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Diesel-Fahrer bekommen Post vom Bundesamt

Briefe an Diesel-Besitzer - Bundesamt macht Werbung für Autokonzerne

Viele Diesel-Fahrer dürften in diesen Tagen verwundert die Post öffnen. Bundesweit verschickt das Kraftfahrt-Bundesamt 1,5 Millionen Briefe an Halter alter Diesel-Fahrzeuge in den Regionen mit besonders schmutziger Luft - wie etwa rund um Frankfurt, Darmstadt und Limburg. Das bestätigte uns das Kraftfahrtbundesamt. Darin wird offensiv für die Autoindustrie geworben. 

Werbung für Umtauschprämien?

Das Schreiben informiert über die Umtauschprämien der großen Autohersteller BMW, Daimler und VW. Die Fahrer alter Diesel-Fahrzeuge sollen ermutigt werden, einen neuen Diesel zu kaufen und nicht bloß nachzurüsten. So könnten sie einen Beitrag zur Verbesserung der Luft in den Städten leisten, heißt es in dem Brief, der auch direkt die entsprechenden Webseiten und Informations-Hotlines von BMW, Daimler und VW mitliefert. "Über die Angebote des Fahrzeugherstellers Ihres jetzigen Fahrzeugs zur laufenden Umtauschaktion können Sie sich über die Hotline des Herstellers oder dessen Internetseite informieren", heißt es dazu.

Der Brief endet mit einer kaum versteckten Aufforderung, sich doch ein neues Auto zu kaufen, da man sonst bald nicht mehr voran kommen würde: "Durch Ihr Mitwirken bei der Flottenerneuerung, kann die Luft in unseren Städten weiter verbessert werden, ohne dass Sie eine Einschränkung für ihr Mobilitätsverhalten befürchten müssen".

Prof. Ferdinand Dudenhöffer im FFH-Interview

Diesel-Fahrer bekommen Post vom Bundesamt

"Das hätte Trump nicht besser machen können"
Verkehrsexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer

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© HIT RADIO FFH

"Das zeigt die Auswegslosigkeit unseres Verkehrsministers"

Verkehrsexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer übt im FFH-Interview harsche Kritik am Vorgehen der Bundesregierung: "Dass man staatliche Behörden einsetzt, um Werbebriefe zu verschicken - das könnte Trump nicht besser machen." Dieser ganze Vorgang sei ein Beleg dafür, wie tief Bundes-Verkehrsminister Andreas Scheuer mit dem Diesel-Skandal im Schlamassel sitze: "Das wird nicht funktionieren und das zeigt die Auswegslosigkeit unseres Verkehrsministers".

Kritik der Deutschen Umwelthilfe

Auch die Deutsche Umwelthilfe tobt und sagt: "Unglaublich - die Bundesregierung betreibt Werbung für die Autohersteller."

Die Verbraucherzentralen monieren, dass die Hinweise auf die Umtauschaktionen der Hersteller die nötige Distanz zur Industrie vermissen ließen. Das Kraftfahrt-Bundesamt mache "abermals keine gute Figur im Abgasskandal", sagt der Vorstand des Verbraucherzentralen-Bundesvorstandes Klaus Müller der dpa. Das Verkehrsministerium in Berlin verteidigt den Brief, die Kritik sei nicht nachvollziehbar.

Der komplette Brief

Marc Adler

Reporter:
Marc Adler

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