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Tal der Abgeschnittenen: Ein Ort ohne Handyempfang

„Tal der Abgeschnittenen" - Dieser Ort ist komplett ohne Handyempfang

© dpa

Wer in Knickhagen wohnt, kann sein Handy fast nie benutzen. Der Ortsteil der Gemeinde Fuldatal im Landkreis Kassel liegt mitten in einem Funkloch und wird gar als „Tal der Abgeschnittenen“ bezeichnet.

Mit dem Handy zu telefonieren, SMS zu verschicken oder im Internet zu surfen? Fehlanzeige in Knickhagen! „Einige haben eigene Heimnetzwerke und wählen sich mit dem Handy ins eigene WLAN ein“, sagt Bürgermeister Karsten Schreiber am FFH-Mikrofon. Doch das funktioniere nur daheim. Sind die Bewohner in der Stadt unterwegs, haben sie keinen Empfang. Dabei ist es egal, ob die Bewohner die Telekom, Vodafone oder O2 als Betreiber nutzen wollen. Was fehlt, ist ein Funkmast.

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Funkmasten wie dieser garantieren mobilen Empfang fürs Telefonieren und Surfen. In Knickhagen gibt es keinen.

Das Problem gibt es in dem Ort seit etwa zwei Jahren, als ein Sendemast verstellt wurde. Vorher gab es immerhin an manchen Stellen in Knickhagen Handyempfang. Jetzt müssen sich die Bewohner des Ortes irgendwie anders helfen: Ab ins Auto setzen und den benachbarten Berg hinauffahren, denn dort gibt es Empfang. „Ich habe schon mehrere Leute gesehen, die am Fahrbahnrand stehen, die Warnblinkanlage an haben und heftigst am Telefonieren sind, weil sie dann plötzlich Empfang haben“, erzählt Dietmar Czap, der in Knickhagen lebt. Wenn er den Ort verlässt, ploppen alle Nachrichten und verpassten Anrufe auf seinem Smartphone auf – häufig mehrere Stunden zu spät.

Ort hofft auf die Politik

Auf eine dauerhafte Lösung warten die Knickhagener noch. Auch der Rathauschef kann nicht helfen. „Wir können als Kommune keine eigenen Baumaßnahmen durchführen“, erzählt Schreiber gegenüber FFH: „Wir können Appelle schicken, Anträge stellen, Hinweise geben und öffentlich den Druck aufbauen.“ Er sieht die Politiker von Bundes- und Landesregierung in der Pflicht, aktiv zu werden. „Sie müssen gemeinsam Konzepte entwickeln und für flächendeckende Versorgung tätig werden“, sagt Karsten Schreiber.

Noch mehr weiße Flecken in Hessen

Karte zur Netzabdeckung
© Screenshot/ Vodafone.de
Karte zur Netzabdeckung

Die weißen Flecken auf der Karte zeigen: In Knickhagen gibt es keinen Mobilfunk-Empfang.

Knickhagen ist nicht der einzige Ort im FFH-Land, der massive Probleme mit Funklöchern hat. Im Hessen gibt es noch mehr weiße Flecken auf der Landkarte, häufig in der Nähe von großen Waldgebieten oder Landstraßen. Wie gut der Empfang in eurem Wohnort ist, damit gehen die Anbieter unterschiedlich transparent um: Vodafone hat uns eine Karte zur Netzabdeckung geschickt, die Telekom stellt eine auf ihrer Homepage zur Verfügung, O2 hat auf unsere Anfrage nicht reagiert, allerdings hat jeder online die Möglichkeit, die Netzabdeckung von O2 anhand der PLZ zu checken: Zur O2-Netzabdeckung

Funklöcher mit einer App melden

Entdeckt ihr Funklöcher, könnt ihr die seit Ende 2018 auch in einer kostenlosen App (Android und iOS) der Bundesnetzagentur melden. Das funktioniert so: Öffnet ihr die App, ermittelt das Programm automatisch, ob ein Netz verfügbar ist – und wie schnell das ist. Aus den gesammelten Daten soll dann mit der Zeit eine Karte entstehen, die über die Netzabdeckung in Deutschland Auskunft gibt.

Ihr kennt auch ein Funkloch im FFH-Land, in dem euer Handy immer tot ist? Dann meldet euch unter 069 - 19 72 5 bei uns oder schreibt in die Kommentare.

Nicole Seliger

Reporter:
Nicole Seliger

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