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Burbach-Prozess: Mit System misshandelt

Mammut-Prozess in Siegen - Flüchtlinge systematisch misshandelt

Im Skandal um misshandelte Flüchtlinge in einer Unterkunft in Burbach bei Siegen vor vier Jahren hat am Donnerstag der Prozess begonnen. Heimleitung, Betreuer und Wachleute haben dort offenbar neun Monate lang systematisch zusammengearbeitet. Insgesamt 30 Personen im Alter von 26 bis 65 Jahren werden angeklagt, eines der Verfahren wurde beim Prozessauftakt abgetrennt. 

Fotos und ein Video gemacht

Maßgeblich für die Misshandlungen verantwortlich war laut Anklage der Leiter der Einrichtung: Er entschied, welche Flüchtlinge in die sogenannten "Problemzimmer" kamen. Dort wurden sie eingesperrt, geschlagen und bestohlen. Einige der Angeklagten hielten die Misshandlungen per Handy fest: In einem Video wird ein Flüchtling gezwungen, sich auf eine Matratze mit Erbrochenem zu legen. Eines von vielen Fotos zeigt zwei Wachmänner, die einen bewusstlosen Mann zu Boden drücken und grinsend posieren.

Übergriffe sorgten für Schlagzeilen

Die Übergriffe hatten bei Bekanntwerden bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Im Nachgang wurde das Personal für die Flüchtlingsunterkunft in Nordrhein-Westfalen schärfer kontrolliert. Der Prozess ist auch für das Siegener Landgericht kein Alltag: Über 30.000 Seiten Akten mussten Richter und Verteidiger im Vorfeld des Prozesses durchforsten. Wegen der vielen Beteiligten wurde die Verhandlung in die Siegener Stadthalle verlegt. Ende Mai 2019 könnte ein Urteil fallen.

Miriam Bott

Reporter:
Miriam Bott

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