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Problem "Elterntaxis": Schüler sind dagegen

Problem ElterntaxisJetzt sagen die Schüler: "Nein Danke!"

Immer  mehr Eltern fahren ihre Kinder mit dem Auto bis vor das Schultor. Das sorgt für Probleme und schadet in vielen Fällen den Kindern. Deshalb machen i-Dötzchen aus Nieder-Eschbach jetzt den Mund auf und sagen: "Wir finden Elterntaxis doof!"

Ein ungewöhnliches Bild war das bei der Ortsbeiratssitzung in Nieder-Eschbach. Zwischen etlichen Erwachsenen stehen sechs Kinder in einer Reihe. "Liebe Ortsbeiräte, liebe Bürger von Nieder-Eschbach. Wir haben ein Problem bei uns vor der Schule...", wendet sich eine Schülerin in die Erwachsenen. Dann erzählen die Kids, wie schlecht die kreuz und quer auf der Straße parkenden Autos der Eltern für sie früh morgens sind. Dass sie teilweise auf die Straße ausweichen müssen. Dass Zebrastreifen zugeparkt werden und dass große Autos die Sicht der Kleinen auf die Straße versperren. Kurz: Die Schüler sagen: "Elterntaxis finden wir doof!"

Und der Auftritt der Grundschüler hat was bewirkt: Der Ortsbeirat von Nieder-Eschbach fordert jetzt im Bereich der Schule ein absolutes Halteverbot und strengere Polizeikontrollen

Schüler gegen Elterntaxis: Die Gründe

Problem "Elterntaxis": Schüler sind dagegen

Zugeparkte Zebrastreifen
Ein Grundschüler der Michael-Grzimek-Schule erklärt, warum er...

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Problem "Elterntaxis": Schüler sind dagegen

Grundschüler gegen Elterntaxis
Viele Gründe, warum Elterntaxis gar nicht toll sind...

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Viele Kommunen versuchen dem morgendlichem Autoandrang Herr zu werden: Beispielsweise mit befristeten Halteverboten.

Denn so verlieren die Kinder die Möglichkeit eigene Erfahrungen zu machen, selbstständige Mobilität zu entwickeln und das Gebiet rund um die Wohnung und die Schule zu erkunden. Der gemeinsame Weg in der Gruppe ist eine Chance Freundschaften zu knüpfen und gemeinsam etwas zu erleben. Taxi-Eltern nehmen ihren Kindern die Chance, diese wichtigen Erfahrungen zu machen. 

Autofahren ist schlecht für schulische Leistungen

Sogar die schulische Leistung der Kleinen kann von übereifrigen Eltern verschlechtert werden. Schulleiter Markus Bente aus Hünfeld erzählt: Wenn die Kinder bis vor die Schule gefahren werden, sind sie in der ersten Stunde total unruhig und unaufmerksam. Kein Wundern, die Kleinen wollten sich erst mal mit ihren Freunden austauschen und etwas abreagieren. Eben genau das, was man früher auf dem Weg zur Schule gemacht hätte.

Das bekannte Problem...

Wer morgens kurz vor acht Uhr an hessischen Schulen vorbei kommt, der kann manchmal nur den Kopf schütteln, über die Szenen, die sich dort abspielen. Autos stehen kreuz und quer im Halteverbot, halten teilweise in zweiter und dritter Reihe, überfahren Verkehrsinseln, drängeln sich am Schulbus vorbei, überholen auf der Gegenfahrbahn und wenden mitten auf der Straße - beim morgendlichen Abliefern der Kinder scheinen viele Eltern sämtliche Verkehrsregeln zu vergessen.

Erstklässler mitten im Chaos

Und mitten in diesem Chaos: Die kleinen Erst- und Zweitklässler, die gerade erst die Regeln der Straße lernen. Das alles ist nicht nur ärgerlich und unnötig gefährlich für die jungen Schüler, sondern - darin sind sich Experten einig - auch völlig unnötig. Eltern, die ihre Kinder regelmäßig bis vor die Schule fahren, helfen nicht etwa, sondern schaden möglicherweise sogar.

Dabei hat nur eine Minderheit der Schüler einen weiten Weg zur Schule. Laut einer Studie haben 60 Prozent der Kinder, die gefahren würden, einen Schulweg von weniger als 800 Metern. Viele hessische Schulen machen sich nun Gedanken, wie sie dem morgendlichem Verkehrschaos entgegen wirken können. Einige richten spezielle Parkplätze in einiger Entfernung zur Schule ein - so Beispielsweise in Bad Vilbel. Hier sollen Eltern ihre Kinder absetzen, damit diese dann die letzten Meter alleine laufen können.

Clevere Lösung: Der "Laufbus"

Eine clevere Lösung gibt es auch in Rodgau Dudenhofen. Hier ist ein "Laufbus" eingerichtet. Auf vier verschiedenen, festgelegten Routen laufen die Kinder der Freiherr-vom-Stein-Schule gemeinsam zum Unterricht. Unterwegs gibt es ausgewiesene Haltestellen, an denen weitere Kinder "zusteigen" - also sich den anderen Kindern anschließen - können. Eltern können also ihre Kinder einfach zur Haltestelle bringen, dort wird gewartet, bis die restlichen Kinder vorbei kommen und dann geht es gemeinsam weiter. Sogar einen "Fahrplan" mit Uhrzeiten, zu denen die Gruppe an den Haltestellen vorbei kommen wird, gibt es.

Aktion "Zu Fuß zur Schule"

Auch an der Ketteler-Schule in Kleinostheim ist das Thema Elterntaxis präsent. Besser gesagt das Thema: "Wie können wir Eltern dazu bewegen, ihre Kinder zur Schule laufen zu lassen oder zumindest den Bus zu nehmen?" Der Elternbeirat rief deshalb zusammen mit der Schulleitung eine Laufwoche ins Leben. Hier sammelte jedes Kind, das entweder zur Schule lief, mit dem Roller oder Fahrrad kam, oder den Bus nutzte, einen Chip. Am Ende der Woche wurden alle gesammelten Chips der Grundschüler in ein Gefäß mit Markierung gefüllt. Das Ziel? Etwas gemeinsam zu schaffen und dafür eine Belohnung zu erhalten. 

Michaela Gerst vom Elternbeirat schreibt uns: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man die Eltern und deren Bewusstsein für die Situation nur über die Kinder erreicht." Der Elternbeirat und die Schulleitung mit Kollegium hoffen, mit der Aktion die Schüler fürs Laufen zur Schule begeistert zu haben. Im Frühjahr 2018 soll es dann einen ganzen Laufmonat geben...

So bringt ihr Kindern den sicheren Schulweg bei

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Marc Adler

Reporter:
Marc Adler

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