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Expertentipps: "Hilfe, mein Kind will ein Handy"

Diese Expertentipps helfen euch - "Hilfe, mein Kind will ein Smartphone!"

Ab wann soll mein Kind ein Smartphone bekommen? Diese Frage stellt Eltern vor viele Herausforderungen. Kinder die keins haben, werden womöglich von ihren Freunden ausgeschlossen. Auf der anderen Seite warnen Experten vor den Risiken des übermäßigen Handykonsums. Diese Tipps helfen euch bei der richtigen Entscheidung.

Der Konflikt zwischen Eltern und Kind

Früher bekamen die Kinder ein Handy, um bei einem Notfall ihre Eltern anzurufen. Mittlerweile sieht das aber ganz anders aus: Ein Handy ist bei Kindern längst kein Mittel zum Zweck mehr, sondern viel eine Voraussetzung, mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben. Die Kinder chatten auf Whatsapp, streamen Videos oder sind auf sozialen Medien unterwegs. Wer kein Smartphone besitzt, wird möglicherweise ausgeschlossen, verliert Anschluss und gehört nicht dazu.

Die Abhängigkeit vom Smartphone zeigt sich in einer Statistik: Nach Freundschaften und sportlichen Aktivitäten, sind den Kindern ihre Handys am wichtigsten. 60 Prozent nutzen es täglich. Für viele Eltern ist das ein Dilemma, denn sie wollen oftmals ihre Kinder vor schädlichen Inhalten und negativen Einflüssen durch soziale Medien schützen. Nicht selten führt das zu Streitereien zwischen Eltern und Kind. Am Ende des Tages geben die meisten Eltern nach - 51 Prozent aller Kinder von sechs bis dreizehn Jahren besitzen mittlerweile ein Smartphone.

So geht ihr mit den Risiken richtig um

© dpa

Regeln aufstellen

57 Prozent der Eltern stellen laut einer Studie keine Regeln für die Nutzung des Smartphones auf. Das ist aber besonders in jungen Jahren wichtig. Prinzipiell gilt: Unter zehn Jahren sollte die Mediennutzung bei maximal einer halben Stunde pro Tag liegen. Deshalb sollte bis dahin auf ein Smartphone komplett verzichtet werden. Beate Kremser vom Präventiven Jugendschutz Frankfurt sagt im FFH-Interview, dass man auf jeden Fall konsequent sein sollte und eigene Regeln aufstellen muss. Das heißt also, wenn das Kind als Argument bringt, dass alle anderen auch Handys haben, dann nicht einknicken. Wenn das Kind im Kindergarten- oder Grundschulalter ist, dann reicht es, wenn ihr ihm in diesem Fall ein "Notfallhandy" zur Verfügung stellt. Damit seid ihr auf der sicheren Seite, dass euer Nachwuchs euch im Notfall auch erreichen kann. Diese Geräte haben den Vorteil, dass sie diverse Sicherheitsfunktionen, wie GPS-Ortung und eine Notfalltaste beinhalten. Außerdem können nur bestimmte Nummern angerufen werden.

Apps helfen bei der Kontrolle

Wenn das Kind aber älter wird, dann ist ein komplettes Smartphone-Verbot wahrscheinlich schwierig durchzusetzen und mit Sicherheit auch nicht sinnvoll. Ihr wollt eure Kinder schließlich nicht von der Außenwelt abgrenzen, sondern sie beschützen. Man sollte sich den Risiken deshalb bewusst sein und dann schauen, wie man damit umgehen kann. Denn 19 Prozent aller zwölf bis 19 Jährigen wurden im Netz schon mal beleidigt und acht Prozent wurden bereits Opfer von Cybermobbing. Kinder können auf hasserfüllte Kommentare, Gewalt oder pornografische Inhalte stoßen - in diesem Alter wissen sie aber oft nicht, wie sie damit umgehen sollen. Im Internet könnten sie außerdem leichtsinnig ihre Daten preisgeben, in Kostanfallen tappen oder gegen Rechte verstoßen, wie zum Beispiel beim Download von Musik oder Filmen. Hier können spezielle Apps helfen, die nur den Zugriff auf ausgewählte Dienste und Webseiten erlauben. 

"Handygarage" aufstellen

Einen Blick sollten Eltern auch auf die Häufigkeit der Handynutzung haben. Denn zu viel Konsum schwächt die Konzentration. Kinder neigen häufig dazu, direkt auf Nachrichten zu antworten. Das Gefühl, dass bald eine Nachricht ankommen wird, kann sie schneller ablenken. Ein Tipp der Expertin ist, bestimmte Zeiten festzulegen, an denen das Kind das Handy nicht benutzen darf, wie beim gemeinsamen Essen oder beim Fernsehen. So könnt ihr den Handy-Konsum der Kinder auf Dauer reduzieren. Dafür könnt ihr zum Beispiel eine "Handygarage" aufbauen. Wer nach Hause kommt, sollte sein Handy dort ablegen und darf nur mit Ankündigung seine Nachrichten checken.

