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Schreck lass nach - warum wir Gruselangst haben

Wir beantworten die Frage - Schreck lass nach - warum wir uns gruseln

Psychologin Sonia del Valle (m.) im Interview mit Julia Nestle und Daniel Fischer aus FFH Guten Morgen, Hessen

Viele kennen das Phänomen: Das Herz rast, Schweiß läuft die Stirn herunter - man hat Angst. Passend zu Halloween stellen wir der Psychologin Sonia del Valle die Frage, warum gruseln wir uns?

Warum haben wir Angst vor Gruselgestalten?

Auch wenn der Kopf weiß, dass gruselige Kreaturen nicht echt sind, hat der Körper die Fähigkeit, sich Ängste "einzureden". Obwohl wir es eigentlich besser wissen müssten, fürchten wir uns. Das ist eine Reaktion, die von alleine passiert. Wir machen uns Dinge gruseliger als sie sind.

Warum haben einige mehr Angst als andere?

Neigung zur Angst hängt von der jeweiligen Persönlichkeit ab. Teilweise ist sie angeboren, teilweise schauen wir sie uns auch von unseren Eltern ab. Kinder ängstlicher Eltern neigen also eher dazu, auch ängstlicher zu werden.

© dpa

Wieso rast das Herz und wieso schwitzen wir, wenn wir Angst haben?

Wer Angst hat, kennt das Gefühl: Unser Blutdruck steigt, das Herz schlägt schneller, wir fangen an zu schwitzen, die Muskeln spannen sich an und unsere Blase will entleert werden. Das alles hängt mit unserer Evolution zusammen. Früher hieß es: Kampf oder Flucht. Wenn unsere Vorfahren einem gefährlichen Tier begegneten, mussten sie sich auf die Situation vorbereiten. Unser Körper musste in diesen Momenten auf Hochtouren laufen.

Warum haben wir Angst wenn es dunkel ist?

Auch hier liegt der Grund in unserer Evolution: Früher war es wichtig Angst im Dunkeln zu haben. Durch die Dunkelheit konnte man potentiell gefährliche Tiere schwerer erkennen und die Gefahr überraschend angegriffen zu werden stieg. Also signalisiert der Körper "vorsicht" und bereitet sich vor.

Gibt es konkrete Tipps für die Angstbewältigung?

Auch wenn es häufiger leichter gesagt als getan ist: Wenn man Angst bekommt, sollte man sich erstmal ganz bewusst überlegen, ob diese Angst berechtigt ist. Wenn man ein Knacksen im Haus hört, dann könnte es auch einfach ein offenes Fenster gewesen sein. In diesem Fall hilft eine "kognitive Umstrukturierung": Die negativen Gedanken nicht zulassen, sich positiv zureden, realistisch denken und gelassen bleiben.

Konfrontation ist der nächste Schritt. Man sollte versuchen, sich seiner Angst zu stellen. Dabei darf aber nicht übertrieben werden - Ziele setzen und Schritt für Schritt vorgehen.

Wenn man also Angst vor Spinnen hat, dann am besten nicht im ersten Moment davonlaufen, sondern versuchen im Raum zu bleiben. Im nächsten Schritt könnte man dann einen Schritt auf die Spinne zugehen. Bei Angst vor der Dunkelheit hilft es bei Abenddämmerung rauszugehen und sich so langsam daran zu gewöhnen.

Angst ist eine Emotion und Emotionen machen das rationale Denken kleiner. Darum ist es sinnvoll, dass wir uns auf unsere rationale Seite zu konzentrieren und die möglichen Katastrophen realistisch zu betrachten. Was ist das schlimmste was passieren könnte und wie wahrscheinlich ist es wirklich?

Wenn es um Emotionen geht, haben dann Frauen öfter Angst als Männer?

Die Antwort lautet nein! Angstpatienten können sowohl Männer, als auch Frauen sein. Der Gedanke, dass Frauen häufiger Angst haben, liegt wahrscheinlich in der Natur des Menschen. Männer drücken häufiger ihre Angst weg und Frauen geben sie zu.

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