Schlimmeres verhindert. Bei Plastik klappt das natürlich nicht. Da ist das traurige Prinzip: "Wenn's einmal drin ist, ist es zu spät." Deshalb hat der Hof reagiert und verwendet nun keinen Häcksler mehr auf dem Feld. Im Einsatz sind stattdessen sogenannte Kurzschnittladewagen, die schneiden nicht so kurz und exakt wie Häcksler. So erhofft sich Achim Gerth, Plastikteile im Futter noch rechtzeitig zu erkennen.

"Bei kleinen Nägeln schießen wir Magneten ein"

erklärt der Diebacher Landwirt im FFH-Interview

"Wir machen den Beruf nicht, um Kühe einzuschläfern"

bedauert Achim Gerth

FFH-Reporterin Dominique Bundt hat Landwirt Achim Gerth getroffen

Dominique Bundt

Reporterin
Dominique Bundt

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