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Feuerwehr Bad Orb sitzt auf dem Trockenen

Kein Löschwasser mehr! - Feuerwehr Bad Orb sitzt auf dem Trockenen

Es hört sich wie ein schlechter Scherz an - ist aber leider keiner: Die Freiwillige Feuerwehr in Bad Orb kann im Falle eines Brandes in der Kurstadt nicht wirklich helfen - weil ihr das Löschwasser fehlt. Und seit rund einem Jahr scheitert das Stadtparlament in Bad Orb daran, dieses Problem zu lösen. 

Hydranten seit 20 Jahren nicht gewartet und teilweise zu wenig Löschwasser vorhanden

In der Stadt bestehen zwei Probleme: Zum einen sind die Hydranten seit 20 Jahren nicht gewartet worden, teilweise kaputt und generell zu alt. Zum anderen gibt es in einigen Stadtregionen schlicht zu wenig Wasser, um bei einem Brand genügend Löschwasser pumpen zu können.

Probleme sind seit zwei Bränden im letzten Jahr bekannt

Diese beiden Probleme sind bei zwei Bränden im vergangenen Jahr ans Tageslicht gekommen. Da gab es zwei Häuserbrände, bei denen die Feuerwehr nur einen schwachen Strahl aus dem Hydranten bekommen hat. Bei einem der Brände waren Feuerwehr-Einsatzkräfte im brennenden Haus, als das Wasserproblem auftrat – also hochgradig gefährlich.

Bei dem anderen Brand mussten noch Personen aus dem Haus gerettet werden. Benachbarte Orte mussten mit ihrer Feuerwehr aushelfen – die Häuser sind aber abgebrannt. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Stadtverodnetenversammlung hat Lösungs-Konzept abgelehnt

Das Schlimme ist laut Stadtbrandinspektor Steffen Sonnabend: Das Problem ist nun seit einem Jahr bekannt, aber bislang konnte noch keine Lösung gefunden werden. Denn die Stadtverordnetenversammlung hat ein Lösungs-Konzept abgelehnt. Das einzige, was beschlossen wurde, ist, dass die 450 Hydranten in der Stadt bis zum Herbst gewartet werden. Aber das ist ja nur eine teilweise Lösung – das Problem, dass in manchen Regionen einfach zu wenig Wasser ist, wird damit nicht gelöst.

Außerdem ist die Stadt rechtlich verpflichtet, genügend Löschwasser zur Verfügung zu stellen, es muss also eine schnelle Lösung her.

Vorschlag: Wechsellader anschaffen und eine Fahrzeug-Halle bauen

Stadtbrandinspektor Steffen Sonnabend hat zusammen mit dem Main-Kinzig-Kreis ein Konzept erarbeitet: Das sieht vor, einen sogenannten Wechsellader anzuschaffen. Also einen LKW, der einen großen Wassertank mit 10.000 Litern Wasser hat. Bei einem Einsatz könnte so sichergestellt werden, dass genug Wasser da ist. Dafür muss aber auch die Infrastruktur geschaffen werden, also eine Fahrzeughalle.

Das Feuerwehrgerätehaus hat keinen Platz für den Wechsellader – es müsste also ein Grundstück angekauft und eine Halle gebaut werden. Und das alles wäre deutlich billiger, als das komplette Wassersystem in Bad Orb zu sanieren, was außerdem Jahre dauern würde, so Sonnabend.

Zum Nachhören: Steffen Sonnabend von der Feuerwehr Bad Orb im Gespräch mit FFH

Feuerwehr Bad Orb sitzt auf dem Trockenen

Steffen Sonnabend von der Feuerwehr Bad Orb

"Brände können nicht mit Wasser versorgt werden"

Feuerwehr Bad Orb sitzt auf dem Trockenen

Steffen Sonnabend von der Feuerwehr Bad Orb

"Die politischen Parteien blockieren..."

Feuerwehr Bad Orb sitzt auf dem Trockenen

Steffen Sonnabend von der Feuerwehr Bad Orb

"Seit einem Jahr keine Lösung!"

© FFH / Eva-Maria Lauber

Konzept abgelehnt - aus finanziellen Gründen

Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer letzten Sitzung am 19.06. zwar die Anschaffung des Wechselladers genehmigt, nicht aber den Kauf eines Grundstücks und den Bau einer Halle – und somit das ganze Konzept unbrauchbar gemacht, denn das eine geht ohne das andere nicht, so Stadtbrandinspektor Steffen Sonnabend. CDU und FWG sind für das Konzept – SPD, die „Wählergruppe für Bad Orb“ (FBO) und die „Bad Orber Interessengemeinschaft“ (BOI) haben das Konzept abgelehnt. Die SPD hat diese Entscheidung gegenüber HIT RADIO FFH damit begründet, dass unklar sei, wie teuer das Ganze am Ende werden würde.

"Da braucht man vielleicht einfach ein bisschen mehr Fantasie"

Die stellvertretende Parteivorsitzende Annemarie Meinhardt sagte im Gespräch mit HIT RADIO FFH, dass die Stadt erst Ende des letzten Jahres aus dem Schutzschirm gekommen sei und sparen müsse. Außerdem könne es nicht angehen, dass die Feuerwehr dauernd neu baut – in den letzten 15 Jahren sei die Feuerwehr komplett neu aufgestellt worden. Dann müsse man eben sehen, auf welche Fahrzeuge man verzichten kann, damit man den Wechsellader mit in die schon vorhandene Halle reinbekommt. Da brauche man vielleicht einfach ein bisschen mehr Fantasie, so Meinhardt.

Außerdem wolle die SPD von der Stadt ein Konzept vorgelegt bekommen, wie das Löschwasser-Problem in den nächsten Jahren nachhaltig gelöst werden soll, nicht nur kurzfristig. Meinhardt findet es auch nicht schlimm, wenn man auf die Hilfe der benachbarten Gemeinden angewiesen sei - "wenn es morgens um 11 Uhr brennt, ist von der Freiwilligen Feuerwehr doch sowieso kaum einer da, weil alle arbeiten. Da muss man doch sowieso auf die Hilfe der Nachbargemeinden bauen", so Meinhardt. 

Beschluss beanstandet

Bürgermeister Roland Weiß hat den Beschluss der letzten Stadtverordnetenversammlung nun beanstandet. Das heißt, das Konzept wird bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung (28. August) wieder vorgelegt – sollte es wieder abgelehnt werden, geht es vor das Verwaltungsgericht.

Feuerwehr Bad Orb ist auf Hilfe aus Nachbargemeinden angewiesen

Bis dahin ist die Feuerwehr Bad Orb darauf angewiesen, Hilfe aus den Nachbargemeinden zu bekommen. In den sozialen Netzwerken und auf ihrer Homepage macht die Feuerwehr mit dem Hashtag #badorbbrennt auf das Problem aufmerksam

Eva-Maria Lauber

Reporter:
Eva-Maria Lauber

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