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Wegen Kinderpornos: Pfarrer vom Dienst suspendiert

Pfarrer vom Dienst suspendiert - Stellungnahme des Bistums

© dpa

Symbolbild

Die Staatsanwaltschaft Hanau ermittelt gegen einen Pfarrer aus dem Bistum Fulda wegen des Herunterladens von Kinderpornos. Das teilte das Bistum mit. Fuldas Bischof Michael Gerber hat den Pfarrer deswegen von allen Aufgaben suspendiert.

2004 wurde bereits wegen sexueller Beleidigung gegen den Pfarrer ermittelt

Pfarrer Martin K. war in Steinau-Marborn und Bad Soden-Salmünster-Romsthal tätig – nun ist er von allen Ämtern beurlaubt. Es wurde laut Pressemitteilung des Bistums schon 2004 gegen den Pfarrer ermittelt – wegen sexueller Beleidigung. Damals bekam er eine Geldstrafe auf Bewährung und wurde dann nach einer Therapie und unter Auflagen in Steinau eingesetzt.

Bischof Gerber gab im Herbst eine neues psychologisches Gutachten über Martin K. in Auftrag

Nun ermittelt nicht nur die Staatsanwaltschaft gegen Pfarrer Martin K. – es wird wohl auch ein kirchenrechtliches Verfahren auf ihn zukommen. Noch im Herbst hatte Bischof Michael Gerber ein neues psychologisches Gutachten von Martin K. beauftragt - ohne von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu wissen.

Erfolg der kirchlichen Präventionsmaßnahmen?

In einem FFH-Interview zu dem Fall sagt Generalvikar Christof Steinert, dass niemand aus der Pfarrei zu Schaden gekommen sei. Weiter sagt Steinert wörtlich: " (...) ich wage zu behaupten, unsere Präventionsmaßnahmen greifen insofern, dass Menschen sich in diesem Zusammenhang zurücknehmen, aber scheinbar (in) andere Bereiche, wie die digitalen Netze ausweichen (...)“.

FFH hat speziell zu dieser Aussage um eine Stellungnahme gebeten, mit der Frage, wie man in diesem Fall von erfolgreicher Präventionsarbeit sprechen kann. Vom Bistum heißt es darauf in der Antwort:

"Generalvikar Steinert hat hier sein Bedauern über eine negative Auswirkung des Verhaltens des Beschuldigten zum Ausdruck gebracht, der auf der anderen Seite entgegensteht, dass dieser nach Darstellung der Menschen vor Ort gegenüber den Kindern und Jugendlichen in seiner Gemeinde nicht auffällig geworden ist. Das Zitat ist aus dem Zusammenhang des Interviews herausgenommen und macht nicht deutlich genug, dass das Bistum Fulda gegen jede Form von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen vorgeht, auch in den digitalen Medien."

Und weiter spricht Steinert im Interview über die Zukunft des Pfarrers. Er sagt wörtlich: „Sicher ist auch der Pfarrer mit im Blick. Was wird aus ihm werden und wie wird er das aufnehmen, weil deutlich wird, dass er in dieser Form seinen Beruf ja nicht mehr ausüben kann.“

Auch bei dieser Aussage hakt FFH nach und fragt, ob diese Fürsorge gegenüber dem Pfarrer im Hinblick auf das Leid der für die Kinderpornos missbrauchten Kinder und ihrer Angehörigen nicht völlig deplatziert ist. 

Die Antwort des Bistums im Wortlaut:

"In erster Linie denken wir im Bistum Fulda an die betroffenen Kinder und Jugendlichen, die in abscheulicher Weise missbraucht werden. Auf die Frage hin, wie es in der Pfarrgemeinde weitergeht, hat sich der Generalvikar auch zur Haltung der Menschen vor Ort zu dem beschuldigten Pfarrer geäußert. Es geht nicht um „Fürsorge“, sondern darum, wie es konkret vor Ort weitergeht. Der Pfarrer muss ohnehin mit klaren kirchenrechtlichen Konsequenzen rechnen."

 

 

Olaf Brinkmann

Reporter
Olaf Brinkmann

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