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Morgen wieder Gaslieferungen möglich: Aktienmarkt bleibt verunsichert

Morgen wieder Gaslieferungen? - Deutscher Aktienmarkt bleibt verunsichert

© dpa

Nach dem Ende einer Routinewartung sind für Donnerstag Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 angekündigt.

Das geht aus vorläufigen Daten des Netzbetreibers Gascade aus Kassel vom Mittwochnachmittag hervor. Gascade betreibt die beiden Empfangspunkte von Nord Stream 1 im vorpommerschen Lubmin. Für beide Punkte sind laut Gascade-Website Gaslieferungen vorgemerkt.

Gasmenge kann sich noch kurzfristig ändern

Es seien circa 800 Gigawattstunden für Donnerstag angemeldet, teilte die Bundesnetzagentur am Mittwoch mit. Zum Vergleich: An den drei Tagen vor den Wartungsarbeiten waren es etwa 700 Gigawattstunden. Allerdings wies die Bonner Regulierungsbehörde darauf hin, dass sich die Höhe der für Donnerstag angekündigten Gasmenge noch kurzfristig ändern könne.

Die Vormerkungen - sogenannte Nominierungen - seien Voraussetzung, damit nennenswerte Mengen transportiert werden können, hatte eine Gascade-Sprecherin zuvor erklärt. Die Anmeldungen können sich demnach allerdings noch bis kurz vor der tatsächlichen Lieferung ändern.

Aktienmarkt zunächst mit weiteren Gewinnen

Die Hoffnung auf weitere Gaslieferungen aus Russland hat dem deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte weitere Gewinne beschert. Der Dax stieg in den ersten Handelsminuten am Mittwoch um 0,22 Prozent auf 13 337,85 Punkte, nachdem er tags zuvor um 2,7 Prozent zugelegt hatte.

Russlands Präsident hatte Lieferungen angedeutet

In der Nacht zum Mittwoch hatte Kremlchef Wladimir Putin dann Lieferungen auch nach der Wartung angedeutet. "Gazprom erfüllt seine Verpflichtungen, hat sie stets erfüllt und ist gewillt, weiterhin alle seine Verpflichtungen zu erfüllen", zitiert die russische Agentur Interfax Putin. Während der vergangenen anderthalb Wochen war wegen einer jährlichen Routinewartung kein Gas durch die zuletzt wichtigste Verbindung für russische Erdgas-Importe nach Deutschland geliefert worden.

Drosselung auf 40 Prozent bereits vor der geplanten Wartung

Schon vor Beginn der Wartung von Nord Stream 1 hatte der russische Staatskonzern Gazprom die Lieferungen durch die mehr als 1200 Kilometer lange Pipeline auf 40 Prozent gedrosselt und dies mit dem Fehlen einer Turbine begründet. Putin warnte zuletzt vor einem weiteren Absenken der Liefermenge, sollte Russland die in Kanada reparierte Turbine nicht zurückerhalten. Sie wurde wegen der westlichen Sanktionen lange zurückgehalten. Zuletzt hatte Kanada entschieden, die Turbine an Deutschland zu übergeben.

EU-Kommissionspräsidenten skeptisch was Lieferungen angeht

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte zuvor einen kompletten Lieferstopp von Gas aus Russland in die Europäische Union für wahrscheinlich gehalten. "Wir müssen uns auf eine mögliche vollständige Unterbrechung der russischen Gasversorgung vorbereiten", sagte die deutsche Politikerin am Mittwoch in Brüssel.

Gasnotfallplan der Kommission sieht Zwang zum Gas sparen vor 

Die EU-Kommission hat zu einem bevorstehenden Gasnotstand unterdessen einen Vorschlag gemacht: In diesem Fall sollen alle EU-Staaten zum Gassparen gezwungen werden können, so die Behörde. Erstmal sollen aber alle Staaten freiwillig ihren Verbrauch in den nächsten Monaten um 15 Prozent reduzieren.

Aktienmarkt ist durch Spekulationen um Gaslieferungen verunsichert

Der deutsche Aktienmarkt ist am Mittwochnachmittag in die Verlustzone gerutscht. Der Leitindex Dax notierte am Nachmittag ein halbes Prozent tiefer bei 13 238,86 Punkten. Die Verunsicherung hinsichtlich der Gasversorgung nahm zwischenzeitlich wieder zu. Für ein wenig Entspannung sorgte dann, dass laut vorläufiger Daten des Netzbetreibers Gascade für Donnerstag Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 angekündigt wurden.

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