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Schiri-Attacke: 15 Monate Haft auf Bewährung

Attacke auf Schiedsrichter - 15 Monate Haft auf Bewährung für Spieler

Im Prozess um eine Prügel-Attacke auf einen Schiedsrichter in Münster (Kreis Darmstadt-Dieburg) ist das Urteil gefallen: Ein Jahr und drei Monate Haft auf Bewährung für den angeklagten Fußballer (28) - wegen gefährlicher Körperverletzung.

Ende Oktober 2019 hatte der Spieler der FSV Münster bei einem Kreisligaspiel den Schiedsrichter brutal zu Boden und damit bewusstlos geschlagen, nachdem er mit Gelb-Rot vom Platz gestellt worden war. Der Schiedsrichter kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Gemeinnützige Arbeit

Die Entscheidung des Gerichts: Es habe potenzielle Lebensgefahr bestanden. Der Spieler muss zusätzlich zum Urteil 200 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten. Vor Gericht zeigte er Reue und sagte: "Es tut mir Leid, ich schäme mich für die Tat." Der Schiedsrichter selbst hat körperlich keine Einschränkungen mehr - allerdings möchte er kein Fußballspiel mehr pfeifen, aus Angst, erneut Opfer einer Attacke zu werden.

"Das geht an die Substanz"

Es hatte Wochen gedauert, bis sich der 22 Jahre alte Schiedsrichter von dem Schlag und einer Gehirnerschütterung erholte. Nach der Attacke sagte uns sein Vater im Exklusiv-Interview: "Es tut weh, wenn man das sieht, wenn sein eigener Sohn so niedergebügelt wird. Das geht an die Substanz." Der Schiri selbst hatte sich nach seiner Entlassung aus der Klinik bei Facebook zu Wort gemeldet: „Es war nicht nur ein Angriff auf mich als Schiedsrichter. Das war ein Angriff auf unseren Amateurfußball.“

Entschuldigung vor dem Sportgericht

Peter Samoschkoff, der 1. Vorsitzende der FSV (Freie Sportvereinigung) Münster, sagte uns, dass sich vor dem Sportgericht der Spieler allgemein für die Situation entschuldigt habe. "Ich habe ihm das nicht so wirklich abgenommen, das klang ziemlich auswendig gelernt", sagt Samoschkoff. Beim Verein habe sich der Beschuldigte nicht gemeldet. Ob es Kontakt zum Schiedsrichter gab, wisse Samoschkoff nicht. Er selbst habe sich direkt nach dem Vorfall mit dem Opfer in Verbindung gesetzt.

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Verein in Schwierigkeiten

Der Verein habe nach wie vor stark an dem Vorfall zu knabbern, es gebe kaum neue Mitglieder. Die FSV Münster wolle jetzt sogar einen seiner beiden Fußballplätze verkaufen, sagt Peter Samoschkoff. Mit dem Geld solle das Vereinsheim renoviert werden. Wenn das geschehen ist, wolle man eine Art Neuanfang wagen und sich auch mehr auf andere Sportarten konzentrieren.

Neues Fußballteam nicht in Aussicht

Ob es eine neue Fußballmannschaft gibt, stehe noch in den Sternen. "Es hat Gespräche gegeben, aber ein wirkliches Ergebnis gab es nicht", sagt Samoschkoff. Zur Zeit spielen nur ein Juniorinnen-Fußball-Team und die Alten Herren auf dem Gelände.

Nach Sperre droht nun Haftstrafe

Das Sportgericht hat den Schiri-Angreifer schon abgestraft und für drei Jahre gesperrt. Die Mannschaft der FSV Münster war für sechs Monate vom Spielbetrieb ausgeschlossen worden.

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