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Psychologe zu Corona: Wichtig, Ruhe zu bewahren

Psychologe zur Corona-Angst - "Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren"

Die weltweite Corona-Krise trifft uns alle. Doch bei manchen Menschen löst sie Panik aus, andere bleiben dagegen völlig gelassen. Warum reagieren wir alle so unterschiedlich auf solche Krisen? Und wie können wir mit unserer Angst umgehen? Darüber haben Julia Nestle und Daniel Fischer von Guten Morgen, Hessen mit dem Psychologen und Angstforscher Dr. Christian Lüdke gesprochen.

Warum hamstern jetzt so viele Menschen, obwohl es keine Versorgungsengpässe gibt?

Jeder von uns hat das in den vergangenen Tagen erlebt: Wir stehen im Supermarkt oder in der Drogerie vor leeren Regalen. Vor allem Lebensmittel, die lange haltbar sind, und Hygieneartikel sind ausverkauft. Viele Menschen haben sich große Vorräte gekauft, obwohl das ja eigentlich unnötig ist, denn die Warenlager der Geschäfte sind voll. Es ist genug für alle da. „Menschen hamstern, weil es eine Art genetische Information ist“, sagt Lüdke im Gespräch mit FFH. Der Reflex dazu komme noch aus der Steinzeit.

Psychologe Christian Lüdke: "Das ist ein Reflex aus der Steinzeit"

© FFH

Was kann ich machen, damit ich keine Panik vor Corona bekomme?

Der Experte sagt: „Ruhe bewahren und die eigene Situation hinterfragen“. Es helfe auch zu gucken, ob die eigene Familie in Sicherheit ist, ob es überhaupt Infizierte im nahen sozialen Umfeld gebe. „Man muss sich die Situation erstmal klar machen und gesicherte Informationen beschaffen“. Und die geben dann Sicherheit und Ruhe.

Psychologe Christian Lüdke: "Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren"

© FFH

Wie sollten wir jetzt am besten miteinander umgehen?

Klar, die Nerven liegen gerade bei uns allen etwas blank. Denn keiner von uns konnte sich wirklich auf diese Situation einstellen. Da es noch keinen Impfschutz gegen das Coronavirus gibt, fühlen sich manche Menschen schutzlos, sagt Lüdke: „Wir haben das Gefühl, hilflos ausgeliefert zu sein“. Doch was hilft dagegen? Mit Menschen sprechen, die einen gut kennen, sagt der Psychologe. Wer wegen der aktuellen Situation sehr besorgt ist, spricht am besten mit Menschen, die Ruhe ausstrahlen und optimistisch sind. „Für die meisten Menschen wird das alles gut ausgehen“, sagt Lüdke und hat einen Appell an uns alle: „Wir müssen jetzt zusammen halten und uns an die Regeln halten.“

Psychologe Christian Lüdke: Wir müssen jetzt zusammenhalten und uns an die Regeln halten""

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© Christian Lüdke

Wie kann ich Kindern die Corona-Epidemie erklären?

Ob wir mit unseren Kindern über das Coronavirus sprechen sollten, hängt von ihrem Alter ab. Der Psychologe rät: „Kinder unter drei Jahren sollten das im besten Fall überhaupt nicht mitbekommen.“ Sind die Kinder zwischen drei und zehn Jahre alt, sollten Erwachsene das Thema nur ansprechen, wenn der Nachwuchs danach fragt. „Dann sollten Erwachsene ganz ruhig und sachlich bleiben und keine Gefühlsregungen zeigen, weil das die Kinder massiv verunsichern würde.“ Erst mit älteren Kindern würde Lüdke ausführlicher sprechen, aber auch nicht alle Detail erzählen. Lüdkes Grundsatz lautet: „Sag die Wahrheit, nichts als die Wahrheit, aber niemals die ganze Wahrheit.

Psychologe Christian Lüdke: "Erwachsene sollten sachlich bleiben"

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Wie erkläre ich meinen Kindern, dass sie Oma und Opa nicht mehr besuchen können? 

Der Psychologe rät, den Kindern einen neuen Tagesablauf an die Hand zu geben und Regeln aufzustellen. Dazu gehöre dann eben auch, die Großeltern erstmal nicht zu besuchen. Kontakt halten geht aber natürlich trotzdem - und könnte für beide Seiten eine tolle Erfahrung sein. "Hier können tatsächlich die neuen Medien eine wichtige Rolle spielen", sagt Lüdke im FFH-Gespräch. Whatsapp-Nachrichten, skypen oder factimen über den Compiuter - Möglichkeiten zur Kommunikation gebe es trotzdem. Den Kinders könnte man sagen: "Dann können Oma und Opa sogar von dir lernen, mit den neuen technischen Hilfsmitteln umzugehen".

Psychologe Christian Lüdke: "Neue Medien können eine wichtige Rolle spielen"

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Aus rein psychologischer Sicht: Hat die Corona-Krise für uns auch irgendwas Positives?

„Das Gute ist, dass wir jetzt sehr viel Zeit geschenkt bekommen, um uns auch um uns selbst zu kümmern“, sagte Lüdke bei Guten Morgen, Hessen. Wir können unerledigte Dinge zuhause bearbeiten, das Haus entrümpeln oder endlich mehr Zeit mit den Kindern verbringen. „Man hat die Gelegenheit, sich selbst zu reflektieren und zu gucken, was ist wirklich wichtig für mich und mein Leben“, erzählt der Psychologe. Er rät auch dazu, schon an die Zukunft zu denken, wenn unser Alltag wieder normal sein wird: „Es ist ganz wichtig, sich zu überlegen, was es geben wird und worauf ich mich unglaublich freuen werde.“

Psychologe Christian Lüdke: "Man kann überlegen, was einem wirklich wichtig ist im Leben"

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Nicole Seliger

Autorin
Nicole Seliger

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