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Nach Autoattacke: XY-Preis für Frau aus Volkmarsen

Nach Autoattacke in Volkmarsen - Lea-Sophie Schlömer (18) erhält XY-Preis

© ZDF/Svea Pietschmann

Große Ehre für Lea-Sophie Schlömer aus Volkmarsen. Sie bekam von Bundesinnenminister Horst Seehofer (rechts) und Moderator Rudi Cerne den XY-Preis überreicht.

Sie hat in einer Horror-Situation einen kühlen Kopf bewahrt - und womöglich Schlimmeres verhindert: Lea-Sophie Schlömer aus Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) hat bei der Auto-Attacke auf den Rosenmontagsumzug den Amok-Fahrer aufgehalten. Für ihren couragierten Einsatz hat die heute 18-Jährige den XY-Preis erhalten. Am Mittwochabend tritt sie in der Live-Sendung von "Aktenzeichen XY  ungelöst" mit Rudi Cerne auf. FFH konnte im Vorfeld mit ihr sprechen.

Lea-Sophie Schlömer ist damals 16 Jahre alt, als das Auto im Februar 2020 in die Menschenmenge fährt. Sie lief beim Umzug mit, mit ihrem Reitverein. Als es zum Unvorstellbaren kommt, denkt sie: "Ich muss den Autoschlüssel ziehen, bevor der Fahrer weiteren Schaden anrichten kann." Also reißt sie die Beifahrertür auf, liefert sich ein Handgemenge mit dem Mann. Schließlich kommen andere Zeugen zur Hilfe. Danach kümmert sich Lea-Sophie Schlömer noch um Verletzte, verteilt Verbandsmaterial und Getränke, gibt Kindern die beiden Jacken ab, die sie trägt. Heute sagt sie: "Ich würde es wieder so machen."


Das sagt die Jury: „Für ihr ungeheuer mutiges Einschreiten in einer äußerst bedrohlichen Extremsituation zollt die Jury Lea-Sophie Schlömer ihre allerhöchste Anerkennung. Dafür und für ihr umsichtiges und für-sorgliches Verhalten den Opfern gegenüber gebührt ihr der „xy-Preis – Gemeinsam gegen das Verbrechen“." Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Preis wurde in diesem Jahr zum 20. Mal vergeben. Neben Lea-Sophie Schlömer erhielten die Auszeichnung Ahmad Al Sheikh Hussein Kames (damals 28) aus Bonn - er rettete einem 22-Jährigen bei einem Messerangriff das Leben, sowie Dennis Hennig (damals 34) aus Soest - rettete einer Frau das Leben, die von ihrem Expartner schwer verletzt und mit Benzin übergossen wurde. Schirmherr des Preises ist Bundesinnenminister Horst Seehofer.


"Viele Leute haben noch damit zu kämpfen - ich auch"

Lea-Sophie Schlömer wollte den Preis zunächst gar nicht annehmen - schließlich hätten so viele andere Menschen auch geholfen, Zivilcourage gezeigt. "Aber als ich erfahren habe, wie viele unterschiedliche Menschen mich nominiert haben - Familien, Organisationen - war mir klar, dass ich ihn annehmen werde", sagt die 18-Jährige im FFH-Interview. Sie möchte, dass die Attacke und die Folgen nicht in Vergessenheit geraten: "Es ist wichtig zu sagen, dass es viele Leute gibt, die noch immer damit zu kämpfen haben - ich auch." Schlafstörungen, Ängste im Straßenverkehr - das quält sie heute noch.

Schlömer: "Wollte Preis zunächst gar nicht annehmen"

Am Anfang wollte ich den Preis gar nicht annehmen. Es fiel mir schwer, überhaupt das zu akzeptieren, sage ich mal Aber. Ich hab dann halt gehört, wie viele unterschiedliche Leute Michi nominiert haben. Teilweise auch Familien oder halt auch um größere Organisationen, die mich nominiert haben. Deswegen war es für mich dann halt na klar, dass ich ihn annehmen werde. Wenn es halt das Drumherum stimmt und ich mich wohlfühle mit den Medien ja auch nicht so gute Erfahrungen gemacht habe. Ich bin froh, den Preis gewonnen zu haben. Ich bin froh, der Sache noch mal n bisschen Bühne zu geben. Weil da gehen die Meinungen auseinander. Aber ich gehöre zu der Fraktion, die halt sachtes sollte nicht vergessen werden. Es gibt ganz klar auch Menschen, die dabei waren, die sagen Am besten nicht mehr in den Medien präsentieren. Da sind die Meinung ihm unterschiedlich. Und ich find 's ganz gut zu sagen, dass es viele Leute gibt, die noch immer damit zu kämpfen haben. Und ja. Dazugehörig im Endeffekt. Ja, auch

Schlömer: "Wenn ein Auto kommt, muss ich es genau im Blick haben"

Also, es ist mal besser, mal weg, Marbe, auch präsent. Dann habe ich, um mit Schlafparalyse beispielsweise zu kämpfen oder an Problem über Bürgersteig zugehen muss mich dann immer, wenn Auto von hinten kommt. Wirklich Also muss. Stehenbleiben, mich umdrehen, warten Miss vorbei. Es muss genau im Blick haben. Man merkt es schon noch in Phasen

Schlömer: "Urteil ist kein Ende"

Ich würze ich et Ende bezeichnen Ich, glaube es ist einfach nur ne Klarheit, die man dann hat, was mit ihm auf jeden Fall passiert. Weil. Das ist erst war das wichtige. Aber ich weiß nicht, ob es nicht vielleicht sogar für Aufruhr sorgt, wenns nicht so ausfällt, wie wir uns das wünschen. Weil es gibt einfach oft den Fall, dass man sich denkt oh, das hätte mehr sein können an Strafe. Wenn das bei ihm auch der Fall sein wird, werden Denkmal einige noch mehr daran. Zu knabbern haben wir jetzt und es wird nochmal präsenter werden, weil sie einfach sich denken, dass man mit ner so geringen Strafe von sowas dann da weg. Komm, Wir wissen ja nicht, was er für ne Strafe kriegen wird. Aber das dann zu wissen, kann Denkmal entweder positiv oder auch negativ ausschlagen. Nicht den entweder mit Zufriedenheit oder Halt. Einfach mit Zufriedenheit

Preisträger am 17. November Live in der Sendung

Bei der Tat am 24. Februar 2020 wurden laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt 90 Menschen, darunter viele Kinder, teils schwer verletzt. Weitere Opfer trugen seelische Wunden davon, die Ermittler gehen von insgesamt mehr als 150 Betroffenen aus. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem heute 31-jährigen Angeklagten 91-fachen versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen sowie gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor. Das Motiv für die Tat ist bisher völlig unklar. Gegenüber Ermittlern äußerte sich der Angeklagte seit seiner Festnahme nach der Tat nicht. Ein Urteil soll noch vor Weihnachten fallen. Ein Ende wäre das für die Aufarbeitung aber nicht, sagt Schlömer. "Aber zumindest Klarheit, was mit dem Täter passiert."

Marcel Ruge

Reporter
Marcel Ruge

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