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So läuft das Home-Schooling in Hessen

Kreativität, Videocalls & Wlan - So läuft das Home-Schooling in Hessen

In den ersten Wochen des verlängerten Lockdown sind im Schnitt 18 Prozent der Erst- bis Sechstklässer in der Schule präsent gewesen. Über 80 Prozent wurden demnach im Homeschooling unterrichtet. Wie das hessische Kultusministerium in Wiesbaden auf FFH-Anfrage mitteilt sei die Quote in Fulda mit 12 Prozent am niedrigsten in Marburg-Biedenkopf mit 31 Prozent am höchsten.

Kultusminister zufrieden mit der ersten Woche

Kultusminister Alexander Lorz sei damit zufrieden, so das Kultusministerium, der Appell die Kinder in der Corona-Pandemie zuhause zu lassen, sei gehört worden. FFH hat sich in einigen Schulen umgehört, wie die erste Woche im verlängerten Lockdown angelaufen ist. 

Zum Nachhören: FFH-Hörerin aus Wehrheim über ihre Erfahrungen mit Unterricht Zuhause

Daniel Fischer spricht mit FFH-Hörerin Sabine Härtel über Homeschooling

Sabine Härtel aus Wehrheim spricht offen mit Daniel über ihre persönlichen Erfahrungen im Homeschooling – und die Ihrer Tochter, welche die zehnte Klasse besucht.

© HIT RADIO FFH

"Wir haben aus dem 1. Lockdown gelernt"

Hessisches Beispiel: Erich-Kästner Grundschule in Limburg

An der Erich-Kästner Grundschule in Limburg sind derzeit 40 von 300 Kinder im Präsenzunterricht, alle anderen werden zuhause beschult. Schulleiterin Eveline Hannappel sagt unserer FFH-Reporterin, in manchen Klassen säßen derzeit zwei Kinder morgens im Klassenzimmer, in anderen Klassenzimmern säßen auch bis zu zehn Kindern.

Das bedeute für die Lehrer, dass sie morgens präsent in der Schule seien und nachmittags die Kinder im Homeoffice betreu5ten. Weil es sich um Grundschulkinder handele, würde videogechattet, gemailt oder telefoniert.

Manche Kinder werden fast jeden Tag angerufen

Manche Kinder würden fast jeden Tag angerufen, um den Kontakt zu halten. Dabei würden sich die Telefonate der Lehrer mit Kindern oder Eltern bis in den Abend hinziehen. Schulleiterin Hannappel: "Die Lehrer sind sehr kreativ, manche drehen eigene Erklärvideos, um neuen Stoff vorzustellen".

Allerdings bliebe auch viel auf der Strecke: der Sport-, der Kunst oder der Werkunterricht. Aufgaben würden manchmal auch von den Eltern an der Schule geholt, manchen Kindern würden sie sogar nach Hause gebracht.

"Wir haben viel aus dem ersten Lockdown gelernt

Die Schulleiterin: "Wir haben viel gelernt aus dem ersten Lockdown. Aber natürlich wünschen wir uns alle Kinder wieder in die Schule zurück." Auch in dieser Limburger Grundschule ist es problematisch, dass es kein Wlan in den Klassenzimmern gibt. Deswegen ist es nicht möglich, Unterricht zu den Kindern zu übertragen.

Froh ist die Schulleiterin allerdings, dass der Landkreis mit angeschafften ipads Kinder helfe, deren technische Ausstattung nicht ausreiche. 

Zum Nachhören: Schulleiterin Eveline Hannappel im FFH-Gespräch

Schulleiterin Eveline Hannappel über Herausforderungen für Lehrer

"Die Lehrer geben sich viel Mühe, das klappt ganz gut."

Schulleiterin Eveline Hannappel über Video-Unterricht

"Wir telefonieren, mailen und videochatten"

Schulleiterin Eveline Hannappel über Hausaufgaben

"Manche Eltern holen die Hausaufgaben an der Schule ab"

Schulleiterin Eveline Hannappel über Sport-, Kunst- und Werkunterrich

"Sport-, Kunst- und Werkunterricht bleiben auf der Strecke"

Die Situation in Südhessen

Darmstadt: Auslastung schwankt stark 

In den Darmstädter Schulen ist die Situation nach Einschätzung des Schuldezernats nach der Wiederaufnahme des Schulbetriebs vergleichsweise ruhig. In den Jahrgängen 1 bis 6 liege die Präsenzquote derzeit bei rund 20 Prozent und damit etwas höher als vor Weihnachten, als in den Schulen etwa 17 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den betreffenden Klassenstufen anwesend waren.

Allerdings schwanke die Auslastung stark zwischen den einzelnen Schulen und liegt zwischen 2 und 25 Prozent. In den städtischen Kitas sind Stand 13. Januar 37 Prozent der Kinder anwesend. Das Kinder- und Jugenddezernat bewertet dies positiv.

Kreis Groß-Gerau: Schulen sind sehr engagiert

Für den Kreis Groß-Gerau allein sind ca. 22% der Schülerinnen und Schüler in den Jahrgängen 1-6 in der Schule präsent, so das Schulamtsleiterin Birgitta Hedde zu FFH. Dabei sei an den weiterführenden Schulen und den Förderschulen eine deutlich niedrigere Präsenz zu verzeichnen als an den Grundschulen. Es zeige sich, dass die Schulen sehr engagiert an die Aufgabe der Distanzbeschulung herangegangen sind und gut vorbereitet waren. Deshalb berichtet dass Schulamt auch von vielen positiven Eltern-Rückmeldungen.