Ausgleich schaffen und Vorbild sein

Die Faktoren werden aber erst dann problematisch, wenn das Kind keinen Ausgleich hat. Heißt also: Genügend Bücher lesen und Freunde treffen, damit die Konzentration nicht verloren geht. Bei genügend Ausgleich stellt ein gesundes Maß an Medienkonsum keinen Schaden dar. Bei einer Einschränkung des Medienkonsums solltet ihr aber darauf achten, dem Kind ebenfalls ein Vorbild zu sein. Eine Doppelmoral ist kontraproduktiv. Das heißt also: Wenn ihr möchtet, dass euer Kind auf euch hört dann auf jeden Fall auch selber das Handy weglegen.

Beate Kremser vom Präventiven Jugendschutz Frankfurt im FFH-Interview mit Evren Gezer

Ab wann ist es sinnvoll Kindern ein Handy zu geben?

Worauf muss ich achten, wenn mein Kind ein Smartphone hat

Diese Apps helfen euch

Es gibt einige Apps, die euch die Möglichkeit bieten, das Nutzungsverhalten eurer Kinder zu überwachen und zu regulieren. Ihr könnt praktisch bestimmte Apps sperren oder die Nutzung begrenzen. Außerdem habt ihr die Möglichkeit vorm Schlafengehen oder während der Hausaufgabenzeit, das Handy komplett zu sperren. Bestimmte Apps schützen sogar automatisch vor schädlichen Webinhalten und können den Standort eures Kindes überwachen, damit ihr seht, wo es sich herumtreibt. 

Einige bekannte Apps sind zum Beispiel: "Screen Time - Elternkontrolle" und "Qustodio". Euch muss aber bewusst sein, dass es unmöglich ist Kinder und Teenager von bestimmten Inhalten komplett fernzuhalten. In solchen Momenten sollte man ein offenes Gespräch suchen. Für Einschränkungen sind die Apps aber wunderbar geeignet.

"Screen Time - Elternkontrolle"

In der kostenlosen Version gibt es die Möglichkeit vom Elterngerät aus das Smartphone des Kindes zu kontrollieren. Man kann sich außerdem den Web- und Suchverlauf anzeigen lassen. Die App kann nur mit einem Passwort gelöscht werden. Das hat den Vorteil, dass das Kind die App nicht einfach von seinem Handy entfernen kann.

In der Premiumvariante (für 3,39 Euro im Monat) kann man auch ein Zeitlimit für die tägliche Nutzung festlegen. Bestimmte Apps können sogar blockiert werden. Außerdem kann man dem Kind Aufgaben geben, wie zum Beispiel den Abwasch erledigen oder den Tisch decken. Wenn es die Aufgaben erledigt hat, kann es sich zusätzlich Zeit mit dem Smartphone verschaffen. Zu Schlaf- oder Schulzeiten kann das Handy außerdem gesperrt werden. 

Es lohnt sich bei dieser App aber sicherlich die Premiumvariante zu buchen, weil euch in der kostenfreien Variante nur wenige Features zur Verfügung stehen.

Auf der Website könnt ihr euch kostenlos anmelden.

© Google Play

"Screen Time"

"Qustodio"

Bei "Qustodio" gibt es die Möglichkeit die kostenlose Variante oder die Premiumversion zu downloaden. In der kostenlosen Variante kann man alle wichtigen Funktionen nutzen. Dazu gehören: Es werden detaillierte Berichte über die täglichen Aktivitäten erstellt, ungeeignete Web-Inhalte werden gefiltert, es kann ein Zeitlimit für die Nutzungsdauer des Smartphones eingerichtet werden, soziale Medien können überwacht werden (vor allem Facebook-Aktivitäten) und außerdem gibt es die Möglichkeit den Standort des Kindes zu orten. 

Der einzige Nachteil der kostenfreien Variante ist, dass die App nur an einem Gerät installiert werden kann. Für mehr Geräte muss die Premiumvariante dazugebucht werden. Die Kosten liegen dann zwischen 3,58 Euro und 8,91 Euro im Monat, je nachdem für wie viele Geräte man die App nutzen möchte.

Im Vergleich zu "Screen Time" habt ihr bei "Qustodio" in der kostenfreien Version viel mehr Features. 

Hier könnt ihr die App für Android oder iOS downloaden.

© Google Play

"Qustodio"

Ab wann darf euer Kind ein Smartphone nutzen? Stellt ihr Regeln auf? Teilt eure Meinungen in den Kommentaren.

Ab wann erlaubt ihr eurem Kind ein Smartphone?

Was ist für euch ein sinnvolles Alter für das erste Smartphone?

9 Jahre oder jünger

9 Jahre oder jünger

9 %

10 bis 11

10 bis 11

33 %

11 bis 13

11 bis 13

30 %

älter als 13

älter als 13

28 %

Ares Abasi

Autor
Ares Abasi

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