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Mordfall Lübcke: Hinweise auf mögliche Mittäter

Mordfall Lübcke - Offenbar Hinweise auf mögliche Mittäter

Die Bundesanwaltschaft prüft laut Medienberichten Hinweise auf weitere Täter im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR will ein Zeuge in der Tatnacht zwei Autos bemerkt haben, die in "aggressiver Manier" durch den Wohnort von Lübcke fuhren.

20 Minuten zuvor habe der Zeuge, ein ehemaliger Bundeswehrsoldat, einen Schuss gehört. Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni mit einer Schussverletzung am Kopf auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha entdeckt worden, wenig später war er gestorben.

Er habe, so der Zeuge, den Eindruck gehabt, als hätten sich die beiden Autofahrer verfahren. Eines der Fahrzeuge sei ein Volkswagen Caddy gewesen, das andere habe der Mann nicht beschreiben können, heißt es in dem Bericht.

Zeugenbeschreibung passt zum Auto der Ehefrau von Stephan E.

Später hätten die Ermittlungen ergeben, dass der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan E. aus Kassel einen solchen VW Caddy fahre, der auf seine Frau zugelassen sei. Die gab in einer Vernehmung durch das LKA allerdings an, das Auto werde ausschließlich von ihrem Ehemann gefahren.

Ermittler finden Autoschlüssel in CD-Fach

Wie die "Süddeutsche Zeitung" weiter schreibt, entdeckten die Ermittler bei der Durchsuchung der Wohnung von Stephan E. einen weiteren Autoschlüssel, versteckt im CD-Fach eines Radios im Gäste-WC. Dieser gehöre zu einem Fahrzeug der Marke Skoda, das Stephan E. kurz vor der Tatnacht von einem Familienmitglied übernommen haben soll. Bis jetzt konnte dieses Auto nicht gefunden werden.

Stephan E. war den Behörden bereits bekannt

Der Tatverdächtige ist nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz in den vergangenen Jahren nicht mehr so deutlich wie früher als Rechtsextremist in Erscheinung getreten. Der Mann habe eine Art rechtsextremistische Karriere vor allem in den 1980er und 1990er Jahren begonnen, sagte Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang in Berlin.

Seit dieser Zeit sei er auch auf dem Radar des Verfassungsschutzes gewesen. Zuletzt sei er aber "eher in der Hintergrund der Beobachtung getreten". Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag (16.6.) in Untersuchungshaft. Er steht in dem dringenden Verdacht, Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) durch einen Kopfschuss getötet zu haben. 

Suche nach Tatwaffe

Die Tatwaffe im Fall des erschossenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch bislang noch nicht gefunden worden. Der Verdächtige sei Mitglied in einem Schützenverein, habe aber keine waffenrechtliche Erlaubnis gehabt, sagte Münch in Berlin. Die Ermittlungen liefen mit Hochdruck weiter. "Es gibt eine Menge, Menge aufzuklären.

Seehofer: Ermittlungen in alle Richtungen

Die Hintergründe seien noch nicht vollends aufgeklärt, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer in Berlin. Man müsse davon ausgehen, dass es sich um einen rechtsextremen Täter und um einen rechtsextremen Hintergrund handele. Das lege die Biografie des Verdächtigen nahe, sagte Seehofer. "Ob er allein gehandelt hat oder Teil eines Netzwerks ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar."

Linke fragte schon 2015 nach Stephan E.

Die Linke im hessischen Landtag hat den Verfassungsschutz bereits 2015 um Informationen gebeten. Der Name sei damals aufgefallen, als es um die Neonazi-Szene in Nordhessen gegangen sei, sagte Linksfraktionschefin Janine Wissler in einem ZDF-"Spezial". Man habe deshalb explizit beim Landesamt für Verfassungsschutz nach dem Mann gefragt - "und leider keine Antworten bekommen. In diesem Zusammenhang fordert die Linksfraktion im hessischen Landtag nun die Veröffentlichung von geheimen Landtagsdokumenten. Das erklärte Innenexperte Hermann Schaus in Wiesbaden.

Verantwortlich für Anschlag in Steckenroth?

Wie ZEIT ONLINE berichtet,soll Stephan E.1993 mit einer Rohrbombe eine Asylbewerberunterkunft in Hohenstein-Steckenroth (Rheingau-Taunus-Kreis) angegriffen haben. Die Bombe war demnach in einem Auto untergebracht, das in Brand gesetzt wurde. Bewohner konnten aber laut Bericht das Feuer löschen, bevor der Sprengsatz detonierte. Stephan E. sei zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt worden.

Festnahme dank DNA-Spur

Die Festnahme geht den hessischen Ermittlern zufolge auf eine DNA-Spur zurück, die zu einem Treffer in einer Datenbank führte. Laut "Süddeutscher Zeitung" liegen über den Mann polizeiliche Erkenntnisse über Landfriedensbruch, Körperverletzung und Waffenbesitz vor.

Der Generalbundesanwalt verfolgt Taten terroristischer Vereinigungen. Ermittlungen gegen Einzeltäter kann er aber dann übernehmen, wenn dem Fall wegen des Ausmaßes der Rechtsverletzung und den Auswirkungen der Tat "besondere Bedeutung" zukommt.

Nachgefragt: So war die Reaktion in Istha auf die Festnahme

Mordfall Lübcke: Hinweise auf mögliche Mittäter

Wolfgang Hensel

Ortsvorsteher von Wolfhagen-Istha

Sondersitzung des Innenausschusses gefordert

Nach den Hinweisen auf einen rechtsextremen Hintergrund dringen Grüne, FDP, Linke und AfD im Bundestag zu einer Sondersitzung des Innenausschusses. Die CDU/CSU zeigte sich dazu bereit. "Der Fall Lübcke ist sehr ernst", sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg, der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". "Einer Erörterung des Falles im Innenausschuss stehen wir aufgeschlossen gegenüber - auch schon in der kommenden Woche." 

Lübcke in Istha getötet

Der 65-jährige Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha entdeckt worden. Er hatte eine Schussverletzung am Kopf und starb kurz darauf. Seither ermittelt eine mittlerweile 50-köpfige Sonderkommission. 

Steinmeier: Reaktionen auf Tod "zynisch und widerwärtig"

Nach dem Tod Lübckes hatten hasserfüllte und hämische Reaktionen aus der rechten Szene im Internet für Empörung gesorgt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, wie sich manche in sozialen Netzwerken geradezu hermachten über dessen Tod, sei "zynisch, geschmacklos, abscheulich, in jeder Hinsicht widerwärtig". 

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