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Weihnachtstraditionen im FFH-Land

Heiligabend mal anders feiern - Weihnachtstraditionen im FFH-Land

Christkindwiegen, Heubündeltragen oder viele Kirchglocken, die gleichzeitig läuten - im FFH-Land gibt es so einige Traditionen und Bräuche zur Weihnachtszeit. Unsere FFH-Reporter stellen die schönsten aus ihren Regionen vor - und geben Veranstaltungs-Tipps für alle, die an den Festtagen mal anders feiern wollen.

Nordhessen

© Tierpark Sababurg

An Heiligabend legt der Weihnachtsmann vormittags einen Zwischenstopp im Tierpark Sababurg im nordhessischen Reinhardswald ein. Zusammen mit dem Rentier „Bjijje“ verteilt er bei den Tieren im Tierpark Futter – und alle Kinder können ihm dabei helfen. Nachdem Erdmännchen, Hängebauchschweine oder Luchse versorgt sind, gibt es natürlich auch eine kleine Belohnung für die kleinen Helfer. Der Weihnachtsmann lädt die Kinder in gemütlicher Runde dazu ein, sich eine Weihnachtsgeschichte anzuhören – dazu gibt es Leckereien und Punsch. Los geht die Tierweihnacht um 10.30 Uhr. Kinder haben freien Eintritt, Erwachsene zahlen den Kinderpreis. Ab 13.30 Uhr ist der Eintritt dann für alle Besucher frei. Der Tierpark ist auch während der Feiertage von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

In Korbach (Waldeck-Frankenberg) wird an Heiligabend ein über 400 Jahre alter Brauch gepflegt: das Christkindwiegen. Immer an Heiligabend um 20 Uhr erklimmen mehrere Männer aus Korbach mit Laternen ausgestattet den über 90 Meter hohen Turm der Kilianskirche und singen im Chor „Dies ist der Tag, den Gott gemacht“. Oben schwenken sie dann die Laternen – das Christkindwiegen mit dem an die Geburt von Jesus gedacht wird. Laut einem Bericht der Waldeckischen Landeszeitung wurde das Korbacher „Christkindwiegen“ 1543 erstmals urkundlich erwähnt. Der Legende nach ist es während der Pest-Epidemie eingeführt worden. Dadurch soll die Pest gestoppt worden sein.

Osthessen

© dpa

Auch in Osthessen gibt es an Heiligabend die Tradition des „Christkindwiegens“, aber in einer anderen Form. Einer Überlieferung zufolge legt sich das Christkind nach der Bescherung im obersten Kirchturmstübchen zum Ausruhen nieder. Damit es gut einschläft, spielen die Musikanten und die Konfirmanden singen. In Lauterbach verkündet der Pfarrer das Weihnachts-Evangelium vom Turm der evangelischen Stadtkirche aus. Dort oben spielen dann auch Blasmusiker und ein Chor singt. Der Gottesdienst mit Christkindwiegen beginnt um 18 Uhr.

In Alsfeld steigt der Chor auf den Turm der Walpurgiskirche, während sich die Leute unten auf dem Marktplatz zu einer musikalischen Veranstaltung versammeln. Um 17 Uhr wird dann „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ gesungen und der Turm wird mit Laternen erleuchtet.

An Heiligabend gibt es in Fulda natürlich Weihnachtsgeläut. Alle Glocken des Doms läuten – das passiert nur an den hohen Festtagen. Das Geläut startet um 21.30 Uhr und dauert 28 Minuten. Die Christmette beginnt um 22 Uhr – erstmals mit Bischof Gerber.

Mittelhessen

In mehreren Ortsteilen von Münchhausen (Kreis Marburg-Biedenkopf) gibt es zwischen den Jahren das sogenannte „Platzen“, zum Beispiel in Niederasphe und Wollmar. Früher haben am 27. Dezember die Dienstmädchen die Höfe verlassen, um sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen oder zu heiraten. Wo eine Magd den Hof verlassen hat, haben die Burschen mit Peitschen auf den Boden geknallt, um böse Geister zu vertreiben und Unheil fernzuhalten. Diesen Brauch gibt es bis heute an diesem Tag – allerdings werden jetzt die unverheirateten Mädchen und Frauen bis 30 Jahren im Ort „ausgeplatzt“. Bis zu vier Burschen kommen im Laufe des Tages zuhause bei ihnen vorbei und „platzen“ draußen auf der Straße, teilweise bis zu 5 Minuten lang. Um wieder zu Kräften zu kommen, trinken die Burschen dann einen Schnaps mit den Mädels (bei Minderjährigen natürlich nur bei Einverständnis der Eltern).

Südhessen

© dpa

In dem Ortsteil Ober-Beerbach können sich Kinder die Wartezeit aufs Christkind mit Lamas und Alpakas verschönern. Beim Familienevent Lama-Trekking von 13 bis 15 Uhr dürfen Kinder die Tiere streicheln und füttern. Der Eintritt zu "Wir warten aufs Christkind" ist frei, eine erwachsene Begleitperson ist zwingend erforderlich. Treffpunkt die Weide unterhalb der Straße "Im Berggarten"

Die Turmbläser der „Bläsergruppe Jary Walter“ musizieren an Heiligabend in Groß-Gerau. Von allen vier Seiten des Kirchturms der evangelischen Stadtkirche ertönen am 24. Dezember traditionelle Weihnachtslieder über der Stadt.

