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Kein Chaos mehr: Haltestellen für Elterntaxis

Gegen Chaos auf dem Schulweg - Elterntaxis bekommen eigene Haltestellen

© dpa

Kaum hat die Schule wieder begonnen, kommt es fast überall zum gleichen Phänomen: Autoschlangen, Stau und Verkehrschaos vor den Schulen, wenn viele Eltern ihre Kinder morgens zum Unterricht fahren und mittags wieder abholen. Für so viele Autos sind die meisten Zufahrten aber einfach nicht gemacht. Chaos und Stress sind die Folge und für die Kids kann die unübersichtliche Situation sogar ganz schön gefährlich werden. Mehrere Städte in Hessen haben sich deshalb etwas einfallen lassen, um die Anfahrt mit dem „Elterntaxi“ sicherer zu machen.

Elternparkplätze in Witzenhausen

In Witzenhausen können Eltern nun auf vier eigens eingerichteten Parkplätzen halten, um ihre Kinder aus den Autos zu lassen oder wieder abzuholen. Anwohner hatten sich vorher regelmäßig über das Verkehrschaos in der schmalen Zufahrtsstraße beschwert. Die Stadt und zwei Schulen kamen dann gemeinsam auf die Idee, auf einem kostenpflichtigen Parkplatz die vier kostenfreien Elternplätze einzurichten. Praktisch: Die Plätze liegen direkt an der Einfahrt in die Straße zur Schule, von dort müssen die Kinder nur etwa 150 Meter laufen. „Bisher gibt es nur positive Reaktionen“, erzählt Astrid Köhler, Leiterin der Grundschule Kesperschule, gegenüber FFH.

Umfrage in Witzenhausen: Wie finden Sie die Elternparkplätze?

Sorge, dass durch die eigenen Parkplätze noch mehr Elterntaxis unterwegs sein könnten, hat Bürgermeister Daniel Herz nicht. „Wir fördern das nicht, aber für uns kommt die Sicherheit der Kinder an erster Stelle“, sagte er am FFH-Mikrofon. Oberstes Ziel der Schulen sei es dennoch, dass die Kinder zu Fuß zur Schule gehen. Für manche Grundschulkinder sei der Schulweg mit bis zu drei Kilometern auch schlicht zu lang, um zu laufen. Und nicht überall in der Stadt sei die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel gut genug.

Die Umsetzung der Elternparkplätze war gar nicht teuer: 2500 Euro haben die Schilder und Markierungen gekostet. Die Idee kommt nicht nur in Witzenhausen gut an: Bürgermeister Herz hat schon mehrere Anfragen von anderen Städten bekommen, die von den besonderen Parkplätzen begeistert sind.

Elternhaltestelle in Bensheim

Eine ähnliche Idee hatten die Bensheimer in Südhessen. Seit Mai gibt es dort eigene Haltestellen für Elterntaxis – mit dem üblichen gelb-grünen Symbol wie bei Bushaltestellen. Nur dass hier jeweils bis zu drei Autos anhalten dürfen; dafür wurde sogar die Verkehrsführung in dem Bereich geändert. Die Regelung an den Haltestellen im Auerbacher Weg und in der Fehlheimer Straße gilt von Montag bis Freitag zwischen 7 und 9 Uhr sowie zwischen 12 und 14 Uhr – also dann, wenn die meisten Elterntaxis zu den Schulen fahren. Das Bringen und Abholen der Kinder soll so geordneter ablaufen als bisher. Die Reaktionen geben der Stadt Recht, die Eltern sind von den Haltestellen begeistert.

Umfrage in Bensheim: Wie finden Eltern die Idee?

Die Idee ist durch gemeinsame Gespräche des städtischen Magistrats mit Elternbeiräten, Schülervertretern, den Schulleitungen und Politikern des Kreises Bergstraße entstanden. Damit die Eltern an der Haltestelle nicht parken, plant die Stadtpolizei regelmäßige Kontrollen.

Postkarten-Kampagne in Limburg

© FFH

Die mittelhessische Stadt Limburg hat gelbe Postkarten an alle Erstklässler verteilt und appelliert so an deren Eltern, ihre Kinder nicht jeden Morgen mit dem Auto zur Schule zu fahren und mittags wieder abzuholen. Stattdessen sollen die Eltern über Alternativen nachdenken und ihre Kinder mit dem Bus oder Fahrrad zur Schule bringen – oder die Kinder zu Fuß gehen lassen.

„Kinder zur Schule laufen lassen“ steht auch als Slogan auf den Postkarten. Daneben ist ein Kind mit Schulranzen zu sehen, das von einem Hubschrauber in die Schule geflogen wird. Banner mit dem gleichen Motiv hängen zusätzlich an zehn Schulen in Limburg, Hilfspolizisten verteilen die Karten auch vor den Schulen.

Kampagne für bessere Luft

Die Postkarten sind Teil der städtischen Kampagne „Frischer Wind für Limburg“. Damit möchte die Stadt nicht nur dem Verkehrschaos vor den Schulen entgegenwirken, sondern auch etwas Gutes für die Umwelt tun. Denn die Luftverschmutzung in der Limburger Innenstadt ist so hoch ist, dass die Deutsche Umwelthilfe gegen die Stadt Klage eingereicht hat. Der Appell gegen Elterntaxis ist Teil der Kampagne, um die Luft in Limburg langfristig zu verbessern.

Nicole Seliger

Reporter:
Nicole Seliger

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