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Raus aus dem Corona-Loch mit Michael Thiel

Psychologe Michael Thiel hilft - Raus aus dem Corona-Loch - die Tipps

Das Spezial: Silvia am Sonntag

Ganz viele tolle Tipps gab es am Sonntag in der FFH-Talkshow Silvia am Sonntag. Von 9 bis 12 Uhr war unser Psychologe Michael Thiel zu Gast bei Silvia Stenger und sprach mit ihr über die Herausforderungen der Pandemie für unsere Psyche.

Silvia am Sonntag - der Podcast. Nochmal hören...

Raus aus dem Corona-Loch!

Ein Jahr Pandemie und das Ende noch nicht wirklich in Sicht. Schluss mit dem Frust! Den Hessen soll es besser gehen, sie sollen "raus aus dem Corona-Loch!"

Der Kopf wird immer müder. Zuhause kracht es mit dem Partner; den Kindern. Auf der Arbeit sind wir gereizt. Die Perspektivlosigkeit macht traurig. Dagegen wollen wir was tun und haben uns um professionelle Hilfe gekümmert.

Der bekannte Psychologe Michael Thiel hat uns letzte Woche geholfen, aus den negativen Corona-Vibes herauszukommen. Von ihm gab es die ganze Woche im Programm von FFH - und hier auf der Seite -  konkrete Tipps für bessere Laune.

Michael Thiel sagt uns, was wir in konkreten Streitsituationen mit den Kindern oder dem Partner besser machen können und welche Übungen und Verhaltensweisen uns glücklicher machen.

Tipps für mich selbst

Die Hoffnung ist aufgebraucht: Was kann ich tun für ein gutes Gefühl? 

Michael Thiel hat einen Murmel-Tipp parat, der hilft, die Gedanken wieder in eine positive Richtung zu leiten. Er sagt: "Ein ganz praktischer Tipp ist es, fünf Erbsen oder Murmeln zu nehmen und sie in die linke Hosentasche zu stecken. Jedes Mal, wenn Sie etwas Schönes erleben, wandert eine Murmel oder Erbse in die rechte Hosentasche, so dass am Ende des Tages die linke Hosentasche leer und die rechte voll ist. So haben Sie ganz einfach Ihr Gehirn in eine positive Richtung kalibriert."

Ich bin so angespannt wie nie. Wie kann ich mich entspannen?

"Der ganze Corona-Mist setzt uns unter Stress und Angst. Es gibt aber Methoden, zu entspannen. Ziehen Sie sich an einen ruhigen Ort zurück und konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung", rät Psychologe Michael Thiel. "Zählen Sie beim Einatmen eins und beim Ausatmen zwei, beim Einatmen drei, beim Ausatmen vier und so weiter in Ihrem Rhythmus, bis Sie bei zehn angekommen sind. Gedanklich bleiben Sie in der Zeit nur bei Ihren Atemzügen. Vielleicht bedarf es etwas Übung, aber Sie werden schnell merken, wie Sie runterkommen."

Warum esse ich plötzlich so viel und wie kann mich zügeln?

Psychologe Michael Thiel kennt das Phänomen "emotionales Essen". Er selbst gehöre auch dazu, erzählt er uns. Er rät: "Unterscheiden Sie zwischen körperlichem und emotionalem Hunger. Wenn der Magen nicht knurrt und Sie trotzdem Lust haben zu essen, dann lenken Sie sich ab: Gehen Sie vor die Tür, trinken Sie einen Schluck Wasser. Und natürlich gilt: Alles, was beim Einkaufen nicht im Wagen landet, kann später daheim auch nicht gegessen werden. Verzichten Sie also beim nächsten Einkauf auf Süßigkeiten und Co."

Extra-Tipp vom Psychologen: Eigenlob ist super

Gerade jetzt sollten wir weniger selbstkritisch sein und uns unbedingt selbst loben, sagt Psychologe Michael Thiel: "Schärfen Sie Ihre Wahrnehmung für Dinge, die Ihnen gut gelungen sind. Eigenlob stinkt hier nämlich nicht, sondern ist gerade jetzt auch mal angebracht. Sagen Sie sich ruhig: 'Mensch, der Kuchen ist mir richtig gut gelungen!', oder 'Das Regal habe ich super an die Wand angebracht!' Nehmen Sie sich die Zeit und klopfen Sie sich auf die Schulter. Mit diesem zufriedenen Gefühl gehen Sie durch die Welt."

