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Die Hintergründe im Wurst-Skandal

Wurst-Skandal bei Wilke - Die Hintergründe und Entwicklungen

© dpa

Was wird aus den Wilke-Mitarbeitern?

Die Zukunft der 200 Beschäftigten des geschlossenen Fleischherstellers Wilke ungewiss. "Aktuell ist es das Wichtigste, dass die Mitarbeiter an ihr Geld kommen", erklärte Andreas Kampmann von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). So stünden noch viele Septemberlöhne aus. Wie und ob es für Wilke weitergehe, sei völlig unklar. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.

Vorläufige Insolvenz angemeldet

Laut Gewerkschaft ist die Geschäftsführung für Mitarbeiter nicht zu erreichen. Auf Presseanfragen reagiert Wilke nicht. Die Firma hat vorläufige Insolvenz angemeldet. "Aktuell ist die Gefahr groß, dass die Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, wenn sich nicht schnell etwas was verändert", sagte NGG-Geschäftsführer Kampmann. Ein Investor könne den Betrieb wohl nur unter neuem Namen fortführen: "Selbst mit ganz viel Wohlwollen fällt es mir schwer sich vorzustellen, wie man den Markennamen Wilke künftig noch platzieren will."

Erste Probleme schon 2017

Wilke-Wurstwaren hatte offenbar schon länger eine wirtschaftliche Schieflage. Geschäftszahlen, die HIT RADIO FFH vorliegen, zeigen, dass das Unternehmen im Jahr 2017 tief in den roten Zahlen steckte. Es gab einen größeren Stellenabbau. Im Jahr 2018 gab es dann wieder einen kleinen Gewinn.

Behörden haben spät gehandelt

Die Behörden haben nach konkreten Hinweisen nicht sofort gehandelt. Verbraucherministerin Hinz sagte, dass am 16. September der Hinweis im Ministerium eingegangen sei, dass die Krankheits- und Todesfälle nahezu sicher mit dem nordhessischen Hersteller in Verbindung stehen. Danach seien die Überwachungen verschärft und schließlich die Schließung der Produktion angeordnet worden. Dem Betrieb habe aber noch die Gelegenheit gegeben werden müssen, Maßnahmen für eine Verbesserung der Lage zu ergreifen, erklärte Hinz die Zeitspanne bis zum endgültigen Stopp der Produktion und dem Rückruf der Waren Anfang Oktober. Bei einer einfachen Routinekontrolle im August seien dagegen keine Mängel in dem Betrieb festgestellt worden.

Noch kein Abschlussbericht

Die für Lebensmittelkontrolle zuständigen kommunalen Behörden hätten noch keinen Abschlussbericht über die Vorgänge bei der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH vorgelegt, erklärte die Grünen-Politikerin. Deshalb könne sie auch nicht abschließend sagen, ob Fehler bei den Kontrollen gemacht wurden. Das Ministerium habe nicht die Kompetenz gehabt, den Betrieb stillzulegen. Das Haus habe nur die Fachaufsicht und keine Anweisungen gegeben können. Der Fall zeige aber, dass bei den zuständigen Veterinärbehörden noch früher die Alarmglocken hätten klingeln müssen.

23 Handelsmarken wurden von Wilke beliefert

Die Zahl der Handelsmarken, die von dem nordhessischen Hersteller beliefert wurden, hat sich nach Angaben von Hinz mittlerweile auf 23 erhöht. Möglicherweise werde diese Zahl noch steigen. Wegen der Insolvenz und den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gebe es keine Informationen aus dem Unternehmen dazu. "Wir sind mitten in der Aufklärung." 

Hinz betonte, dass sowohl die Großhändler als auch die kleineren Geschäfte oder Gastronomen dafür verantwortlich seien, die Produkte mit Listerien-Keimen aus dem Angebot zu nehmen oder zu vernichten. Die Aufgabe der Behörden sei die Kontrolle.

Die Hintergründe im Wurst-Skandal

Verbraucherschutzministerin Priska Hinz

Verwaltungsgericht wird entscheiden, ob Liste veröffentlicht wird

Das Verwaltungsgericht Kassel wird derweil in den nächsten Tagen über die Herausgabe von weiteren Informationen im Fall Wilke entscheiden. Die Verbraucherorganisation Foodwatch habe einen Eilantrag eingereicht, bestätigte ein Gerichtssprecher. Mit dem Antrag will Foodwatch den Landkreis Waldeck-Frankenberg als zuständige Behörde verpflichten, die Namen sämtlicher Abnehmer zu veröffentlichen, die zurückgerufene Waren von dem nordhessischen Fleischhersteller Wilke bezogen.

Foodwatch: Liste ist unvollständig

Behörden haben mittlerweile auf Druck von Foodwatch Listen mit Hunderten von betroffenen Produkten herausgegeben. Doch das ändere nichts. "Die Ware ging schließlich auch undeklariert in Restaurants, Kantinen oder an Wursttheken in den Verkauf", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Offen sei zudem, ob Wilke an die Lebensmittelindustrie zur Weiterverarbeitung geliefert habe.

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Foodwatch-Sprecher Dario Sarmadi

Der Skandal könnte weltweite Folgen haben

© FFH

Ermittlungsverfahren gegen Wilke-Chef

Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Geschäftsführer des Wurstherstellers Wilke ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Die Waren der Firma werden mit zwei Todesfällen in Südhessen sowie 37 weiteren Krankheitsfällen wegen keimbelasteter Wurst in Verbindung gebracht. Die Ermittlungen liefen auch wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des Verstoßes gegen Lebensmittelrecht, sagte ein Sprecher der Behörde in Kassel.

Untersuchung der zwei Todesfälle

Das Verfahren sei aufgrund der Strafanzeige des Landkreises Waldeck-Frankenberg eingeleitet worden. Gegenstand des Verfahrens sei vor allem die Untersuchung der zwei Todesfälle, die mit einer Listerieninfektion in Verbindung stehen sollen, erklärte die Staatsanwaltschaft. In der vergangenen Woche habe es bereits Durchsuchungsmaßnahmen am Firmensitz der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH und am Wohnsitz des Beschuldigten gegeben. Der Geschäftsführer befinde sich aber auf freiem Fuß.

Mögliche weitere Fälle in Niedersachsen

Ob sich die Zahl der Todes- und Krankheitsfälle weiter erhöht, ist unklar. Wie am Dienstag bekannt wurde, fanden Behörden in Niedersachsen bei drei Erkrankten einen Keimtyp, der genetisch eng mit den Listerien verwandt ist, die in den Waren der Firma Wilke nachgewiesen wurden. Die drei erkrankten Menschen sind zwischen 50 und 90 Jahre alt. Zwei von ihnen sind gestorben - einer von ihnen starb an einer anderen Erkrankung, bei der zweiten Person habe nicht ermittelt werden können, ob die Listeriose-Erkrankung die Todesursache war.

Listerien mehrfach entdeckt worden

Produkte des nordhessischen Wurstherstellers sind nach Einschätzung des Verbraucherschutzministeriums auch nach Brandenburg gelangt. Mehrfach waren bereits zuvor Listerien in Wilke-Produkten entdeckt worden. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein.

Verbraucherhotline geschaltet

Die Task-Force Lebensmittelsicherheit hat im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz inzwischen eine Verbraucherhotline zur Rückrufaktion geschaltet. Die Hotline ist bis auf Weiteres unter folgender Nummer montags bis donnerstags zwischen 8:00 und 16.30 Uhr sowie freitags zwischen 8:00 und 15:00 Uhr erreichbar:

06151 – 12 6082

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