Fans bringen Boden zum Beben - Forscher messen am Mainzer Stadion
Wer im Stadion steht, spürt es manchmal körperlich. Wenn die Fans abgehen, schwingt der Boden. Forscher der Uni Mainz haben dieses Gefühl jetzt in Messdaten verwandelt.
Drei Kilo Hightech am Spielfeldrand
Die Geräte sind kompakt, robust und wiegen gerade mal drei Kilogramm. Inspiriert von ähnlichen Experimenten bei Konzerten und Fußballspielen im Ausland wollten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausfinden, welche Schwingungen Menschenmassen erzeugen können. Dafür wurden Stationen mit Seismographen direkt am Spielfeldrand, auf den Tribünen und bis hin zum Uni-Campus aufgebaut, ungefähr 1,5 Kilometer vom Stadion entfernt.
Spiel gegen Bayern ließ Boden beben
Die Frage klingt simpel: Können Fans seismische Signale erzeugen? Die Antwort ist ein klares Ja. Und manche Spiele erzeugen besonders starke Signale. Vulkan-Seismologin von der Uni Mainz Miriam Reiss sagt: „Gegen Bayern waren die Schwingungen, die da induziert wurden, besonders intensiv, sagen wir so." Das ist ja auch kein Wunder, wenn Tausende gleichzeitig ausrasten, überträgt sich das direkt auf den Untergrund.
Torjubel oder Fangesang, wer gewinnt?
Hier kommt die überraschende Erkenntnis des Projekts. Reiss sagt: „Torjubel ist auf jeden Fall sichtbar, ist aber ein sehr kurzes Signal", und 1,5 Kilometer weiter am Institut ist davon nichts mehr zu sehen.
Der eigentliche Sieger ist der Fangesang. „Wenn eben viele Leute das Gleiche tun, dann koppelt es besser in den Boden ein", sagt Reiss. Dadurch ist es noch kilometerweit messbar.
Der heilige Gral: die Laola-Welle
Ein Phänomen fehlt den Forschern noch in ihrer Datensammlung und sie warten sehnsüchtig darauf. „Was wir auf jeden Fall hoffen, ist eine Laola-Welle, weil die haben wir bisher nicht aufzeichnen können." Es ist fraglich, ob der zeitversetzte Bewegungsablauf der Fans ein erkennbares seismisches Signal hinterlässt.
Außerdem sollen die Stationen außerhalb des Stadions auch während eines DFB-Länderspiels in Betrieb bleiben, um die Signale mit denen eines Bundesligaspiels vergleichen zu können.