"Ich still wo ich will" Wetzlar - Öffentliches Stillen kein Tabu mehr
Punkt 10 Uhr an der Alten Lahnbrücke: Kinderwagen so weit das Auge reicht, Babys auf dem Arm, und mittendrin jede Menge Mütter, die am Mittwoch (15.10.) ein Zeichen gesetzt haben. „Ich still, wo ich will“ heißt die bundesweite Fotoaktion.
Stillen in der Öffentlichkeit soll so normal werden wie ein Kaffee trinken. Dafür setzt sich Stillberaterin Verena Keller ein, sie hat auch die Aktion hier in Wetzlar initiiert.
Öffentlich Stillen ein Tabu?
„Die Aktion ist wichtig weil Stillen in der Öffentlichkeit einfach nicht sichtbar genug ist und weil keiner Werbung dafür macht, weil keiner Geld dafür bezahlt“, sagt Keller. Rund 50 Mütter hatten sich im Vorfeld in einer WhatsApp-Gruppe angemeldet. Mit ihren Babys zogen sie los, durch die Altstadt.
Ausgangspunkt: Fall aus Saarbrücken
An acht verschiedene Stationen haben sie sich beim Stillen fotografieren lassen. Viele Mamas ernten unangenehme Blicke und fühlen sich beim Stillen unwohl. Ausgangspunkt der ganzen Bewegung aber war ein Fall aus Saarbrücken: Eine Mutter stillt ihr sechs Monate altes Baby in einem Einkaufszentrum, ein Sicherheitsmitarbeiter fordert sie auf, damit aufzuhören und rauszugehen.
Vorfall auch in Wetzlar
Dass das kein Einzelfall ist, bestätigt uns Aileen aus Solms. Die 33-jährige wollte in einem Geschäft Kinderklamotten kaufen und hatte ihr Baby dabei. Als ihr Sohn Hunger bekam, deckte sie sich beim Stillen ab. Sie wurde von einer Mitarbeiterin angesprochen, die sie aufgefordert hat in die Umkleide zu gehen.
Stillfreundliche Orte
Mittlerweile gibt es Schilder an verschiedenen Orten. Die sollen Mamas zeigen, dass sie an diesen öffentlichen Orten ohne Probleme stillen dürfen. Begleitet wurde der Zug durch die Altstadt von den Fotografinnen Marinelle Lautz aus Wetzlar und Leja Johannson aus Braunfels, die die Mütter ehrenamtlich in Szene gesetzt haben.