Johannes-Pistorius-Stadt - Nidda erhält Urkunde für Namenszusatz
Nidda darf sich bald "Johannes Pistorius Stadt" nennen. Innenminister Poseck übergibt am Mittwochnachmittag (25.03.) offiziell die Urkunde für den Namenszusatz.
Der wird dann künftig zum Beispiel auf den Ortsschildern stehen.
Feierstunde im Heimatmuseum
Die Übergabe der offiziellen Urkunde wird im Heimatmuseum in Nidda gebührend zelebriert. Das Museums-Team hatte im vergangenen Jahr damit begonnen eine historische Stadtführung rund um das Leben des berühmten Niddaers zu konzipieren. Schauspieler verkörpern während der Führung Pistorius selbst, aber auch seine Frau Margaretha und deren Magd. Sie tragen dabei historische Gewänder, wie sie im 16. Jahrhundert durchaus gang und gäbe waren. Dementsprechend wird auch die Urkunde von Innenminister Poseck im mittelalterlichen Gewand entgegengenommen.
Wer war Johannes Pistorius?
Johannes Pistorius der Ältere war ein Weggefährte von Martin Luther und einer der bedeutendsten Reformatoren in Hessen. Geboren wurde er als “Johannes Becker” in 1504 in Nidda geboren. Mit sechs Jahren besucht er die Lateinschule der dortigen Johanniter-Kommende. Später studiert er an der Universität Mainz, promoviert später zum Doktor der Theologie und latinisierte seinen Namen. Er kehrt danach in seine Heimatstadt zurück und arbeitet als katholischer Pfarrer.
Einführung der Reformation in Nidda vor genau 100 Jahren
Pistorius unterstützt die Lehren der Wittenberger Reformation. 1526 nahm er an der sogenannten "Homberger Synode" in Homberg (Efze) teil. Landgraf Philipp I. von Hessen (Philipp der Großmütige) hatte geistliche und weltliche Vertreter eingeladen, um darüber zu diskutieren, ob man in der Landgrafschaft Hessen den protestantischen Glauben einführen sollte. Man einigte sich damals tatsächlich darauf. Damit war die Homberger Synode die erste evangelische Synode der Welt. Pistorius führte sie Reformation in Nidda ein und wurde erster evangelischer Pfarrer der Stadt.
Pistorius war “Kirchenchef” in großen Teilen von Hessen
1541 wurde Pistorius um Superintendenten der Diözese Alsfeld gewählt. Damit war er Leiter der evangelischen Kirche in Hessen von Ziegenhain (heute ein Stadtteil von Schwalmstadt) über Alsfeld bis nach Oberhessen und Bad Homburg. Er wohnte und wirkte während dieser Zeit aber weiter auch in Nidda. Während der Pestepidemie 1555 blieb er bei den Gläubigen. Während der Epidemie starben auch fünf von sechs Kindern von Pistorius und seiner Frau Margaretha. Lediglich Johannes Pistorius der Jüngere überlebte. 1580 legte Pistorius sein Amt als Superintendent nieder und zog sich zurück - er blieb aber in Nidda aktiv und arbeitete weiter in der Gemeinde. Drei Jahre später starb er in seiner Heimatstadt.
Stadtverordnete stimmen für Namenszusatz
Ende 2025 hatte die Niddaer Stadtverordnetenversammlung einstimmig für die Beantragung des Namenszusatzes beim Land Hessen gestimmt. Ende Februar kam schließlich die Bestätigung aus dem Innenministerium in Wiesbaden Zum 100-jährigen Jubiläum der Reformation in Nidda macht die Stadt Nidda das Jahr 2026 zum Pistorius-Jubiläumsjahr mit zahlreichen Veranstaltungen zum Thema.
Andere Städte in Hessen haben bereits Namenszusätze
Viele hessische Städte haben bereits einen Namenszusatz. Sie sollen in erster Linie den Tourismus fördern - aber auch für eine Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit den Söhnen und Töchtern der Stadt sorgen. Unter anderem folgende Namenszusätze gibt es in Hessen bereits:
- Brüder-Grimm-Stadt Hanau
- Brüder-Grimm-Stadt Steinau an der Straße
- Büchnerstadt Riedstadt
- Einhardstadt Seligenstadt
- Friedrich-Ludwig-Weidig-Stadt Butzbach
- Hans-Staden-Stadt Wolfhagen
- Konrad-Zuse-Stadt Hünfeld
- Philipp-Soldan-Stadt Frankenberg (Eder)
- Schöfferstadt Gernsheim
Den Zusatz können die Städte dann zum Beispiel auf ihre Ortsschilder (Ortseingangstafeln) drucken. Diese Möglichkeit hat dann also auch Nidda. In der Stadt gibt es bereits das Johannes-Pistorius-Haus (evangelisches Gemeindehaus) und das Margaretha-Pistorius-Haus (Haus der Kirche und Diakonie).
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