Extra-Tipp vom Psychologen: Nachrichtenkontrolle

Klar, gerade in den sozialen Netzwerken sollte man lieber einen Doppel-Check machen, ob man nicht gerade auf eine Fake News reinfällt. Aber das meint Psychologe Michael Thiel gar nicht mit Nachrichtenkontrolle: "Viele Menschen schauen jetzt ständig Nachrichten oder lesen die Nachrichten. Wichtig ist: Nachrichtenkontrolle. Meine Frau und ich schauen morgens auch die Nachrichten und reden darüber, aber dann ist Schluss. Und vor allem bitte nicht abends vorm Zubettgehen nochmal die Nachrichten schauen, das stört nur Ihren Schlaf und macht Corona nicht besser."

Was tun gegen Perspektivlosigkeit?

Wie kann ich jetzt effektiv entspannen?

Wie verhindere ich emotionales Essen?

Experten-Tipp: Nachrichtenkontrolle

Tipps für Familie und Kinder

Wie bringe ich mein Kind wieder zum Lachen? 

Kinder und Teenager vermissen ihre Freunde sehr und Erwachsene können die gleichaltrigen Freunde natürlich nicht ersetzen. Deshalb sagt Psychologe Michael Thiel: "Um die Freunde sehen zu können, wird jetzt WhatsApp, FaceTime, Skype und Co. genutzt und das ist auch wichtig. Ich persönlich würde auch die Möglichkeit des Selbsttests nutzen, damit das Kind zumindest ein weiteres Kind zum Toben oder Spielen treffen kann. Und eine Bitte: Kinder schauen ganz genau, wie wir Erwachsenen auf Situationen reagieren. Wenn Sie selbst also Angst haben und panisch sind, dann übertragen Sie das auch auf Ihr Kind. Gehen Sie also positiv mit gutem Beispiel voran.

Meine Frau Annika und ich haben für Kids in Corona-Zeiten die Ratte Manfred zum Leben erweckt. Manfred gibt Kindern Tipps zu Corona und erzählt übers Leben. Stofftiere wie Manfred sind bedingungslos lieb, sind kleiner als die Kinder und sind immer da. Sie geben den Kindern Sicherheit und sind immer auf der Seite der Kinder. Deshalb nehmen Kids Dinge von einem Stofftier einfacher an, als von Erwachsenen."

Mein Kind hat Fragen zu Corona: Wie offen muss ich sein?

"Es gilt: Das, was ich zu meinem Kind sage, muss stimmen", sagt Michael Thiel. "Ich darf also niemals - unabhängig von Corona - mein Kind anlügen. Aber ich sage nur so viel, wie das Kind wissen will und ich sage es altersgerecht. Unterm Strich muss dem Kind immer klar sein: Ich oder wir sind für dich da und wir tun alles, damit wir heil durch Corona kommen. Das Kind muss das Gefühl haben, dass in seiner Familie alles sicher ist."

Mein Kind hat Angst, dass Oma und Opa sterben. Wie gehe ich damit um? 

"Natürlich bekommen Kinder über die Medien mit, dass Corona auch tödlich sein kann", erklärt Michael Thiel. "Ich würde mit den Kindern offen kommunizieren und ihnen erklären, dass genau das der Grund ist, warum wir Oma und Opa gerade nicht sehen können oder sie nur über FaceTime oder Skype sehen, weil wir sie schützen wollen. Wenn die Großeltern schon geimpft wurden, kann man auch das dem Kind erzählen, um es zu beruhigen. Außerdem darf das Kind ruhig wissen, dass es auch eine Zeit nach Corona geben wird, in der es die Großeltern wie davor wieder sehen darf."

Mein Kind verspürt im Homeschooling Druck. Wie kann ich ihm den Druck nehmen?

