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Staatskanzleichef Wintermeyer im FFH-Interview

Staatskanzleichef Wintermeyer - "Impfung ist einziger Weg zur Freiheit"

© FFH

"Das waren sehr harte elf Monate, ich bin froh, wenn das im nächsten Jahr irgendwann vorbei ist", sagt der Chef der hessischen Staatskanzlei, Minister Axel Wintermeyer. Er ist der Koordinator der Corona-Politik der Landesregierung. Im FFH-Exklusiv-Interview zieht er eine erste Zwischenbilanz der Corona-Politik und gibt auch einen Ausblick, wie es im nächsten Jahr weitergeht.

"Zum Lockdown gibt es keine Alternative"

Die Corona-Pandemie habe Gesellschaft und Politik vor eine nie gekannte Herausforderung gestellt, so Wintermeyer. Doch auch in der Rückschau seien die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung richtig gewesen. "Zum Lockdown gibt es keine Alternative" sagt der Staatskanzlei-Chef.

Nicht immer alles gerecht

Sicher sei bei den Corona-Verordnungen "nicht immer alles gerecht zugegangen". Aber wenn man sehe, dass rund 80 Prozent der Deutschen die Corona-Politik richtig finde, sei das doch eine "gewisse Stütze". Man habe auch gelernt, werde Schulen und Kitas nicht wieder ganz schließen und Altenheim-Besuche nicht mehr gänzlich verbieten.  

"Jeder einzelne muss seinen Beitrag leisten"

Auf die neue Corona-Welle sei Hessen zwar gut vorbereitet gewesen - man habe mehr Intensiv-Betten und die Impf-Kapazitäten vervielfacht - dennoch habe niemand die Welle so stark vorausgesehen. Nun gelte es, die Zahlen deutlich zu reduzieren, damit Infektionsketten wieder nachverfolgt werden können. Das gelinge nur, "wenn jeder einzelne seinen Beitrag leistet", so der Chef der Staatskanzlei zu FFH. "Kontakte reduzieren, weniger Reisen", das bleibe oberstes Gebot. Wintermeyer wörtlich: "Je mehr Vorsicht, desto weniger Lockdown!"

"Viele Gastronomen kommen über die Runden"

Den vom Lockdown besonders stark betroffenen Branchen wie Gastronomie und Veranstaltungs-Wirtschaft habe der Staat geholfen, betont Wintermeyer. Er kenne Gastronomen, die mit den Staatshilfen, mit Kurzarbeit sowie einem Außer-Haus-Verkauf "ganz gut über die Runden" kämen. Und man solle bedenken: "Wirtschaftliche Ausfälle kann kam bezahlen - Menschenleben nicht"

Mehr Geld für Pflegekräfte - das müssen alle bezahlen

Die Forderung von Pflegekräften nach einer besseren Bezahlung kann Minister Wintermeyer nachvollziehen. Der Beruf müsse attraktiver werden, derzeit seien weltweit keine Pflegekräfte zu bekommen. Allerdings müsse eine bessere Bezahlung von Medizin- und Pflegepersonal eben auch von den Krankenkassen - also letztlich von allen Versicherten - bezahlt werden. 

"Impfstoff kann man nicht im Kuhstall herstellen"

Die derzeit laut werdende Kritik, dass Deutschland zu wenig Impfstoff habe, hält Wintermeyer nicht für gerechtfertigt. Sicher wünsche man sich immer alles noch schneller, aber vom ersten Auftauchen des Virus bis zur ersten Impfung in Hessen seien gerade mal elf Monate vergangen. Impfstoff lasse sich nicht "in einem Kochtopf oder in einem Kuhstall herstellen", so Axel Wintermeyer zu FFH. Dazu brauche man hochsterile Produktionsanlagen. Biontech wolle ja ab März auch in Marburg eine neue Produktionsanlage hochfahren - das mache "Mut und Zuversicht".

Keine erheblichen Lockerungen ab 10. Januar

"Die Impfung ist der einzige Ausweg", sagt der Staatskanzlei-Chef, und weiter: "Wer Freiheit zurück will, muss sich impfen lassen". Die nächsten drei Monate würden aber nochmals eine große Herausforderung, schätzt der Minister. Er rechnet mit einer dritten Welle im Frühjahr. Daher müssten die Infektionszahlen auch jetzt deutlich runter - er könne sich daher auch "nicht vorstellen, dass es zu erheblichen Lockerungen der Corona-Maßnahmen nach dem 10. Januar kommen wird." 

Weihnachts-Essen mit Familie per Video-Konferenz

Er werde sich impfen lassen, aber erst "wenn ich an der Reihe bin", sagt der Staatsminister und Koordinator der hessischen Corona-Politik. Für ihn persönlich sei in der Corona-Pandemie besonders der fehlende Kontakt zu Menschen - beruflich wie privat - besonders belastend. Heiligabend habe er mit seiner Mutter "nur auf dem Hof und mit Distanz" gesprochen. Mit der ganzen Familie habe man dann am ersten Weihnachtstag ein Essen per Video-Konferenz gemacht. "Das will ich nächstes Jahr nicht wieder erleben", sagt Wintermeyer, der sich auch wünscht, "endlich mal wieder in den Urlaub fahren zu können". 

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