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Oberbürgermeister-Stichwahl in Wiesbaden

OB-Stichwahl in Wiesbaden - Wer wird Chef im Wiesbadener Rathaus?

© dpa

Eberhard Seidensticker (CDU, links) tritt gegen Gert-Uwe Mende (SPD) an

Oberbürgermeisterwahl heute in der hessischen Landeshauptstadt: SPD-Kandidat Gert-Uwe Mende und CDU-Mann Eberhard Seidensticker gehen in die Stichwahl. Die grüne Christiane Hinninger hatte bei der Wahl vor drei Wochen knapp den Einzug in die Stichwahl verpasst. Sie flog in der ersten Wahlrunde aus dem Rennen. 

Mende erzielt im ersten Wahlgang das bessere Ergebnis

Mende hatte im ersten Wahlgang die Nase vorn mit 27,1 % der Stimmen. Seidensticker von der CDU musste dagegen am Wahlabend lange zittern, ob er es in die Stichwahl schafft. Am Ende erzielte er 24,5 % Prozent (knapp gefolgt von Hinninger mit 23,4%). Dennoch, eine Prognose für heute wagt keiner. Denn Seidensticker zeigte schon einmal, dass er es kann. Bei der Kommunalwahl 2016 rückte der Stadtverordnete aus dem Stand heraus zwölf Plätze nach vorn. Mende aber ist nicht weniger ehrgeizig. Seine Hausbesuche konzentrierte er zuletzt auf typisch grüne Stadtviertel, die Grünen hatten keine Wahlempfehlung für ihn aussprechen wollen.  

Mende: In der Kommunalpolitik erst seit Kurzem aktiv

Mende hatte nur drei Monate Zeit sich in Wiesbaden bekannt zu machen. Er ist für die SPD im Landtag seit vielen Jahren im Hintergrund tätig, derzeit als Geschäftsführer der Fraktion, aber auch mal als Pressesprecher. Er begleitete auch schon mehrere Wahlkämpfe der Hessen-SPD. Kommunalpolitisch trat er aber bislang nur am Rande in Erscheinung. Tatsächlich ist Mende kommunalpolitisch auch nur in einem Ortsbeirat aktiv, hier als Vorsitzender, das aber auch er erst seit Kurzem.

OB Gerich warf wegen verschiedener Vorwürfe und Ermittlungen das Handtuch

Eine SPD-Findungskommission hatte den 56-Jährigen als Kandidaten vorgeschlagen, nachdem der amtierende SPD-Oberbürgermeister Sven Gerich seine angekündigte Kandidatur zurückgezogen hatte. Der 44-Jährige geriet in einen Strudel negativer Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen einer umstrittenen Urlaubsreise nach Spanien. Es besteht der Verdacht der Vorteilsnahme. Mende betonte im Wahlkampf immer wieder, frei zu sein von möglicher "Filz- und Vetternwirtschaft" im Rathaus. 

Seidensticker ist kommunalpolitisch tief geerdet

Seidensticker ist dagegen kommunalpolitisch tiefer geerdet. Der stellvertretende Stadtverordneten-Vorsteher ist im Kirchenvorstand, vor allem aber in dem Verein aktiv, der eines der wohl größten Volksfeste der Stadt organisiert, das Schiersteiner Hafenfest. Der Dachdeckermeister mit eigenem Betrieb in Wiesbaden-Schierstein absolvierte nach eigenen Angaben in den vergangene Wochen 3.500 Hausbesuche, um sich noch bekannter zu machen.

Als selbständiger Handwerksmeister  nicht in "Filz" verstrickt

Im Wahlkampf legte der Vater von zwei Kindern Wert darauf, nicht nur als Lokalpolitiker sondern auch als Handwerker wahrgenommen zu werden. Er sei als solcher weit entfernt von den Vorwürfen, die in jüngster Zeit immer wieder gegen die politisch Verantwortlichen im Rathaus geäußert wurden. So hatten sich auch bei Wahlkampfveranstaltungen Bürger vielfach über das  "Postengeschachere" in der öffentlichen Verwaltung und vor allem in den städtischen Gesellschaften beklagt.

Konrad Neuhaus

Reporter:
Konrad Neuhaus

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