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Hochwasser: Die Leute sind wahnsinnig erschöpft

Anwohnerin Anne aus Ahrweiler - "Die Leute sind wahnsinnig erschöpft"

Die Menschen im rheinland-pfälzischen Ahrweiler sind von der Hochwasserkatastrophe schwer getroffen. Die Aufräumarbeiten sind zwar in vollem Gange, wann wieder so etwas wie Normalität in den Alltag Einzug halten kann, kann derzeit niemand absehen. In FFH Guten Morgen, Hessen haben Julia Nestle und Johannes Scherer mit einer ehemaligen FFH-Kollegin gesprochen: Anne Theiss lebt mit ihrem Mann und Kindern in Ahrweiler und erzählt von Hoffnung und Erschöpfung. 

"Wasser geht wieder, Strom geht wieder. Auch Wasser fließt wieder durch die Leitungen. Das darf man jedoch nicht benutzen und schon gar nicht trinken, da es kontaminiert ist. Auch nicht abgekocht", erzählt Anne ihren Ex-Kollegen Julia Nestle und Johannes Scherer. 

Einkaufen ist kaum möglich

Auch sonst sei die Infrastruktur noch sehr eingeschränkt. Zwei Supermärkte im Raum Ahrweiler gibt es derzeit, welche für Kunden in Betrieb sind. Diese sind jedoch recht weit entfernt, da sich diese auf der anderen Flußseite befinden. 

Mit PKW ist die Anfahrt kaum möglich, da die freigeräumten Straßen und vor allen Dingen Brücken derzeit zur Müll- und Schrottentsorgung genutzt werden. Wer zum Einkaufen fährt, "steht im Stau", erzählt Anne. Für einen Einkauf mit dem Fahrrad seien die Supermärkte zu weit entfernt. 

THW richtet Mini-Fähre ein

Auch ein Wechsel der Uferseiten an der Ahr ist komplex. Das THW in Bad Nuenahr versucht dort derzeit eine Behelfsbrücke zu installieren, um den Verkehr in der Region zu entlasten. Diese soll auch für Schwertransporte nutzbar sowie zweispurig befahrbar sein.

"Total süß! Das THW hat außerdem eine Mini-Fähre für Personen eingerichtet. Auf dieses Bötchen passen sechs Leute. Dadurch muss man nicht mehr so große Umwege fahren". Annes Stimme klingt müde, aber auch hoffnungsvoll.

Keine Zeit für negative Gedanken

Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) errichten eine Behelfsbrücke für die Ahr, die schon in wenigen Tagen eine Brücke, die an gleicher Stelle vom Hochwasser total zerstört wurde, ersetzen soll.

Bei den Menschen sei nun eine wahnsinnige Erschöpfung zu spüren, erzählt die Ex-FFH-Mitarbeiterin weiter. In vielen Fällen seien Nachbarn seit knapp 12 Tagen bis zu 12 Stunden mit dem Beseitigen von Schlamm beschäftigt und Keller freizupumpen: "Es bleibt nicht viel Zeit darüber nachzudenken, wie es danach weiter geht. Solche Gedanken kommen später. Jetzt funktioniert man einfach", konstatiert die Ahrweilerin.

Schrottplünderer und Querdenker

Zu den körperlichen Herausforderungen gesellen sich in Ahrweiler, aber auch an anderen betroffenen Orten, zudem menschliche: "Es ist ein Riesenthema. Während Betroffene mit anderen Dingen beschäftigt sind, wird einfach deren Hab und Gut eingeladen. "Fahrräder sind für viele das letzte Beförderungsmittel", laut Anne kann man ein solches keine fünf Minuten aus den Augen lassen, weil man Angst haben muss, dass das Fahrrad geklaut wird.

Rechtspopulisten beziehen Grundschule

Die Grundschule in Ahrweiler soll zudem von Querdenkern und Neonazis besetzt gewesen sein. Sogar führende Rechtspopulisten sollen dort Haupquartier bezogen haben: "Es wurden in Social Media massive Unwahrheiten verbreitet, dass keine Rettungskräfte vor Ort wären, den Menschen würde nicht geholfen und ihre Gruppierungen wären die einzigen, die helfen würden", erzählt eine hörbar schockierte Anne, "sogar mit alten Polizeifahrzeugen fahren sie Streife und verbreiten gezielt Desinformationen über Megafone". 

Die vielen Menschen geben jedoch Hoffnung

Für Anne Theiss hat die Situation aber auch einen Aspekt, der zumindest ein wenig Hoffnung schenkt: "Die Leute packen mit an. An jeder Ecke greift einem eine fremde Person unter die Arme. Der ganze Ort duzt sich mittlerweile. Wir sind zu einer riesigen Gemeinschaft zusammengewachsen, die das Ahrtal wieder aufbauen möchten."

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