Morningshow

19.04.2017

Roswitha aus Neu-Anspach: Nach 50 Jahren Lesen gelernt!

Kennt ihr jemanden, der nicht richtig lesen und schreiben kann? Ihr denkt bestimmt "auf gar keinen Fall". Aber: Jeder zehnte Hesse ist funktionaler Analphabet. Das bedeutet, dass er zwar Buchstaben kennt, sie aber nicht zusammensetzen kann - also Wörter und Sätze nicht versteht. Davon sollen allein Hessen 550.000 Menschen betroffen sein. Es ist also wichtig, auch dieses Thema anzupacken: Das haben Horst und Evren gemeinsam mit Roswitha aus Neu -Anspach getan.

Roswitha hat sich fast 50 Jahre mit funktionalem Analphabetismus durchs Leben gekämpft: Sie hat das eingekauft, wobei sie Bilder aus der Werbung erkannte oder hat im Restaurant immer das Gleiche bestellt, wie Freunde oder Familie. In einer Situation musste Roswitha sogar über ihre Grenzen gehen und sich selbst die Finger brechen – um kein Formular auf dem Amt ausfüllen zu müssen und sich so zu verraten.

Roswithas Geheimnis gelüftet: Ehemann braucht Adresse

Nicht einmal Roswithas Mann Ralf und ihre vier Kinder wussten von ihrem Geheimnis. Bis vor ein paar Jahren: Ralf war auf Geschäftsreise und hatte eine Kundenadresse vergessen... Die Roswitha ihm am Telefon vorlesen sollte. Somit war Roswithas Geheimnis gelüftet...

Roswitha hat Lesen gelernt!

Roswitha hat es dann auch wirklich angepackt und in der Volkshochschule nach und nach Lesen und Schreiben gelernt. Mittlerweile ist sie 60 Jahre alt und hilft anderen Betroffenen.

Hilfe für Betroffene

Falls Sie selbst betroffen sind oder jemanden kennen: Unter der Hotline vom Bundesverband für Alphabetisierung können Sie sich anonym beraten lassen. Telefon-Nummer: 0800 - 53 33 44 55.

© FFH

Gründe für sogenannten funktionalen Analphabetismus gibt es viele: Oftmals verursacht wird er durch schwierige familiäre und soziale Verhältnisse: desinteressierte und überforderte Eltern, Vernachlässigung durch die Familie oder auch eine längere Krankheit.

Schulzeit ist prägend

All dies können Faktoren sein, dass Kinder während der Schulzeit nicht richtig lesen und schreiben lernen - insbesondere dann, wenn Kinder bei ersten Versuchen zu lesen und schreiben demotiviert, bestraft oder gar ausgegrenzt werden.

Es fängt bei der Familie an

In Familien, in denen Bücher und Zeitungen, also Lesen zum Alltag gehört, tritt funktionaler Analphabetismus so gut wie nicht auf. Dies gilt insbesondere in Familien, in denen schon kleinen Kindern viel vorgelesen wird.

Florian Hennefarth

Reporter:
Florian Hennefarth

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