ADAC-Analyse: Autofahrer in Großstädten zunehmend frustriert
ADAC-Analyse - Warum Autofahrer frustriert sind
Baustelle bis Straßenbahn: Der ADAC hat in 29 mittleren Großstädten ermittelt, wie Bewohner, Pendler und Besucher die örtliche Verkehrssituation empfinden. Überwiegend gefrustet sind nur Autofahrer.
In Deutschlands Großstädten - ohne die Metropolen - sind nach einem groß angelegten Vergleich des ADAC nur die Autofahrer mit der örtlichen Verkehrssituation im Schnitt unzufrieden. Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV-Fahrgäste sind laut ADAC demnach eher zufrieden. In der "Mobil in Mittelgroßstädten" getauften Untersuchung ist der Gesamtindex im Vergleich zur vorangegangenen Untersuchung 2021 allerdings von 21 auf 17 Punkte gesunken - das mögliche Bestergebnis wären 100 Punkte.
Gegliedert nach Verkehrsmitteln, sind Fußgänger und ÖPNV-Fahrgäste mit einem Indexwert von plus 28 am zufriedensten, gefolgt von Radfahrern mit plus 20. Anders sieht es bei der autofahrenden Bevölkerung aus: Mit einem Wert von minus 9 überwiegt die Unzufriedenheit. Wer hinter dem Steuer sitzt, ärgert sich demnach häufig über Baustellen, Staus, Straßenzustand, E-Scooter- und Fahrradfahrer sowie teure Parkgebühren. E-Scooter-Fahrer sind laut Umfrage auch bei Radfahrern und Fußgängern unbeliebt.
Münsteraner an der Spitze
Der Autoclub befragte 11.600 Menschen in 29 Großstädten - Einwohner, Pendler und Besucher - mit weniger als 500.000 Einwohnern nach ihrer Einschätzung, wie gut oder schlecht sie vorankommen - ob mit Auto, öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrad oder zu Fuß.
Am zufriedensten sind die Einwohner Münsters mit einem Indexwert von 32 Punkten. Die Bewohner der früheren Hauptstadt Westfalens erteilten wie 2021 im Schnitt die besten Noten. Allerdings landete auch eine Stadt in NRW am anderen Ende der Tabelle auf dem letzten Platz: Oberhausen. In vier Städten - Mönchengladbach, Kiel, Potsdam und Karlsruhe - ist die Zufriedenheit gewachsen, in drei weiteren - Erfurt, Augsburg und Bielefeld - unverändert, und in den restlichen neunzehn gesunken.
Differenziertes Bild für Wiesbaden
Der Monitor zeigt, wie zufrieden die Menschen mit ihrer persönlichen Mobilität sind. Für Wiesbaden fällt die Bewertung unterschiedlich aus: ÖPNV und Radverkehr erhalten positive Werte, beim Fußverkehr gibt es eine Verschlechterung, besonders kritisch wird der PKW-Verkehr bewertet.
„Unterm Strich bin ich mit den Ergebnissen ganz zufrieden - aber eben nicht in allen Bereichen. Dass der ÖPNV und der Radverkehr positiv bewertet werden, ist eine sehr gute Nachricht. Beim Fußverkehr muss eine eingehende Prüfung der Kritikpunkte erfolgen. Und beim PKW-Verkehr sind die Resultate vollkommen unbefriedigend. Da müssen wir ran“, sagt Verkehrsdezernent Marc Dahlen.
Erste Maßnahmen bereits umgesetzt
Einzelne Baustellen konnten schneller abgeschlossen werden als geplant, zudem wurde die Koordination der Baumaßnahmen im gesamten Stadtgebiet überprüft. Künftig soll stärker darauf geachtet werden, dass sich Baustellen und ihre Umleitungsstrecken nicht gegenseitig behindern. Ein weiterer Schritt ist die bereits beschlossene Einrichtung eines Baustellenmanagements; die Vorbereitungen sind weit fortgeschritten. Auch auf die kurzfristige Sperrung der A643 an der Schiersteiner Brücke Mitte September reagierte das Dezernat schnell und ergriff gemeinsam mit den beteiligten Stellen Maßnahmen gegen ein drohendes Verkehrschaos.
5.000 Baustellen pro Jahr
Eine besondere Herausforderung bleibt die hohe Zahl der Baustellen: Rund 5.000 gibt es jährlich in Wiesbaden. Viele Arbeiten sind unverzichtbar - Wasser- und Stromleitungen müssen erneuert, Telekommunikationsnetze ausgebaut und ein Fernwärmenetz geschaffen werden. „Wir müssen uns fragen, wie wir die Zahl und die Auswirkungen der Baustellen besser in den Griff bekommen. Gleichzeitig können wir notwendige Infrastrukturmaßnahmen nicht einfach aufschieben. Die Herausforderung besteht darin, beides zu vereinbaren: unsere Infrastruktur zukunftsfest zu machen und den Verkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigen“, sagt Dahlen.
„Wir geben Gas“
Für Dahlen ist der Monitor eine hilfreiche Bestätigung der eingeschlagenen Richtung - gerade die Ergebnisse beim PKW-Verkehr zeigten, dass die begonnenen Veränderungen notwendig sind. Zugleich sei klar, dass sich die Verkehrssituation nicht mit einzelnen Maßnahmen grundlegend ändern lasse.
„Wir wissen, wo die Probleme liegen. Der Monitor bestärkt uns in dem, was wir bereits angepackt haben. Unser Ziel ist, dass der Verkehr in Wiesbaden wieder besser fließt und Staus kürzer werden. Das ist eine große Herausforderung, der wir uns jeden Tag stellen - gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Dezernat, in den Ämtern und mit unseren Bauleuten. Wir arbeiten mit Nachdruck daran. Wir geben Gas“, sagt Dahlen.