Die neue Situation ist für Eltern und Kinder ungewohnt. Jetzt gilt es, einen gesunden Mittelweg zu finden und das Kind nicht zu überanstrengen, sagt der Experte: "Homeschooling bedeutet nicht, dass mein Kind jetzt stundenlang vorm Rechner sitzt und eine Aufgabe nach der anderen erledigt. Sondern genau wie in der Schule gibt’s nach einer halben oder dreiviertel Stunde eine Pause. Wenn Sie als Eltern das Gefühl haben, dass die Lehrer den Kindern zu viel zumuten, dann mischen Sie sich bitte ein und reden mit den Lehrern oder den anderen Eltern."

Wie offen soll ich zu meinem Kind sein?

Mein Kind hat Angst, dass Oma & Opa sterben. Was kann ich tun?

Was tun, wenn das Kind im Homeschooling Druck verspürt?

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Tipps zu Partnerschaft und Liebe

Mein Partner und ich streiten und nur noch - meist wegen nichts. Was können wir tun?

"Was Sie haben ist Dichte-Stress", erklärt Michael Thiel. "Wenn man zu sehr aufeinander hockt, dann geht die Privatsphäre flöten und man geht wegen nichts an die Decke. Seien Sie sich dessen bewusst. Bei einem Streit erinnern Sie sich also: Es geht jetzt nicht um dich oder mich als Person, sondern der Streit ist der Situation geschuldet. Machen Sie es wie bei einem Boxkampf: Wenn es unfair wird, schiebt der Ringrichter beide Boxer auseinander und so machen Sie es bitte auch rechtzeitig - verlassen Sie den Raum.

Es gibt ein psychologisches Modell zum fairen Streiten, das sogenannte BANK-Modell. Das B steht für "Beschreiben Sie das, was Sie an Ihrem Partner stört". A steht für "die Auswirkung dieses Verhaltens", N steht für "nennen Sie Veränderungswünsche" und K steht für "Konsequenz". Und wenn Sie Ihr Partner komisch anguckt, dann sagen Sie: 'Das habe ich vom Psychologen gelernt.'"

Wir haben uns nichts mehr zu sagen. Was können wir tun?

Während des Lockdowns werden Beziehungen auf die Probe gestellt. Und oft gehen Paaren die Gesprächsthemen aus. Das muss aber nicht sein, findet Psychologe Michael Thiel: "Konzentrieren Sie sich doch mal auf die kleinen Dinge: Auf Ihre Hobbies oder wenn Sie im Internet und ein neues Gericht entdecken, das sie gerne mal kochen wollen, oder sie gehen mit offenen Augen durch die Natur und erleben den Frühling. Berichten Sie bewusst über die Kleinigkeiten, die Sie jeden Tag erleben und die Sie mit Ihrem Partner teilen können."

Problem: Zu viel Nähe in der Partnerschaft

Faires Streiten mit dem BANK-Modell

Worüber mit dem Partner reden?

Tipps für Arbeit und Homeoffice

Wie motiviere ich mich noch im Homeoffice?

Am Anfang war's toll, doch jetzt ist die Luft im Homeoffice raus. Was man gegen den Homeoffice-Blues tun kann, weiß Psychologe Michael Thiel: "Wichtig ist es auch hier, dass man sich eine Struktur schafft. Wenn man an der Arbeit beispielsweise um 10 Uhr eine Frühstückspause macht, sollte man die auch im Homeoffice ganz bewusst machen und nach Möglichkeit auch virtuell mit den Kollegen quatschen. Und machen Sie sich immer bewusst: Auch im Homeoffice ist mal Feierabend. Die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem dürfen nicht verschwimmen. Achten Sie auf die Uhr und halten Sie sich auch an Ihre Arbeitszeit."

Angst vor Ansteckung am Arbeitsplatz. Was kann ich tun?

"Die Angst ist ja nicht unbegründet", sagt Michael Thiel. "Wir alle können potenziell Überträger sein oder den Virus selbst bekommen. Informieren Sie sich nochmal explizit über die Hygienemaßnahmen in Ihrem Betrieb und vergewissern Sie sich, dass diese eingehalten werden. Das kann Ihnen schon ein besseres Gefühl geben. Es mag sich merkwürdig anhören, aber das Leben ist auch ohne Corona nicht immer ungefährlich. Jetzt ist es natürlich noch gefährlicher, aber mit einem Restrisiko werden wir auch nach Corona leben müssen."

