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Positive Zwischenbilanz für den "Medibus"

Rollende Arztpraxis - Positive Zwischenbilanz für den "Medibus"

Seit einem Vierteljahr wird in Hessen eine rollende Praxis getestet. Der Medibus soll in Regionen mit Ärztemangel helfen. Der Betrieb startete nicht ohne Probleme - erfolgreich ist der Test trotzdem. Der Medibus fährt dahin, wo es nur noch wenige oder gar keine Hausärzte mehr gibt. Besonders auf dem Land fehlen die Allgemeinmediziner.

Medibus ist an vier Tagen in sechs Orten in Ost- und Nordhessen unterwegs

An vier Tagen in der Woche besucht die rollende Praxis jeweils zwei von sechs am Test beteiligte Gemeinden. Der Arzt im Bus, Matthias Roth, empfängt seine Patienten an diesem Morgen statt im Kittel mit Jacke. Im Bus ist es nicht kalt, aber auch nicht so warm wie in einer Praxis. Trotzdem wirkt der Arzt zufrieden. Die Entscheidung in der zweijährigen Testphase dabei zu sein, bereue er nicht: "Sonst wäre ich nicht hier."Der Betrieb im Bus sei nach drei Monaten in einem Modus, in dem man gut arbeiten könne.

Rollende Hocker und die Klimaanlage stellten sich als Problem heraus

Reibungslos lief der Test allerdings bisher nicht: Mal bockte die Klimaanlage, dann stellten sich rollende Hocker als Problem heraus - wenn der Bus abschüssig parkte. Ein anderes Mal musste die Bushaltestelle getauscht werden. Denn damit bei schlechtem Wetter niemand im Freien wartet, wurde ein Standort mit einer beheizten Halle gesucht. 

34 Patienten werden im Durchschnitt pro Tag behandelt

Obwohl sich einige Einwohner bei der Vorstellung des Angebots im Sommer kritisch zeigten, ist der Bus laut der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) mittlerweile gut besucht. Behandelt würden im Medibus im Durchschnitt 34 Patienten pro Tag. 690 Kontakte zwischen Arzt und Patienten wurden im ersten Quartal des Pilotprojekts gezählt. Das entspreche den Zahlen einer durchschnittlichen Hausarztpraxis.

Medibus ist mit Wartebereich, Labor und Behandlungsraum ausgestattet

Im Medibus arbeiten zwei Arzthelferinnen, ein Fahrer und Roth. Es gibt einen Wartebereich, ein Labor und einen kleinen Behandlungsraum. Die Patienten kommen wegen Bluthochdruck, Diabetes und anderen typischen Leiden. Roth untersucht, erstellt Diagnosen und macht kleinere chirurgische Eingriffe. Sogar einen Notfall hatte der Medibus schon: Ein Mann hatte seine Mutter wegen eines akuten Herzleidens aus einem Pflegeheim zum Bus gebracht. "Wir mussten die Frau stabilisieren", erklärt Roth. 

"Die niedergelassenen Ärzte sind dankbar für die Entlastung"

Kritik von Patienten am Medibus sei eher selten. Viele seien froh, das es die rollende Praxis gibt. Und die niedergelassenen Ärzte seien dankbar, dass der Medibus sie entlaste, sagt Bürgermeister Eckhardt: "Der Medibus ist eine Chance, die aktuelle kritische Situation an bestimmten Standorten zu lindern." Währenddessen baue Sontra mit anderen Gemeinden ein interkommunales Gesundheits-Vorsorge-Zentrum auf. Doch dass es irgendwann in jedem Ort einen Arzt gibt, glaubt er nicht. Die Erwartungen der Bevölkerung seien riesig - aber kaum aufrechtzuerhalten.

In Hessen gibt es 171 freie Hausarztstellen

So sieht es auch die Kassenärztliche Vereinigung. 600 000 Euro gibt sie für ihr Pilotprojekt in den zwei Jahren aus. Neuen Hausarztpraxen stehe der Versuch nicht entgegen. Die Region, in der der Bus unterwegs ist, sei als offen eingestuft. Das bedeutet: Bis zu sieben Mediziner können sich dort niederlassen - sofern es Interessenten gibt. Trotz Anreizen wie Zuschüssen sei der Ärztemangel aber längst in Hessen angekommen. 171 freie Hausarztstellen gibt es in dem Bundesland. 

Zweiter Medibus in Berlin

Für die Deutsche Bahn (DB), die den Bus zum Medibus umgebaut hat, haben die mobilen Praxen daher Zukunft. Es existiere bereits ein zweiter Medibus in Berlin, der für mobile Gesundheitsuntersuchungen genutzt werde. Ein weiteres Fahrzeug sei im Bau. Auch Unternehmen hätten schon nach solchen Bussen gefragt, beispielsweise für ihre Betriebsarzt-Einsätze. 

"Inbesondere für ältere Patienten ein gutes Angebot"

Die Landesärztekammer Hessen lobt das Projekt: "Insbesondere für ältere, weniger mobile Patientinnen und Patienten ist die mobile Arztpraxis ein gutes Angebot, um lange Anfahrtswege zum nächsten niedergelassenen Hausarzt vermeiden zu können." Langfristig seien weitere Schritte und Anreize nötig, um die Tätigkeit auf dem Land für Ärzte wieder attraktiver zu gestalten.

Bus soll Hausärzte entlasten und nicht ersetzen

"Klar ist dabei, dass der Bus die Hausärzte entlasten und nicht ersetzen soll", betont Axel Wintermeyer (CDU), Staatskanzleichef und Demografiebeauftragter der Landesregierung. Der Erfolg des Medibus sei eine Bestätigung für die vorgesehene Unterstützung des Ausbaus "fahrbarer Praxen". Diese seien ein Baustein zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung auf dem Land. 

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