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NSU 2.0 verschickte neue Droh-Emails

Weitere "NSU 2.0"-Drohmails - Verfasser deutet an, Polizist zu sein

© dpa

Schon wieder hat es rechtsextreme Drohmails gegeben. Eine ganze Serie von neuen Todesdrohungen wurde versendet. Die Linken-Politikerin Janine Wissler und die Kabarettistin Idil Baydar sind erneut unter den Adressaten. Nach FFH-Informationen sind die mit NSU 2.0 unterzeichneten Schreiben ähnlich formuliert und aufgebaut wie frühere Schreiben - außerdem macht der Verfasser Andeutungen in Richtung Polizei.

Drohmails mit  "Der Führer" unterschrieben 

Die Art und Weise, wie warin getextet wird, die Begrifflichkeiten und die offene Morddrohung stammen vermutlich aus derselben Feder wie die vorigen Mails. Diesmal ist der Kreis der Empfänger aber größer. So haben etwa auch TV-Talkerin Maybritt Illner oder die Zeitung taz die Mails bekommen. Konkrete Anhaltspunkte zum Verfasser liegen den Ermittlern aber weiter nicht vor. Unterzeichnet sind die Mails mit "Der Führer".

Neue Spuren zur Polizei?

Mehrere Male war über Polizeicomputer auf persönliche Daten der Drohmail-Empfänger zugegriffen worden. Neben den rassistischen und frauenfeindlichen Beschimpfungen deutet der Verfasser auch an, Polizist zu sein und schon früher solche Drohungen verschickt zu haben. Zumindest soll vom Täter dieser Eindruck erweckt werden. Darüber hinaus besteht die Mail aus rechtsextremen Sprüchen wie der Behauptung, dass die Deutschen sich angeblich durch zu viel Migration selber abschafften.

Die Mails nehmen außerdem Bezug zur Entlassung von Landespolizeipräsident Münch. Er musste gehen, weil Innenminister Beuth zu spät über Spuren zu Polizei-Computern in Wiesbaden informiert wurde. Sein Nachfolger wird Roland Ullmann, der bisherige Präsident des Polizeipräsidiums Süd Ost.

"Fordern schnellstmögliche Aufklärung"

Die Gewerkschaft der Polizei in Hessen (GdP) fordert im Fall rechtsextremer Drohschreiben eine schnellstmögliche Aufklärung. "So lange das in der Schwebe ist und neue Fälle auftauchen, sind die ganzen Kollegen, die einen sauberen Job machen, nicht entlastet", sagte GdP-Landeschef Andreas Grün der Deutschen Presse-Agentur. "Wir sind über 60 Kolleginnen und Kollegen, die Tag und Nacht akribisch arbeiten, um das aufklären. Aber es sind schwierige Ermittlungen."

Polizisten unter Generalverdacht

Die Vorfälle lasteten wie ein "bleierner Schatten" auf Hessens Polizei, sagte Grün. Kollegen würden beschimpft und hätten es mit pauschalen Vorverurteilungen zu tun. "Für die Kollegen, die in aller Regel einen tadellosen Dienst machen, ist das schwer." Die Gewerkschaft geht Grün zufolge nicht von einem Netzwerk aus. "Jeder Fall ist einer zu viel, das ist klar", sagte der GdP-Chef. "Aber wir bleiben dabei: Es gibt keine Anzeichen, keine belastbaren Hinweise, dass es ein vernetztes Treiben innerhalb der hessischen Polizei gibt."

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