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Ahrtal: Fünf Monate nach der Flutkatastrophe

Anwohnerin Anne aus Ahrweiler - "Uns geht es den Umständen entsprechend"

© dpa

In den Ortschaften im Ahrtal haben Menschen draußen an vielen Plätzen Weihnachtsbäume aufgestellt. 

Weihnachten ist die Zeit, in der wir zur Ruhe kommen. Doch wie blicken die Menschen im rheinland-pfälzischen Ahrweiler nur fünf Monate nach der Hochwasserkatastrophe auf das Weihnachtsfest? Wie geht es den Einwohnern in der kalten und dunklen Jahreszeit und wie laufen die Wiederaufbauarbeiten? In FFH Guten Morgen, Hessen haben Julia Nestle und Johannes Scherer mit Anne Theiss, einer ehemaligen FFH-Kollegin und Anwohnerin aus Ahrweil, gesprochen. 

"Uns geht es den Umständen entsprechend, den meisten, glaube ich, relativ gut", erzählt Anne ihren Ex-Kollegen von FFH gleich zu Beginn des Gesprächs. In den vergangen fünf Monaten liefen die Aufräumarbeiten im Flutgebiet zwar auf Hochtouren, doch bis das Zentrum des Ahrtals wieder vollständig aufgebaut ist, kann es noch mehrere Monate bis Jahre dauern.

Auf die Winterzeit vorbereitet

Um die von der Flut schwer getroffenen Wohnungen und Häuser der Bewohner im Ahrtal zunächst auf die kalten Wintermonate vorzubereiten, wurden in den vergangenen Monaten notwendige Maßnahmen zum Wiederaufbau der Gasinfrastruktur getroffen.

"Wir sind soweit wieder an das Gasnetz angeschlosssen. Da wurde wirklich rund um die Uhr gearbeitet, so dass jetzt auch die meisten Haushalte wieder mit Wärme versorgt sind", erzählt Anne voller Erleichterung. So konnten notwendige Gasregelstationen, Flussquerungen und weitere Anlagen errichtet werden. Mit der Installation von Heizungen wurde Anne und ihrer Familie so wie vielen anderen betroffenen Familien eine große Sorge in der kalten Jahreszeit genommen.

© privat

Schutthaufen in Ahrweiler

Eine riesengroße Baustelle

"Die Straßen sind überall aufgerissen, weil die Gas-Wasser-Leitungen verlegt werden müssen. Rund um die Uhr ist LKW-Betrieb und Bagger-Betrieb. Alle zehn Meter sind Löcher im Boden für die Leitungen. Im Prinzip ist der komplette Ort wie eine riesen Baustelle", beschreibt Anne die aktuelle Situation.

Sie erzählt auch, dass viele Menschen und Kinder aus dem Flutgebiet auf Schienenersatzverkehr angewiesen waren, um sich fortzubewegen oder zur Schule zu kommmen. Umso mehr freut es sie, dass die Bahn zum Teil wieder hergestellt ist und zumindest die Teilstrecken in Richtung Remagen befahrbar sind.

Zum Nachhören: Anne Theiss über die aktuelle Situation in Ahrweiler

Anne Theiss über die aktuelle Situation in Ahrweiler

"Wir sind, glaube ich, so ein bisschen aus der Öffentlichkeit verschwunden..."

© HIT RADIO FFH

Solidarität aus ganz Deutschland

Für die Wiederaufbauarbeiten im Ahrtal sind hunderte Fachkräfte aus ganz Deutschland, viele Trockenbaufirmen und Firmen, die auf Flutschäden spezialisiert sind, täglich am arbeiten. Weil das Wiederherstellen der Infrastruktur und das Beseitigen von Abfall viel Arbeit erfordert, ist auch das Arbeiten an Sonntagen bis zum 30. April 2022 erlaubt. Das gaben Arbeitsminister Alexander Schweitzer und der Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, Wolfgang Treis, am vergangen Montag (20.12.) bekannt. 

„Die Not vieler Menschen ist nach wie vor groß. Wir wollen mit der Ausnahmegenehmigung einen Teil dazu beitragen, dass der Wiederaufbau in den Hochwassergebieten weiter schnell voranschreitet“, sagte Arbeitsminister Schweitzer. Ausnahmen gelten an den Weihnachtstagen, Neujahr, Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag. 

© privat

Auch wenn es schwere Zeiten sind, machen es sich die Bewohner in Ahrweiler an Weihnachten gemütlich. 

Weihnachten mit gemischten Gefühlen

Auch wenn die Straßen des Ahrtals nicht wie sonst geschmückt und die Häuser nicht dekoriert sind, blick Anne zuversichtlich auf das Weihnachtsfest: "Ich glaube, viele freuen sich jetzt erstmal darauf, mit der Familie zusammen zu sein und auch ein bisschen Ruhe zu haben. Also einfach, dass die ganze Arbeit und der ganze Lärmpegel, den wir den ganzen Tag um uns herum haben, ein bisschen aufhört."

Zum Nachhören: Anne Theiss über Weihnachtsstimmung und Mutmacher in Ahrweiler

Anne Theiss verrät, dass viele Angst vor der Stille an Weihnachten haben

"Aber es gibt natürlich auch auch viele, die auch ein bisschen Angst vor den Weihnachtstagen haben..."

© HIT RADIO FFH

Zusammenhalt und neue Freundschaften

Dass die Kinder im Ahrtal sich bereits an die neuen Gegebenheiten gewöhnt haben und gut mit der Situation klarkommen, freut Anne Theiss sehr. In schweren Zeiten sei es bekanntlich wichtig, zusammenzuhalten und nach vorne zu schauen, findet sie. Sie erzählt uns, was den Menschen in Ahrweiler in dieser schweren Zeit Mut macht: "Zum einen ist zu sehen, mit wechem Tempo hier rund um die Uhr gearbeitet wird. Man sieht also wirklich kleine Fortschritte. Es ist auch noch immer der Zusammenhalt, der hier herrscht und viele neue Freundschaften, die entstanden sind. Das sind schon Sachen, die einem Mut machen."

Weihnachtswunsch der Ahrweiler 

Weihnachten ohne Geschenke wäre halb so schön. Deshalb haben Julia Nestle und Johannes Scherer ihre Ex-Kollegin zum Schluss des Gesprächs gefragt, was sie sich stellvertretend für alle Bewohner in Ahrweiler zu Weihnachten wünscht.

"Der größte Wunsch, den wir tatsächlich hier haben, ist, dass wir nicht in Vergessenheit geraten, sondern, dass weiter über uns, über unsere Situation im Ahrtal berichtet wird - weil das nichts ist, was sich die nächsten Wochen erledigt hat", sagt sie. 

Wir wünschen Anne Theiss und allen anderen, betroffenen Menschen in Ahrweiler ganz viel Kraft und ein gesegnetes Weihnachtsfest. Wir denken an euch!

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