Der Heidelberger Zoo bietet an Heiligabend eine besondere Veranstaltung für alle Besucher an: Zoodirekter Klaus Wünnemann liest um 11 Uhr Tiergeschichten im Raubtierhaus vor, unter anderem vom Bär Benni, der sich nicht über die Brücke in sein Gehege traut. Der Zoo hat an Heiligabend von 9 bis 13 Uhr geöffnet, die Vorlese-Veranstaltung ist kostenlos (allerdings benötigen Besucher eine reguläre Zoo-Eintrittskarte).

Im Kreiskrankenhaus Bergstraße mit Sitz in Heppenheim waren die Mitarbeiter in den vergangenen Wochen besonders fleißig und haben gemeinsam mit dem Küchenchef Plätzchen gebacken. Insgesamt sind so jede Menge an süßen Leckereien entstanden: 20 Kilo Erdnussbutterkekse, 25 Kilo Vanillekipferl, 15 Kilo Buttergebäck, 15 Kilo schwarzweiß-Gebäck und 15 Kilo Kokosmakronen. Am 24.12. wird Küchenchef Sandro Großmann einen Teil des Weihnachtsgebäcks an die Stationen weiterreichen. Über die Plätzchen sollen sich dann die Patienten freuen, die über die Weihnachtstage im Krankenhaus bleiben müssen.

Auch in diesem Jahr wird das BRENNESSEL-Programmkino in Hemsbach kurz hinter der hessischen Landesgrenze an Heiligabend von 10 bis 18 Uhr seine Pforte öffnen. Bei Weihnachtsplätzchen und Brennnessel-Tee zeigt das Programmkino Filmhighlights des vergangenen Jahres, aber auch zum Feiertag passende Klassiker wie „Ist das Leben nicht schön?“ mit James Stewart oder „Cinema Paradiso“. Eingeladen sind alle Gäste, die dem Weihnachtstrubel entfliehen oder sich einfach filmisch auf die Heilige Nacht einstimmen möchten. Der Eintritt zum HeiligAbendKino ist frei. Spenden für die Caritas-Obdachlosenhilfe in Weinheim werden erbeten

Im Riedstädter Stadtteil Leeheim wird an Heiligabend wieder ein in Hessen wohl einmaliger Brauch gepflegt: das „Heubündeltragen“. Der Heimat- und Geschichtsverein hält diese Tradition aufrecht. Im Hof des Leeheimer Museums verteilen Helfer ab 10 Uhr Heubündel an die Kinder des Dorfs. Wer eines bekommen hat, muss dann aber erst mal warten, bis nachmittags um 16 Uhr die Kirchenglocken läuten. Das ist dann das Startsignal für die Kinder – los geht‘s mit dem Heu zu Oma und Opa, zu den Paten oder zu Freunden. Hintergrund des Brauchs: Das Heu ist symbolisch für den Esel vom Christkind bestimmt. Wenn das nämlich im Dorf die Geschenke verteilt, soll der Esel in der Zwischenzeit nicht hungern.

Auf dem Marktplatz in Zwingenberg  treffen sich am 1. Weihnachtsfeiertag alle, die Lust haben, um gemeinsam zu singen. Ob „O Du fröhliche“, „Alle Jahre wieder“, „In der Weihnachtbäckerei“, „Jingle Bells“ oder „I´m dreaming of a White Christmas“: Von 14 -15 Uhr wird alles gesungen, was großen und kleinen Sängern Freude bringt. Die Veranstaltung ist aus einer Kooperation der VoiceAkademie und der Stadt Zwingenberg entstanden. Die Sängerin Jeanette Giese und der Pianist Peter Moss begleiten die Teilnehmer.

Rhein-Main

© dpa

Viermal im Jahr wird es traditionell laut und stimmungsvoll in Frankfurt, wenn beim Großen Stadtgeläut insgesamt 50 Glocken von zehn Kirchen ertönen – an Heiligabend findet das Spektakel zum letzten Mal in diesem Jahr statt. Um 17 beginnt das Geläut mit den sechs Glocken der Paulskirche, alle anderen Kirchen kommen dann nach und nach dazu: die Katharinenkirche (4 Glocken) an der Hauptwache, die Liebfrauenkirche (5 Glocken), die Peterskirche (4 Glocken), die Dominikanerklosterkirche (3 Glocken), die Leonhardskirche (6 Glocken), die Karmeliterklosterkirche (4 Glocken), die Alte Nikolaikirche (4 Glocken) am Römerberg und die „dribbdebach" (südliche Mainseite) gelegene Dreikönigskirche (5 Glocken). Schließlich stimmen auch die neun Glocken des Kaiserdoms in den gemeinsamen Chor ein. Das Spektakel dauert insgesamt rund 30 Minuten. Die beliebtesten Standorte zum Zuschauen und Zuhören sind die Hauptwache, der Liebfrauenberg, der Paulsplatz, der Römerberg und der Eiserne Steg.

Nicole Seliger

Autorin
Nicole Seliger

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