Warum ganz Europa profitiert - Top-moderne Insulinfabrik in Frankfurt
Der Pharmakonzern Sanofi baut in Frankfurt eine mehr als eine Milliarde Euro teure Produktionsanlage für Insulin. Am Montag (19. Oktober) ist der Spatenstich geplant. Warum das Projekt für die Stadt Frankfurt, das Land Hessen, den Bund und sogar die EU von großem Interesse ist.
Um die Versorgung mit Insulin zu sichern, darf Deutschland den Arzneimittelhersteller Sanofi mit 400 Millionen Euro unterstützen. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt könne damit für seine Nettokosten entschädigt werden, hatte die EU-Kommission Anfang September mitgeteilt. Sie prüft staatliche Beihilfen wie diese, um Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden.
1,1 Tonnen Insulin pro Jahr
Die Sanofi-Aventis Deutschland GmbH verpflichtet sich nach Angaben der Brüsseler Behörde im Gegenzug dazu, bis Ende 2032 eine neue Insulinfabrik an ihrem Standort im Frankfurter Stadtteil Höchst aufzubauen. Dort sollen demnach bis Ende 2042 jährlich mindestens 1,1 Tonnen Insulin hergestellt werden.
Der Arzneimittelhersteller muss zudem eine Tonne pharmazeutischer Insulinwirkstoffe bevorraten und im Fall eines Engpasses bei der Insulinversorgung die europäischen Märkte bevorzugt versorgen.
Wichtig für Diabetiker
Das Hormon Insulin sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen werden kann. Bei Menschen mit Diabetes mellitus ist der Blutzuckerspiegel erhöht. Zur Behandlung der Stoffwechselstörung wird teils Insulin verwendet - technisch hergestelltes Humaninsulin, das strukturell dem natürlichen menschlichen Insulin entspricht, oder Insulinanaloga, die molekular leicht verändert wurden.
Durch die Vereinbarung mit Sanofi soll die Versorgung mit menschlichem Insulin und Insulinanaloga krisenfester werden.
Zentrale Bedeutung für Europa
Ohne die Gelder würde Sanofi laut Mitteilung der EU-Kommission seinen deutschen Standort schließen. Es sei die einzige Produktionsstätte für Humaninsulin im Europäischen Wirtschaftsraum und eine von nur zwei Insulin-Produktionsstätten im Gebiet.
"Da einige Produkte wie menschliches Insulin nicht mehr im EWR hergestellt würden, wäre Europa von Einfuhren aus Drittländern abhängig", so die Behörde.
Neue Anlage ersetzt die bisherige
Der französische Pharmakonzern Sanofi hatte 2024 angekündigt, bis 2029 rund 1,3 Milliarden Euro in den Bau einer modernen Insulinproduktionsanlage an seinem Standort in Frankfurt zu investieren. Sie soll die bisherigen Insulinproduktionsanlagen ersetzen. Mehrere hundert Fachkräfte sollen dort künftig arbeiten.
Die Investition von Sanofi wird durch die Unterstützung der Bundesregierung, der hessischen Landesregierung sowie der Stadt Frankfurt ermöglicht. Das grüne Licht aus Brüssel war die letzte Hürde. Am Standort in Frankfurt arbeiteten nach Unternehmensangaben zuletzt etwa 6.500 Menschen.
"Pharmastandort Hessen"
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) begrüßte die Nachricht: "Das ist ein starkes Signal für den Pharmastandort Hessen und ein weiterer Meilenstein für die Arzneimittel-Souveränität Europas und die Exportstärke Deutschlands", teilte er mit.
"Die Investition stärkt unsere Unabhängigkeit bei lebenswichtigen Arzneimitteln und sichert zugleich industrielle Wertschöpfung und hochqualifizierte Arbeitsplätze am Standort Frankfurt."
Freude auch bei der Stadt Frankfurt
Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) nannte das Projekt in einer Mitteilung "ein starkes Bekenntnis zum Pharmastandort Frankfurt und Hessen". "Vor dem Hintergrund mehrerer gescheiterter Investitionsprojekte in letzter Zeit bin ich sehr froh, dass nun dieser wichtige Schritt für diese Investition gelungen ist."