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Hessen und Thüringen gedenken 30 Jahre Mauerfall

DDR-Bier für Bouffier - Hessen und Thüringen gedenken Mauerfall

© dpa

Thüringen, Großburschla: Volker Bouffier (CDU, M), Ministerpräsident von Hessen, steht Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, und seiner Ehefrau Germana Alberti vom Hofe vor einem eigens zur Feier eingerichteten Konsum-Markt.

Vor 30 Jahren fiel die Mauer in Berlin - und danach öffnete sich die deutsch-deutsche Grenze überall Stück für Stück. Hessen und Thüringen zelebrierten heute einen Festakt zum freudigen Gedenktag. Den beiden Ministerpräsidenten wurden Ost-Spezialitäten serviert.

Hessen und Thüringen haben am Samstag gemeinsam an den Fall der Mauer vor 30 Jahren erinnert. Der Festakt fand an einem besonderen Ort statt: Das Dorf Großburschla an der Grenze zwischen den Bundesländern litt besonders unter der deutschen Teilung. "Die Mauer in Berlin, das ist ein Bild, das kennt die ganze Welt", sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Doch es gehe auch um die Leute im Schatten dieser Ereignisse wie die Menschen in Großburschla. Sie seien von drei Seiten eingezäunt gewesen und hätten das Gefühl gehabt, Gefangene zu sein.

Der Ortsteil der thüringischen Stadt Treffurt lag im Grenzgebiet und ragte wie eine Landzunge nach Westdeutschland hinein. Entsprechend hoch waren die Sicherheitsvorkehrungen während der Teilung. Der Ort durfte damals nur von Einwohnern oder mit Sondergenehmigung betreten werden.

Hessisch-thüringische Freundschaft

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) mahnte, dass man auch an die Vorgeschichte der deutschen Teilung erinnern müsse. Er bezog sich auf die Novemberpogrome, bei denen die Nationalsozialisten Juden ermordeten. "Zum 9. November 1989, dem schönsten Tag, gehört auch der schlimmste Tag, der 9. November 1938", sagte Ramelow.

Begonnen hatte die Gedenkfeier am Morgen mit einem ökumenischen Gottesdienst in Großburschla. Danach legten Ramelow und Bouffier Kränze auf der Werrabrücke zwischen den Bundesländern nieder. Dort erinnert eine neue Gedenktafel an die zahlreichen Opfer, die bei Fluchtversuchen aus der DDR ihr Leben verloren.

Beide Ministerpräsidenten betonten auch die enge Freundschaft zwischen beiden Bundesländern: "Wir gehören zusammen", sagte Bouffier.

DDR-Bier für Bouffier

Gefeiert wurde auch mit einem Hauch von Ostalgie: Der Gedenkmarsch ins hessische Wanfried-Heldra führte an einem Konsum-Imbiss mit Ost-Spezialitäten vorbei. Dort gab es DDR-Bier und die Süßigkeit "Halloren Kugeln" zu probieren. Vor dem Festzelt erwartete die Ministerpräsidenten ein Trabi.

Im Anschluss an den Festakt stellten sich über 1000 Menschen zum Wort "Freiheit!" auf, das aus der Luft lesbar war.

900.000 DDR-Flüchtlinge in Gießen

200 Menschen hingegen kamen an historischer Stätte in Mittelhessen zusammen. Sie nahmen im früheren Bundesnotaufnahmelager in Gießen an einer Bürgerveranstaltung teil. "Es kam zu emotionalen Begegnungen, bei denen der ein oder andere vor lauter Rührung auch zum Taschentuch greifen musste", bilanzierte ein Sprecher des Regierungspräsidiums (RP) Gießen.

Die Gäste sahen eine Ausstellung und bekamen eine Führung durch die Einrichtung, einen Vortrag und eine Podiumsdiskussion geboten. Es gehe darum, Rückschau zu halten, die Gegenwart zu beleuchten und gemeinsam Lehren für Europas Zukunft zu ziehen, teilte das RP als einer der Veranstalter mit.

Unter den Gästen waren auch der damalige Einrichtungsleiter Heinz Dörr (92), Zeitzeugen und ehemalige DDR-Bürger, die von Osten nach Westen geflohen waren. Regierungspräsident Christoph Ullrich sagte als Moderator der Podiumsdiskussion: Der Begriff Freiheit sei heutzutage in Deutschland selbstverständlich geworden. Doch sie sei ein hohes Gut. Die Veranstaltung solle für den Wert der Freiheit sensibilisieren.

Bis zur Wende kamen nach Angaben der Behörde 900 000 DDR-Flüchtlinge und Übersiedler in das Bundesnotaufnahmelager. Es war so etwas wie ein "Sehnsuchtsort" für Hunderttausende DDR-Bürger. Von Gießen aus begann für sie ein Leben in Freiheit. Die Einrichtung war bundesweit für die Übersiedler zuständig.

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