Kreißsaal Schwalmstadt schließt - Längere Wege bei Geburten
Längere Wege bei Geburten - Kreißsaal Schwalmstadt wird geschloßen
Der Kreißsaal am Asklepios Klinikum Schwalmstadt macht zum 1. Januar 2027 dicht. Das Klinikum stellt dann die Leistungsgruppen Geburtshilfe und Gynäkologie ein - eine Entscheidung, die den gesamten Schwalm-Eder-Kreis trifft. Bis dahin können Babys in Schwalmstadt noch zur Welt kommen, sowohl geplant als auch ungeplant.
Hintergrund ist die aktuelle Krankenhausreform, so Asklepios. Sie stelle deutlich strengere Anforderungen an Kliniken, die Geburtshilfe anbieten wollen - personell, baulich, organisatorisch. Asklepios habe deshalb einen sogenannten Sicherstellungszuschlag beantragt, also eine finanzielle Stütze für Kliniken, die in einer Region unverzichtbar sind. Den habe das Hessische Gesundheitsministerium aber abgelehnt.
Haarscharf am Grenzwert vorbei
Laut einem bundesweiten Berechnungsmodell seien im Einzugsgebiet von Schwalmstadt nur 728 Frauen im gebärfähigen Alter auf mehr als 40 Minuten Fahrt zur nächsten Klinik angewiesen - die gesetzliche Schwelle liegt bei 950. Auch die Einwohnerdichte liegt mit 19,8 gebärfähigen Frauen pro Quadratkilometer haarscharf unter dem Grenzwert von 20. „Dieses bundesweite Instrument zur Simulation des Bedarfs sagt, dass es zu wenige betroffene Frauen in unserer Region gibt.
Aber hinter dieser abstrakten Zahl stehen Familien, die werdenden Eltern und deren Fahrzeiten in einer besonders ländlich geprägt Region“, sagt Geschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch. Zuletzt wurden in Schwalmstadt noch rund 450 Geburten pro Jahr betreut.
Hebamme erfährt die Schließung aus Medien
Dass die Geburtshilfe schließen soll, haben etliche Mitarbeiter erst durch die Medien erfahren. „Dass wir Mitarbeitenden eine Nachricht mit so weitreichenden Folgen zuerst aus der Öffentlichkeit erfahren mussten, macht mich fassungslos. Eine transparente und respektvolle Kommunikation wäre das Mindeste gewesen", sagt eine Hebamme im FFH-Gespräch.
Ein Asklepios-Sprecher sagte auf FFH-Nachfrage, dass die Mitarbeiter parallel zur Veröffentlichung der Pressemeldung informiert worden seien. Da es Schichtbetrieb gebe, seien aber nicht immer alle Mitarbeiter da. Ein Widerspruch zur Pressemeldung, in der es heißt: “Die Mitarbeitenden der Geburtshilfe und Gynäkologie hat das Klinikum persönlich informiert, bevor diese Mitteilung veröffentlicht wurde.”
Was bedeutet das für werdende Eltern im Schwalm-Eder-Kreis?
“Die Schließung bedeutet weit mehr als den Verlust von Arbeitsplätzen und die damit einhergehenden weitreichenden persönlichen Folgen für die hier verwurzelten Hebammen. Sie bedeutet den Verlust einer wohnortnahen Geburtshilfe für eine ganze Region”, erklärt die Hebamme weiter im FFH-Interview.
Wer ab 2027 in Schwalmstadt ein Kind erwartet, muss künftig deutlich weiter fahren - zur nächsten Geburtsklinik in Fritzlar, Bad Hersfeld oder Marburg. Wer beispielsweise in Schwalmstadt-Trutzhain lebt, braucht mindestens 35 Minuten - unter idealen Bedingungen. „Wer die Straßen hier kennt, weiß, dass sich diese Fahrzeit durch Verkehr, Baustellen oder Schneefall schnell verlängern kann", warnt die Hebamme. Und: Geburten lassen sich eben nicht planen. „Manche verlaufen ruhig und langsam, andere entwickeln sich innerhalb kurzer Zeit. Besonders in Notfällen zählt jede Minute."
Wie geht es jetzt weiter?
Das Universitätsklinikum Marburg übernimmt laut Asklepios eine zentrale Rolle für den südwestlichen Schwalm-Eder-Kreis. Chefarzt Prof. Dr. Uwe Wagner sichert zu, werdende Mütter aus der Region aufzunehmen - und stellt den Hebammen und Pflegekräften aus Schwalmstadt Jobs im Aussicht.
Asklepios selbst wolle möglichst viele betroffene Mitarbeiter bei der Gruppe halten, so ein Sprecher zu FFH. Das Klinikum Schwalmstadt selbst bleibe als Standort für Grund-, Regel- und Notfallversorgung bestehen und soll in den kommenden Monaten weiterentwickelt werden.