Nahezu alle Eichen befallen - Raupe wird in Kasseler Karlsaue bekämpft
Der Eichenprozessionsspinner hat zum Sommeranfang in Kassels Karlsaue so gut wie alle der 3.000 Eichen befallen - Hessen Kassel Heritage hat in diesem Jahr schon eine sechsstellige Summe beim Kampf gegen die Raupen in die Hand genommen.
Fast alle 3.000 Eichen in der Kasseler Karlsaue waren zu Beginn des Sommers vom Eichenprozessionsspinner befallen, erklärt Dr. Martin Faass, Direktor von Hessen Kassel Heritage, im FFH-Interview. Manche Bäume tragen nur wenige Nester des gefährlichen Schädlings - andere gleich 10 bis 100. Die Brennhaare der Raupen können starke Hautreizungen, Augenprobleme und allergische Reaktionen auslösen. Hinweisschilder in der Karlsaue warnen derzeit vor dem Kontakt.
Befall steigt stetig
Warum trifft es Kassel jetzt so hart? „Nordhessen war so ein bisschen außen vor bisher", erklärt Faass. Andere Bundesländer hatten demnach lange größere Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner. Doch das hat sich geändert: „Offensichtlich hat sich das Klima so verändert, dass es jetzt auch für Nordhessen ein großes Problem ist." In den vergangenen fünf Jahren sei der Befall stetig gestiegen.
Winzige Würmer und Heißschaum gegen die Raupen
Hessen Kassel Heritage kämpft mit mehreren Mitteln gegen den Schädling. Schon früh im Jahr wurden sogenannte Nematoden eingesetzt - „mikroskopisch kleine Würmer, die man in der Nacht versprüht", so Faass im FFH-Interview. Diese Würmer dringen in die Larven des Eichenprozessionsspinners ein und töten sie ab. Weil sie sehr empfindlich auf UV-Licht reagieren, muss die Behandlung nachts stattfallen - und die Wirkung muss noch in derselben Nacht einsetzen, bevor die Sonne aufgeht. Zusätzlich rücken Mitarbeiter mit Hochdruck-Heißschaumgeräten an die Baumstämme an, externe Firmen steigen mit Hubsteigern in die Baumkronen - Nest für Nest.
Ein sechsstelliger Betrag - und trotzdem bleibt ein Restrisiko
Der Aufwand ist enorm: „Das ist schon ein sechsstelliger Betrag, den wir dafür in die Hand nehmen müssen", sagt Faass. Besonders Veranstaltungsflächen - etwa für den Herbstzauber oder den Zissel - werden prioritär behandelt. Doch eine hundertprozentige Sicherheit kann auch das nicht garantieren: Abgefallene Nester werden vom Wind verteilt, Brennhaare können sich im Gras oder Staub festsetzen. „Ein Restrisiko bleibt", räumt Faass ein. Erschwerend kommt hinzu, dass Hessen Kassel Heritage und die Stadt Kassel oft dieselben Spezialfirmen beauftragen - was zu Engpässen bei den Ressourcen führte.
Meisen, Fledermäuse und vielleicht bald Drohnen
Für die Zukunft denkt Hessen Kassel Heritage auch an natürliche Verbündete: In der Karlsaue sollen zusätzliche Nistkästen für Meisen und Fledermäuse angebracht werden, die Raupen des Eichenprozessionsspinners fressen. Außerdem ist der Einsatz von Drohnen in der Prüfung, um die Nematoden großflächiger und effizienter ausbringen zu können. Hessen Kassel Heritage tauscht sich dazu auch mit der Stadt Kassel und den KOllegen in anderen Bundesländern im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Schlösserverwaltung aus.
Noch bis mindestens Ende August wird gearbeitet
Ein großer Teil der rund 3.000 betroffenen Eichen ist inzwischen behandelt und abgesaugt. „Die Maßnahmen werden uns sicherlich auch noch den August überdauern", sagt Faass im FFH-Interview. Und auch langfristig gibt es keine einfache Lösung: „Eichen abzuholzen ist sicherlich keine Lösung" - den Bäumen selbst schade der Schädling nämlich nicht. Nur für Tiere und Menschen, vor allem Allergiker, sei er gefährlich. „Wir müssen uns darauf einrichten, noch längere Jahre mit der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zu tun zu haben."