Wie lasse ich mich in meinem Job im Einzelhandel nicht runterziehen?

"Zunächst mal: Herzlichen Glückwunsch, dass Sie jetzt noch gut drauf sind. Versuchen Sie, mit den Kollegen mehr Kontakt zu haben, die auch noch gute Laune haben. Die Kunden können Sie sich natürlich nicht aussuchen aber auch hier ist es oft so: Wenn Sie gut drauf sind und gute Laune haben, dann springt das auch auf den Kunden über", rät Michael Thiel. 

Motivation im Homeoffice finden

Was tun gegen Angst vor Ansteckung am Arbeitsplatz?

Wie lasse ich mich im Job nicht runterziehen?

Freundschaft und Freizeit

Mir fehlt das lockere Zusammensein: Wie kann ich wieder unbeschwert lachen?

Michael Thiel sagt: "Lachen ist psychologisch und medizinisch das Anti-Stress- und Gesundheitsmittel schlechthin. Beim Lachen werden so viele Glückshormone ausgestoßen, die wie ein Antidepressivum wirken und nebenbei werden hunderte Muskeln beim Lachen angespannt und später entspannt. Durch Zoom & Co. ist es technisch ja zum Glück möglich, dass man sich trotzdem sieht und miteinander lachen kann."

Ich werde immer fauler. Wie kriege ich meinen Hintern wieder hoch?

Das Zauberwort lautet "Tagesstruktur", sagt Psychologe Michael Thiel, denn "ohne Druck von außen, kann man sich durch eine Struktur selbst Druck aufbauen. Wer nicht spazieren mag, der nimmt halt mal das Rad oder fährt mit dem Auto wohin. Mal andere Wege gehen oder sich im Internet Tipps holen, was draußen noch so möglich ist. Wenn wir jeden Tag nur Erbsensuppe essen würden, würde uns das irgendwann auch zum Hals raushängen. Deshalb: Auch im Alltag eine Varianz reinbringen. Entdecken Sie neue Aktivitäten und Hobbies und verlassen Sie mal Ihre Komfortzone. So haben Sie dann auch wieder etwas zu erzählen, wenn Ihnen in den Gesprächen mit Ihrem Partner die Themen ausgehen."

Wie kann ich wieder unbeschwert lachen?

Wieder mehr Schwung kriegen

Psychologe Michael Thiel

Lifesupport - das bedeutet Lebenshilfe. Und genauso sieht Michael Thiel seine Arbeit als Psychologe. Er versucht, ratsuchenden Menschen in schwierigen Lebenssituationen kompetent und umsetzbar Hilfestellung zu geben.

Seit über 20 Jahren arbeitet Michael Thiel in der täglichen Praxis als Diplom-Psychologe mit Einzelpersonen, Paaren und Familien. Er begleitet Persönlichkeiten aus der Medienwelt und coacht Mitarbeiter und Manager verschiedenster Firmen. Ausserdem arbeitet er seit mehr als zwei Jahrzehnten als Moderator und psychologischer Experte für Presse, Funk und Fernsehen.

Weitere Beratungsstellen und Seelsorge

Wer sich nicht direkt einen Psychotherapeuten suchen will oder wer einen gefunden hat, der allerdings erst in einigen Wochen Zeit hat: Die evangelische Kirche hat psychologische Beratungsstellen in Hanau, Marburg, Kassel, Schmalkalden, Bad Hersfeld und Rotenburg, wo euch auch in Beziehungs-, Erziehungs- und Lebensfragen geholfen wird. Hier findet ihr den jeweilgen Kontakt

Speziell für Pfleger, Mediziner und Rettungskräfte gibt's ein Entlastungstelefon, für Jugendliche gibt's eine spezielle Jugendseelsorge, bei der sie mit jungen Menschen über ihre Sorgen und Ängste sprechen können. Und über eine gesicherte Kommunikationsplattform können "Pfarrer im Netz" angeschrieben werden, die ganz unterschiedliche Themenschwerpunkte haben und weiterhelfen können. Hier geht's zur Übersicht

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