Schwierig gestaltet sich vereinzelt zum einen, dass einige Eltern fälschlicherweise mit der Erwartung an Distanzunterricht herangehen, dass dieser digital sein müsse. Das führe zu Diskussionen. Die Lehrkräfte sind aber vermutlich ebenso frustriert, da sie sich teilweise in den Ferien viel Mühe mit der liebevollen Vorbereitung von (analogen) Unterrichtsmaterialien gemacht haben, was aber von beschwerdeführender Elternseite nicht gesehen und gewertschätzt wird.

Kreis Darmstadt-Dieburg sieht Spagat zwischen Präsenz- und Distanzunterricht

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg waren inach Auskunft des Schulamtes in den ersten drei Tagen nach den Winterferien rund 17 Prozent der Schülerinnen und Schüler in der Schule.

„Es gibt Ausschläge nach unten und nach oben. Meist sind rund zehn bis 28 Prozent der Kinder in der Schule“, erläutert der Leiter des Staatlichen Schulamtes für die Wissenschaftsstadt Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg Ralph von Kymmel. „Der Spagat zwischen Distanz- und Präsenzunterricht funktioniert, wenngleich es für alle – Lehrkräfte und Schüler – herausfordernd ist. Die Schulen machen das sehr gut.“

Daniel Fischer im Homeschool-Test

Wieviel weiß Daniel noch aus seiner Schulzeit? Wir haben ihn getestet. Die Antwort; Nicht besonders viel...

Die Situation in Nordhessen

Nordhessen: Für ältere Kinder läuft das Homeschooling ganz gut

An der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel waren von 1100 Schülern alleine der Abiturjahrgang mit 111 Schülern in Präsenz. Aus den Jahrgangsstufen 5 und 6 meldeten sich lediglich 6 Kinder zur Betreuung. Alle anderen wurden im Homeschooling unterrichtet. Probleme, so Schulleiter Markus Crede, habe es  am Montag und Dienstag massiv mit der genutzten Lernplattform "Schulcloud", die sei "komplett in die Knie" gegangen. Seit Mittwoch funktioniert sie ohne Probleme.

Grundsätzlich laufe die Orga und das Home Schooling gut, da das Gymnasium wie alle Schulen aus dem 1. Lockdown gelernt habe. So würden Aufgaben jetzt nicht mehr im paket verschickt sondern es gäbe eine normale Stundenplan-Struktur. Alle Kinder müsste morgens gegen 8 Uhr am Rechner sitzen und sich einwählen. 

Die Situation in Rhein-Main

Frankfurt: Kaum "Präsenzschüler am Gymnasium Nord"

Am Gymnasium Nord in Frankfurt nehmen laut Schulleiter lediglich 10-15 Schüler von 315 am Präsenzunterricht teil. Was den Schulleiter freut: Die Lehrer bekämen „ganz hohe Anerkennung“, das Feedback der Kinder an die Lehrer: „ungeheure Dankbarkeit“.

Auch hier berichtet die Schule aber von anfänglichen Problemen mit dem Schulportal des Landes Hessen, zudem nicht alle Kinder über die gleiche technische Ausstattung verfügten. Außerdem verfüge die Schule über kein Wlan, die Lehrer müssten auf eigene Ressourcen zurückgreifen. Auch hier gebe es einen Stundenplan, der Tag beginne gemeinsam um 8.30 Uhr mit einer Videokonferenz. 

IGS Geschwister-Scholl-Schule in Offenbach

Hier nehmen lauf Schule ungefähr 15-20 Schüler von 220 nehmen am Präsenzunterricht teil, es seien immer die selben. Allerdings sei die Kommunikation des Landes nicht gut, da viele ausländische Eltern die offiziellen Briefe nicht richtig verstünden. Deshalb gäbe es viele Anrufe im Schulsekretariat.

Leider fehle es bei der Technik weiter an allen Ecken und Enden, das Schulportal funktioniert immer noch nicht so wie erwartet, „über 40 Prozent“ der Kinder hätten Nachteile wegen der technischen Ausstattung. Den Kindern fehle der persönliche Kontakt zu Mitschülern und Lehrern allerdings sehr. 

Grundschule Gartenstadtschule in Rodgau (Nieder-Roden)

Ungefähr 50 von 320 Schülern nähmen Präsenzunterricht-Angebote wahr. Dabei kämen den Lehrern viele Betreuungsaufgaben zu, zum Beispiel die Kinder mit Arbeitsmaterial zu versorgen. Es mangele aber an technischer Ausstattung, so gebe es kein Wlan in der Schule. An der Computer gebe es auch keine Kameras oder Lautsprecher. Zum Glück habe die Schule jetzt Tablets vom Landkreis Offenbach 

„Kinder versorgt mit genügend Arbeitsmaterial“ (klassische Papier-Arbeitsblätter); Mangelt an technischer Ausstattung, kein Wlan in der Schule: Keine Kameras, Lautsprecher an den vorhandenen Schul-PC‘s, Haben jetzt Tablets vom Kreis Offenbach bekommen, Ab nächste Woche: Homeschooling komplett über Microsoft Teams und Tablets, Eltern wünschen sich mehr Digitalisierung, Schulleiterin wünscht sich mehr Unterstützung im Bereich Digitalisierung

FFH-Reporterin Anne Schmidt an der Erich-Kästner-Schule in Limburg

Anne Schmidt

Reporterin
Anne Schmidt

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