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Fall Johanna Bohnacker: Mord oder Totschlag?

Fall Johanna Bohnacker - War es Mord oder Totschlag?

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Der Angeklagte Rick J. (Mitte) mit seinen beiden Verteidigern Thomas Ohm (links) und Uwe Krechel (rechts) beim Prozessauftakt im April (Archivbild).

Der Prozess um den fast 20 Jahre zurückliegenden gewaltsamen Tod der kleinen Johanna aus Ranstadt in der Wetterau ist auf der Zielgeraden: Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage haben ihre Plädoyers gehalten. Die zentrale Frage ist nun, ob das Gericht den Angeklagten wegen Mordes oder wegen Totschlags verurteilt.

Besondere Schwere der Schuld?

Staatsanwalt Thomas Hauburger hat vor dem Gießener Landgericht die lebenslängliche Verurteilung wegen Mordes mit der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Damit könnte der Angeklagte nicht vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Rick J. habe sich in "ganz besonders egoistischer Weise über den Lebensanspruch" des Mädchens hinweggesetzt, so der Staatsanwalt. Sein Plädoyer hatte er mit den Worten begonnen "Es war Mord und kein Unfall." Damit reagierte er auf die frühere Aussage des Angeklagten, der lediglich die Entführung des Mädchens im Jahr 1999 zugegeben hatte. Johannas Tod sei jedoch eine Art Unfall gewesen, darauf hatte der 42-jährige Rick J. vor Gericht beharrt.

Verteidigung: Totschlag

Danach äußerte sich Johannas Mutter, Gabriele Bohnacker, vor Gericht. Sie erinnerte an ihre Tochter und schilderte, wie Freunde und Familie nach wie vor unter dem Tod der Achtjährigen leiden. Ihr Anwalt und sie schlossen sich der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Nach dem Willen der Verteidigung soll Rick J. dagegen wegen Totschlags verurteilt werden. Zudem solle er wegen seines Drogenkonsums in einer Entziehungsklinik untergebracht werden. Ein konkretes Strafmaß nannte der Verteidiger nicht. 

Urteil am 19. November

Das letzte Wort bei dem Prozesstermin hatte der Angeklagte. Er sagte mit brüchiger Stimme, er habe viel Leid und Schmerz verursacht, alles, was er sonst noch sagen könne, würde angesichts dessen lächerlich wirken. Das Urteil soll am 19. November fallen. 

Miriam Bott

Reporter:
Miriam Bott

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