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Marie (17) aus Einhausen will Bestatterin werden

Nach Praktikum beim Bestatter - Marie (17) sucht Ausbildungsplatz

© pixabay

Alte, schrullige Männer in schwarzen Anzügen, die im dunklen Keller verstaubte Särge durch die Gegend tragen - solche klischeehaften Gedanken über Bestatter sind alles andere als einladend. Hinter dem Leichenbestatter-Beruf steckt aber eigentlich viel mehr. Das findet auch Marie aus Einhausen: Sie ist 17 Jahre alt und möchte eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft anfangen...

Der Beruf des Bestatters ist ein ganz Wichtiger - früher oder später brauchen wir nämlich alle jemanden, der die Arbeit übernimmt, die nicht viele machen wollen. Aber wie kommt eine 17-Jährige darauf, diesen Beruf auszuüben, was machen die in ihren Instituten den ganzen Tag und wie wird man Bestatter? In FFH Guten Morgen, Hessen erzählt Marie davon. 

Warum will Marie Bestatterin werden?

© privat

Eigentlich wollte die 17-jährige Marie nach ihrem Realschulabschluss eine Ausbildung zur Polizistin anfangen - sie ist aber leider durch den Test gefallen. Zusammen mit ihren Eltern hat sie dann nach Alternativen gesucht, bei denen sie viel unterwegs ist. Das ist ihr wichtig. Der Vorschlag, in den Sommerferien ein Praktikum bei einem Bestatter zu machen, kam dann von Maries Papa: er hat nämlich einen alten Bekannten, der jetzt ein Bestattungsinstitut hat.

Vor dem Paraktikum hatte Marie noch nie eine Leiche gesehen

Nach nur einer halben Stunde im Bestattungsinstitut konnte sie zuschauen, wie ein Verstorbener zurechtgemacht wird. Obwohl Marie bei dieser Erfahrung ein komisches Gefühl hatte, sagt sie in FFH Guten Morgen, Hessen, dass es nicht schlimm war. Das Praktikum hat der 17-Jährigen leztendlich sogar so gut gefallen, dass sie jetzt eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft beginnen möchte - das ist aber gar nicht so einfach. Viele Insitute bieten nämlich keine Ausbildung an, andere in Maries Umkreis haben in diesem Jahr bereits Auszubildenende.

Sie will nicht nur im Büro arbeiten

Maries Umfeld reagierte auf den außergewöhnlichen Berufswunsch gelassen: Ihre Oma war zwar stutzig, steht aber immer hinter ihr und meint, dass Marie schon immer andere Sachen gemacht hat. Und auch ihre beste Freundin, die Zahnarzthelferin ist, fragt sich, warum Marie nie wie der Rest der Familie etwas "Normales" macht. Aber alle kennen Marie und wissen, dass sie eben nicht einfach nur im Büro sitzen möchte

Um die Ausbildung als Bestattungsfachkraft anzufangen, hat Marie bei 50 verschiedenen Instituten angerufen - aber keiner konnte ihr einen Platz anbieten. Deshalb hat sie sich an uns gewendet und um Hilfe gebeten: HIT RADIO FFH hat die 17-Jährige an ein Institut in Heidelberg vermittelt, das noch eine Auszubildende sucht und nur 30 Minuten von Einhausen entfernt ist - wir drücken die Daumen... 

Marie in FFH Guten Morgen, Hessen!

Die 17-Jährige aus Einhausen spricht mit Moderatorin Julia Nestle

Praktikum und Ausbildung beim Bestatter...

FFH hilft bei der Ausbildungsplatzsuche...

Was machen Bestatter eigentlich genau?

© dpa

Symbolbild

Aufgabe der Bestatter ist es, die Hinterbliebenen emotional zu begleiten und bei wichtigen Entscheidungen bezüglich Kosten und Form der Bestattung zu beraten - mit Anteilnahme, Verständnis und Geduld. Außerdem gehört es in diesem Beruf dazu, sich um den Toten selbst zu kümmern: das heißt den Leichnam abzuholen und zurechtzumachen. Auf einen angehenden Bestatter kommen also kaufmännische, handwerkliche und soziale Aufgaben zu.

In Deutschland gibt es rund 4000 Bestattungsuternehmen - der Bundesverband Deutscher Bestatter repräsentiert rund 80 Prozent von ihnen. Hessen hat mit 250 Mitgliedsunternehmen den drittgrößten Bestatterverband in Deutschland. Den Beruf des Bestatters gibt es seit etwa zwei Jahrhunderten, davor wurden die meisten Verstorbenen von Familienangehörigen bestattet - die offizielle Berufsbezeichnung der Bestattungsfachkraft gibt es aber erst seit dem Jahr 2003.

Wie sieht eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft aus?

Seit 2007 ist eine bundesweit einheitliche Ausbildung zur Bestattungsfachkraft möglich: Die besteht aus einer 3-jährigen Ausbildung in Handwerk, Industrie und Handel. Aufenthalt im Betrieb und der Berufsschule wechselt sich dabei ab. Das Ganze ist mit Sicherheit nicht für jeden was, rechtlich ist aber keine bestimmte Schulbildung notwendig - dennoch haben die meisten Auszubildenen die Hochschulreife oder einen mittleren Bildungsabschluss. 

Während des zweiten Ausbildungsjahres wird die Zwischenprüfung in einem praktischen und einem schriftlichen Teil absolviert. Um staatlich anerkannte Bestattungsfachkraft zu werden, muss man am Ausbildungsende eine Abschlussprüfung bzw. Gesellenprüfung (im Handwerk) erfolgreich ablegen - die besteht aus einer praktischen Aufgabe und einer schriftlichen Prüfung. Wichtige Inhalte der Ausbildung sind Bestattungsvorsorge, Psychologie, Riten und Gebräuche

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