Federweißer aus Groß-Umstadt - Odenwald: Traubenernte früh wie noch nie
Der Federweißer kommt früher als je zuvor: In Groß-Umstadt startet die Odenwälder Winzergenossenschaft an diesem Donnerstag die früheste Traubenlese ihrer Geschichte.
Dass es schon am 21. August losgeht, ist historisch. „Es ist dieses Jahr tatsächlich die früheste Erntezeit in der Geschichte unserer Genossenschaft seit 1959", sagt Vorstandsvorsitzender Manfred Weber im Gespräch mit HIT RADIO FFH.
Grund ist der Hitzesommer
Zuletzt wurde 2018 ähnlich früh gelesen - damals am 24. August, dieses Jahr sind es noch einmal vier Tage früher. Grund ist der heiße, trockene Sommer 2026, der die Trauben regelrecht auf Tempo getrimmt hat.
Pralle Trauben, zuckerreif
Wer dieser Tage durch die Weinberge spaziert, sieht sie schon von Weitem: schwere, grün bis grün-gelb schimmernde Trauben in der Spätsommersonne. „Schöne fette grüne bis grün-gelb gefärbte Trauben, die aktuell bei rund 75 bis 78 Grad Oechsle sind und somit ideal zur Lese für den Federweißer", beschreibt Weber den Zustand der Reben. Für den Federweißer greift die Genossenschaft auf die früh reifenden Sorten Solaris und Müller-Thurgau zurück - beide haben durch die Hitze besonders schnell hohe Oechsle-Werte erreicht.
Flasche auf - sonst knallt's
Federweißer ist kein fertiger Wein - er ist Traubensaft mitten in der Gärung, der noch lebt und arbeitet. Die Flasche darf deshalb niemals verschlossen werden. „Er würde bei verschlossener Flasche Druck aufbauen und die Flasche würde platzen", erklärt Weber. Statt eines Schraubverschlusses gibt es deshalb nur eine Kapsel mit kleinen Öffnungen. Bis er trinkfertig ist, dauert es außerdem noch zwei bis drei Tage - erst dann hat die Gärung richtig Fahrt aufgenommen.
Ab Dienstag im Regal
Die Maschinenlese startete am Donnerstagmorgen. Ab Dienstag, 25. August, ist der Federweißer dann erhältlich. Die Genossenschaft plant mit rund 40.000 bis 45.000 Litern für die gesamte Saison - die wegen der Trockenheit wohl bereits Mitte Oktober endet. „Eigentlich stehen alle Zeichen auf einen guten Jahrgang", sagt Weber auch im Hinblick auf die bald beginnende Ernte für Wein und Sekt - sofern keine lange Regenperiode folgt, die Pilzkrankheiten und aufplatzende Trauben mit sich bringen könnte.
Auch die Bergstraße erntet früher als je zuvor
Ein ähnliches Bild zeigt sich wenige Kilometer weiter. Tobias Breit, Vorstandsvorsitzender der Bergsträsser Winzer-Genossenschaft in Heppenheim, spricht gegenüber HIT RADIO FFH ebenfalls von „so früh wie wahrscheinlich noch nie". Ab Dienstag, 26. August, beginnt dort die erste Lese - der Federweißer ist ab dem 8. September erhältlich. Auch an der Bergstraße drückt die Trockenheit auf den Ertrag: Die Beeren sind kleiner geblieben, die Qualität aber gut. „Von da können wir uns sicherlich auf sehr dichte Weine freuen", sagt Breit.