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So entsteht ein Ohrwurm und so werdet ihr ihn los

Kaugummi & Konzentration - So werdet ihr einen Ohrwurm wieder los

Entweder man hat Glück und der eigene Lieblingssong läuft als Ohrwurm in Dauerschleife im Kopf oder man hat Pech und ein verhasstes Lied raubt einem den letzten Nerv. 

Für manche ist er unfassbar nervig, für andere auch ganz angenehm: Der Ohrwurm. Doch wie entsteht er, hat er einen Zweck und wie werdet ihr in wieder los? Der Musikwissenschaftler Jan Hemming liefert in FFH Guten Morgen, Hessen die passenden Antworten.

Ya-Ya-Ya Coco Jambo Ya-Ya-Yeah Diese kurze Textpassage sollte eigentlich ausreichen, um jedes Kind der 90er in seine Jugend zurückzuversetzen und Köpfe im Takt nicken zu lassen. Merkt ihr schon, wie die Melodie langsam in euer Ohr kriecht und sich dort einnistet? Wenn ja, ist eure Diagnose klar: Klassischer Fall von Ohrwurm. Metaphorisch ist der nämlich genau so zu seinem Namen gekommen, erklärt der Musikwissenschaftler Jan Hemming im FFH-Interview Julia Nestle und Daniel Fischer. Wie ein Wurm geht das Lied in euren Gehörgang und oftmals ist es auch gar nicht so leicht, es da wieder raus zu bekommen.

Warum heißt der Ohrwurm so?

Musikwissenschaftler Jan Hemming im FFH-Interview.

Emotional geladene Songs haben das Potenzial zum Ohrwurm

Aber wie kommt es überhaupt zu einem Ohrwurm? Darauf weiß Hemming die Antwort. Ganz nüchtern betrachtet sei ein Ohrwurm nur ein Abruf einer Erinnerung aus dem Langzeitgedächtnis. Darin werden Songs, Melodien und Texte besonders gut abgespeichert, wenn diese mit  Emotionen verbunden sind. Das können positive sein, wenn ihr einen Song besonders toll findet, oder auch negative, wenn euch ein Song unfassbar auf die Nerven geht. Dann gilt: Je mehr ihr euch über diesen aufregt, umso besser wird er in eurem Gedächtnis abgespeichert.

Hemming vergleicht das mit Fußball: „Auch an ein verlorenes Spiel erinnert man sich besonders intensiv, weil emotional-geladene Erinnerungen besonders gut gespeichert werden.“ Allerdings: Was den ohrwurm angeht, überwiegen bei uns Menschen die positiven Gefühle. Laut einer Umfrage würden tatsächlich gut zwei Drittel der befragten Menschen Ohrwümer als angenehm wahrnehmen, erzählt Hemming. 

Konzentration und Kaugummi hilft

Emotional geladene Erinnerungen werden vor allem dann abgerufen, wenn das Gehirn im Leerlauf ist. Wenn ihr also etwas macht, bei dem ihr euch nicht besonders konzentrieren müsst, zum Beispiel Geschirr abwaschen, aufräumen oder warten. Dadurch sei es wiederrum ganz leicht, den Ohrwurm wieder loszuwerden, erklärt der Musikwissenschaftler. „Mein Tipp ist, sich einer konzentrierten Tätigkeit zuzuwenden, auch einer unangenehmen, so wie Hausaugaben oder Steuererklärung.“ Hemmings englische Kollegen hätten aber auch noch mehr Wege gefunden, einen Ohrwurm zu bekämpfen. Es soll helfen, sich das Lied einmal komplett am Stück anzuhören. Zusätzlich soll Kaugummi-Kauen eine Lösung sein, denn dadurch werde das innere Mitsingen unterdrückt, erklärt der Fachmann.

Was hilft gegen einen Ohrwurm?

Musikwissenschaftler Jan Hemming im FFH-Interview.

Zeichen für musikalische Empfänglichkeit

Aber hat ein Ohrwurm eigentlich irgendeinen besonderen Zweck? Das sei immer noch eine unbeantwortete Frage, meint Hemming, eine direkte Antwort gebe es nicht, nur eine indirekte: „Der Ohrwurm ist ein Zeichen für unsere musikalische Empfänglichkeit.“ Menschen, die also häufiger Ohrwürmer haben, scheinen die zu sein, denen Musik besonders viel bedeutet.

Und dabei komme es gar nicht auf die Musik an sich oder deren Eigenschaften an. Wichtig sei, dass man selbst etwas mit der Musik anfangen könne, im positiven oder negativen Sinne. Erst dann hat Musik das Potenzial zum Ohrwurm.

Keine Formel für einen Ohrwurm

Künstler können also gar nicht im Vornherein planen, ob sie einen Ohrwurm schreiben oder nicht. Es gebe keine Formel für einen Ohrwurm, die Musik hat zu viele Eigenschaften und Ebenen, um das zu bestimmen.

Bestimme Künstler hätten jedoch ein spezielles Händchen dafür, einen Ohrwurm oder gleich mehrere zu schreiben. Milky Chance, die Beatles oder eben auch Mr. President mit „Coco Jambo“. Von daher: ab in die Sonne, zurücklehnen, mit dem Kopf nicken und Ya-Ya-Ya Coco Jambo Ya-Ya-Yeah.

Hat der Ohrwurm einen Zweck?

Musikwissenschaftler Jan Hemming im FFH-Interview.

Und für alle die noch keinen Ohrwurm haben... hier ist Coco Jambo direkt zum Nachhören

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